An der Werkstatt haben Flüchtlinge und die Helfer des Projekts „Bikes without Borders“ bei den Treffen alle Hände voll zu tun. Die Vergabe der Fahrräder läuft neuerdings über eine Online-Registrierung.
An der Werkstatt haben Flüchtlinge und die Helfer des Projekts „Bikes without Borders“ bei den Treffen alle Hände voll zu tun. Die Vergabe der Fahrräder läuft neuerdings über eine Online-Registrierung. | Foto: Anne Weiss

Karlsruher Radprojekt

Bikes without Borders

Sasan hält sein Ohr dicht an den geflickten Fahrradschlauch. Er will wissen, ob nicht doch noch Luft entweicht, horcht konzentriert. Dann nickt der Iraner zufrieden seinem Helfer zu, der ihm vor der kleinen Karlsruher Fahrradwerkstatt von „Bikes without Borders“ assistiert. Bereits seit 2012 gibt es das Projekt des Freundeskreis Asyl, das gespendete Räder an Flüchtlinge vermittelt und sie mit ihnen fahrtüchtig macht. Seit gut einem Jahr reparieren Helfer und Flüchtlinge die Drahtesel an der Werkstatt hinter dem Gebäude des Vereins auf dem Gelände des Alten Schlachthofs.

Mit Online-Registrierung gegen enttäuschte Gesichter

Neuerdings lagern die Räder in einem alten Seecontainer. Mit der Zeit ist das Projekt bekannter – und damit eine weitere Neuerung nötig geworden: Die Helfer haben die Rädervergabe jüngst auf ein Online-System umgestellt. „Damit die Flüchtlinge nicht so oft umsonst zu uns kommen und mit leeren Händen wieder gehen müssen“, sagt Tobias Boßmann, einer der Initiatoren des Projekts. Denn immer öfter nehmen die Asylbewerber zum Teil weite Wege auf sich, um an ein Rad zu kommen.
An diesem Abend geben die Helfer planmäßig fünf Fahrräder an Asylbewerber heraus, die sich zuvor über die neue Homepage registriert und auf eine Warteliste gesetzt hatten. Den Empfängern haben die Helfer zuvor Bescheid gegeben. „Es standen auch schon zehn Familien mit Kindern vor uns und wir hatten genau ein Kinderrad. Dann neun enttäuschte Familien wegschicken zu müssen, das ist traurig“, sagt Sonja Weise. Die 26-Jährige ist seit einem Jahr Teil des Projekts. Ziel der Umstellung sei vor allem die bessere Planbarkeit: „So können wir die Zahl der Helfer der Zahl der Flüchtlinge anpassen.“ Denn nicht immer könne jeder der rund 15 Ehrenamtlichen mit anpacken.

In der kleinen Werkstatt beim Alten Schlachthof gibt es Werkzeug, neue Reifen und Schläuche.
In der kleinen Werkstatt beim Alten Schlachthof gibt es Werkzeug, neue Reifen und Schläuche. | Foto: Anne Weiss

 

Auch dieses Mal sind mehr Menschen gekommen. Solche, die ihr Rad reparieren wollen, die eines spenden möchten und eben diejenigen, die auf ein Fahrrad hoffen. „Wir geben trotzdem nur die Räder ab, die wir verplant hatten. Sonst funktioniert das System langfristig nicht“, erklärt Weise und zuckt bedauernd mit den Schultern.
Auch Sasan aus dem Iran hat Mitleid mit denen, die vergeblich gekommen sind. Dass alle zusammen Räder reparieren, und manch einer nach dem ebenfalls gespendeten Werkzeug greift und mit anpackt, wenn er schonmal da ist, gefalle ihm. In einer App schlägt er nach, wenn er nach den deutschen Wörtern sucht, die er nicht kennt. „Jeder Gegenstand hier hat eine Geschichte“, sagt er. Die Geschichte seines Rades kennt er zumindest in Teilen, es stand lange verstaubt im Keller einer Frau, in deren Nähe er wohnt. Sie habe es ihm geschenkt. Den platten Drahtesel hat er mit der S-Bahn aus Durlach gebracht. „Nicht so weit“, sagt er. Mustafa und Fadell hingegen sind aus Heidelberg gekommen. Dass sie sich hätten registrieren müssen, wussten sie nicht. Zumindest Mustafa will das nun tun – und wenn er von „Bikes without Borders“ kontaktiert wird, wolle er wiederkommen. „Besser zweimal als ganz oft“, sagt der 21-jährige Syrer.

Mehr Informationen zum Projekt, Räderabgabe und Mitarbeit gibt es auf dem Blog des Projekts.
Bei der neuen Online-Registrierung können sich Flüchtlinge auf die Warteliste für ein Fahrrad setzen lassen.