Fast alles platt: Nach dem Abriss des Luisenflügels am Europäischen Hof in Baden-Baden steht jetzt das große Aufräumen an.
Fast alles platt: Nach dem Abriss des Luisenflügels am Europäischen Hof in Baden-Baden steht jetzt das große Aufräumen an. | Foto: Rudolphi

Europäischer Hof Baden-Baden

Der Luisenflügel liegt in Trümmern

Der Luisenflügel des Europäischen Hofs in Baden-Baden liegt in Trümmern. Von dem ehemaligen Anbau des Traditions-Hotels in der Kaiserallee ist nur ein riesiger Haufen Schutt übrig. Die mehrmonatigen Abbrucharbeiten im Zuge der umfassenden Sanierung und des Umbaus stehen kurz vor dem Abschluss. „Das Ganze war extrem aufwendig und musste sehr filigran erfolgen“, erläutert Architekt Peter Kruse im BNN-Gespräch.
Am Anfang sei der Abriss des Gebäudekomplexes entlang der Luisenstraße sehr schnell vorangeschritten, doch je weiter die Arbeiten gediehen seien, umso vorsichtiger habe die Abbruchfirma vorgehen müssen. „Der Bagger durfte mit seiner Zange immer nur kleine Brocken anpacken, weil der Luisenflügel an denkmalgeschützte Gebäudeteile angrenzt, die wir natürlich erhalten wollen“, betont Kruse. Zudem sei es immer wieder erforderlich gewesen, aufklaffende Öffnungen zuzumauern, um das Bestandsgebäude zu sichern.

Kein Tag ohne Überraschungen

„Wir wussten vorher, dass der Abriss ziemlich kompliziert wird, und haben entsprechend kalkuliert“, bekräftigt der Architekt. Fast kein Tag sei ohne Überraschungen vergangen. Beispielsweise sei plötzlich an einer Mauer der Barbarina-Bar eine aufgemalte Werbung aufgetaucht. „Trotz aller Schwierigkeiten liegen wir aber im Zeitplan“, versichert Kruse. Jetzt gehe es daran, den Schutt nach Materialien zu sortieren und abzutransportieren. Als nächster Schritt des Bauvorhabens steht an, den Rotenbachkanal, der am und unter dem Gebäude fließt, zu sichern. „Wenn wir die Baugrube für den geplanten Neubau ohne diese Sicherung ausheben, würde der Kanal einfach umfallen“, berichtet der Architekt. Die Sicherung soll mit einer Stahlkonstruktion geschehen. Dieses Vorhaben stellt die Planer jedoch vor große Herausforderungen, weil der Rotenbachkanal im Thermalwasserschutzgebiet liegt. „Wir können deshalb nur sehr dünne Bohrpfähle in das Gestein treiben“, erläutert Kruse.

Durchblick: Im früheren Innenhof des Europäischen Hofs entsteht die neue verglaste Lobby.
Durchblick: Im früheren Innenhof des Europäischen Hofs entsteht die neue verglaste Lobby. | Foto: Rudolphi

Neubau sieht Ladenzeile vor

Erst wenn der Rotenbachkanal gesichert ist, beginnt der Aushub für den Keller. Da dieser tiefer liegt als das bestehende Gebäude, ist es nötig, diesen Komplex zu unterfangen. Der Zeitplan sieht vor, dass zunächst der Neubau des Luisenflügels entsteht, bevor die Arbeiten im Altbau, der inzwischen komplett leergeräumt ist, weiterlaufen können. „Das hängt einfach damit zusammen, dass wir beispielsweise das Verlegen von neuen Leitungen synchronisieren müssen“, meint der Architekt. Der Investor stehe jedoch nicht unter Zeitdruck. Nach jetzigem Stand sei geplant, den Europäischen Hof im Laufe des Jahres 2018 wieder zu eröffnen.

Investition liegt bei rund 57 Millionen Euro

Der neue Eigentümer Martin Buchli-Casper investiert rund 57 Millionen Euro, um dem Europ mit 123 Zimmern und Suiten zu neuem Glanz zu verhelfen. An der Stelle des bisherigen Luisenflügels entsteht eine dreistöckige Passage mit Zimmern in den Obergeschossen sowie Geschäfts- und Ladenflächen im Erdgeschoss.

Die Pläne sehen weiter vor, den heute noch für Autos zugänglichen Innenhof zu einer verglasten, rund 220 Quadratmeter großen Lobby zu machen. Zudem möchte Kruse die fünf ehemaligen Baukörper wie etwa das historische Haupthaus oder die Bankvilla wieder freistellen, um sie besser zur Geltung zu bringen. Die Innengestaltung des neuen Europäischen Hofs übernimmt der italienische Innenarchitekt Matteo Thun.