Der Kapitän und sein Boot: 15 000 Arbeitsstunden hat Volker Straub in den Bau der „Lovver“ investiert, hier ein Bild aus seiner „Werkstatt“ in Sandweier. Mittlerweile ist die Segelyacht schon auf dem Weg in die Niederlande.
Der Kapitän und sein Boot: 15 000 Arbeitsstunden hat Volker Straub in den Bau der „Lovver“ investiert, hier ein Bild aus seiner „Werkstatt“ in Sandweier. Mittlerweile ist die Segelyacht schon auf dem Weg in die Niederlande. | Foto: Dominic Körner

Volker Straub aus Obersasbach vollendet Segelyacht-Bau nach 15 Jahren

Adrenalinschub vor der Jungfernfahrt

Nach 15 Jahren Bauzeit ist es soweit: Volker Straub kann mit seiner Segelyacht in See stechen. Rund 15 000 Arbeitsstunden hat der Obersasbacher in die „Lovver“ gesteckt, ein 15 Meter langes und 18 Tonnen schweres Boot. Am Freitag war der große Tag – am frühen Morgen wurde die Yacht mit einem Kran aus der Stahlhalle auf dem Gelände der Firma Bold in Baden-Baden gehoben, auf einem Tieflader zum Rhein bei Wintersdorf gefahren und zu Wasser gelassen. In den kommenden Tagen schippert Straub, angetrieben vom 83 PS starken Motor, den Fluss hinab in die Niederlande, wo der Schiffsmast gestellt wird. Für Straub und seine Frau Veronika, nach denen die Yacht – von der Mitte aus gelesen – benannt ist, heißt es dann: „Leinen los.“ Im Ijsselmeer wollen die Straubs mit der „Lovver“ trainieren, ehe es hinaus auf die großen Weltmeere geht.

Baupläne kamen aus den Niederlanden

Das Warten hat ein Ende. „Der Adrenalinpegel steigt“, sagt Volker Straub, als er dem BNN-Redakteur sein Schätzchen zeigt. Auf dem Bold-Areal in Sandweier an der Autobahn hat der Schweißermeister im Ruhestand eine 100 Quadratmeter große Stahlhalle hochgezogen, in der er seit Jahren jede frei Minute verbracht hat, um sich seinen Traum von der eigenen Segelyacht zu erfüllen. Auf das Gelände kam er durch Vermittlung seiner Frau, die für die Acherner Firma arbeitet. Baupläne und die mehr als 1 000 Einzelteile lieferten zwei holländische Firmen. Straub schweißte, schraubte, hämmerte – und lackierte. Heute erstrahlt die „Lovver“ in Blütenweiß, einige dunkelblaue Akzente runden das klassische Gesamtbild ab.
Die ungewöhnliche Idee zum Bootsbau kam Straub und Gattin („Sie hat mich immer unterstützt – sonst wäre es nicht gegangen“) bereits Mitte der 90er Jahre nach einem Segeltörn auf dem holländischen Ijsselmeer. Der Kapitän ließ Volker Straub für ein Manöver ans Steuer – und der fing sofort Feuer: „Ein unbeschreibliches Gefühl“, erinnert sich der Obersasbacher, „das wollte ich wieder haben“. Seine Segelyacht, betont er, sei für ihn kein Statussymbol, mit dem er angeben wolle. Vielmehr bringe ihm das Segeln „Ruhe und Gelassenheit“. Das Zusammenspiel von Mensch und Natur bewundert Straub seit dem ersten Turn vor 20 Jahren: „Man muss das Meer und das Wetter lesen können“.

Yacht bietet Platz für sechs Passagiere

Zum Renteneintritt, so der ursprüngliche Plan, wollte Straub seine „Lovver“ zu See lassen. Ein paar Jahre länger hat es dann doch gedauert, aber das Ergebnis seiner Handwerksarbeit kann sich sehen lassen. In der Kabine bietet die Yacht mit Gästekoje Schlafplatz für bis zu sechs Passagiere. Sie verfügt über Küche und Bad mit Druckwassersystem (acht Bar), ein Generator liefert 220 Volt und selbst eine Entsalzungsanlage für Meerwasser hat Straub installiert. „Falls uns auf See mal das Wasser ausgeht“, erklärt er schmunzelnd.
Die großen Abenteuer auf den Weltmeeren müssen aber noch warten. Zunächst steuert Straub das Boot mit 2,20 Metern Tiefgang in die Niederlande. Dabei unterstützt ihn ein erfahrener Lotse. Nachdem dort der Mast aufgebaut wird, wollen sich die Straubs zunächst im Ijsselmeer mit der Yacht und deren Ausstattung vertraut machen, zu der auch ein GPS und ein kleines Beiboot gehören. „Auf See muss jeder Handgriff sitzen“, sagt Straub. Erst, wenn diese verinnerlicht seien, will sich das Obersasbacher Ehepaar hinaus aufs offene Meer wagen. Denn Straub weiß: „Da draußen geht die Post ab.“