Für das Tulla-Gymnasium hat er gelebt: Alfred Hog.
Für das Tulla-Gymnasium hat er gelebt: Alfred Hog. | Foto: Collet

Tulla-Gymnasium in Rastatt

Alfred Hog im Ruhestand

An der Tür zu seinem Bungalow steht es eindeutig: „Alfred Hog ist seit 1. September im Ruhestand.“ Der bisherige Hausmeister des Tulla-Gymnasiums, der gewissermaßen immer offene Türen und ein offenes Ohr für Schüler und Lehrer hatte, startet in der nächsten Woche in das erste Schuljahr im Rentenstand. „Ich habe gelebt fürs Tulla“, bekennt er im Gespräch mit den Badischen Neuesten Nachrichten.
Alfred Hog begann seinen Hausmeisterdienst im März 1985. Er übernahm ihn damals von Wilhelm Brenneis, der in den Ruhestand gegangen war – und der nur wenige Monate danach verstarb. „Ich wurde sozusagen ins kalte Wasser geschmissen“, so Hog. Normalerweise könne man beim Vorgänger noch so manches nachfragen, er musste sich das Wesen und den Betrieb des Gymnasiums selbst erarbeiten.
Und da kommt einiges zusammen in einer Schule mit anfangs rund 1 300 Schülern. „Ich habe immer auf die Uhr geschaut, das Handy hat ständig geklingelt“, berichtet Alfred Hog. Er war Handwerker, Vorgesetzer von zehn Reinigungskräften, Gärtner, Verkäufer, Aufseher über alle Räume, Kontrolleur der Heizung und Ansprechpartner für alle. Hog hat von Reinhold Merkel über Ute Beltermann bis Peter Blessing drei Direktoren erlebt und vier Stellvertreter. Und er nahm wahr, wie die Schülerzahl bis auf 700 geschrumpft ist, was ihn mit großer Sorge erfüllt.

Zahl der Problemschüler hat deutlich zugenommen

Hogs Arbeitstag begann schon vor 6 Uhr. Er richtete den Verkauf, verteilte die Zeitungen, schloss Zaun und Schulgebäude auf und brachte die Post ins Sekretariat. Der erste Verkauf war bereits um 9.15 Uhr. Abends wurde es oft spät, wenn Konzerte in der Aula waren oder Vereine die Sporthalle nutzten. „Abends hat es im Laufe der Jahre immer mehr Elternabende gegeben, vor allem auch Einzelgespräche mit Eltern, da die Zahl der Problemschüler massiv zugenommen hat“, berichtet Hog.
Überhaupt habe sich unter den Schülern vieles gewandelt. Anfangs habe er nahezu alle gekannt, es gab viele Kontakte. „Wir brauchten für unsere zwei Töchter nie Babysitter, darum haben sich die Schüler gerissen“, schmunzelt Hogs Frau Magdalena. Gerne erinnert sich Alfred Hog daran, wie er nach Abiturfeiern mit den Schülern bis in die Nacht hinein feierte, einmal wurde er sogar mitgenommen in die Disco nach Karlsruhe. Zuletzt habe er jedoch nicht einmal mehr alle Abiturienten gekannt.
Zu seinen dramatischsten Erlebnissen zählt der Schock, als er am Morgen eines zweiten Adventssonntags einen toten Obdachlosen im Fahrradschuppen fand. Benachrichtigt darüber wurde er von einem anderen Obdachlosen – die Familie Hog hatte zu diesen Menschen einen guten Draht, da sie ihnen immer mal wieder ein Dach über dem Kopf oder eine warme Mahlzeit boten.
Einer der Höhepunkte war für ihn die Sonnenfinsternis, bei der er in einem kleinen Kreis um die damalige Direktorin Ute Beltermann auf dem Tulla-Dach stand. „Wir haben Sekt dabei getrunken und gefeiert“, so Alfred Hog.
Nachfolger Michael Leli wird nicht bei der Schule wohnen, die Residenzpflicht für Hausmeister gibt es nicht mehr. Familie Hog, die sich einen idyllischen Garten hinter dem Bungalow eingerichtet hat, wird es nun genießen, nicht mehr ständig auf die Uhr schauen zu müssen – und viel Zeit für die vier Enkelkinder zu haben.