Die beiden Hauptdarsteller im "Rocky"-Musical, Wietske van Tongeren (Adrian) und Nikolas Heiber (Rocky).
Die beiden Hauptdarsteller im "Rocky"-Musical, Wietske van Tongeren (Adrian) und Nikolas Heiber (Rocky). | Foto: Stage/Potente

Musical "Rocky" in Stuttgart

Alles in Bewegung

Das Finale hat es in sich – und zwar auf und hinter der Bühne. Ein wirklich bewegendendes Spektakel, diese „Rocky“-Show – für die Zuschauer im Saal sowieso und hinter den Kulissen sogar sinnbildlich. Denn hier ist so ziemlich alles in Bewegung, wie ein Perspektivwechsel zeigt, der den Gästen auf den weichen Stühlen im Stuttgart Palladium Theater versagt bleibt.
Sie sind voll und ganz darauf fixiert, wie der Moderator über ihren Köpfen den großen Kampf ansagt – Rocky Balboas Kampf seines Lebens. Währenddessen schiebt sich der Boxring nach vorne – dorthin wo vor Sekunden noch die Zuschauer in der ersten Reihe saßen. Sie haben nun hinter dem Ring auf einer Tribüne Platz genommen, die sich von rechts ins Bild geschoben hat. Das Publikum ist nun Teil des Spektakels, die Zuschauer sind mittendrin statt nur dabei, als sich „Rocky“ – gespielt von Nikolas Heiber – den erbarmungslosen Fight mit seinem Kontrahenten Apollo Creed (Gino Emnes) liefert. Es ist eine der vielen Besonderheiten des Musicals, das Ende des vergangenen Jahres aus Hamburg nach Stuttgart kam. Währenddessen beginnt sich der Boxring zu drehen, nichts steht still, Bewegung ist das Konzept der Show.


Dass sich alles bewegt, ist natürlich kein Zufall. Ein bisschen wirkt es, wie das organisierte Chaos, wenn man hinter der Bühne Richtung Decke blickt. Fast pausenlos ist das Bühnenbild in Bewegung. Mal fährt Rockys Wohnung auf Schienen auf die Bühne, dann macht die typisch amerikanisch eingerichtete Stube im authentischen 70er-Jahre-Style dem Zooladen Platz, in dem die schüchterne Adrian arbeitet, um die „Rocky“ – anfangs noch vergeblich – buhlt. Die Kulissen schweben durch das Dunkel, bleiben in luftiger Höhe stehen, bis sie im nächsten Akt wieder benötigt werden. Mal liegend, mal stehend – alles gut durchdacht. „Ein bisschen erinnert es an Tetris“, sagt Jürgen Langerfeld, der den Rundgang durch die Maschinerie der Show begleitet. Langerfeld ist PR-Manager der Stage Entertainment Veranstaltungsgesellschaft und auch ihn faszinieren die bis ins Detail abgestimmten Abläufe hinter der Bühne nach einigen Monaten noch. „Das System beruht auf der gleichen Technik, mit der Schiffscontainer manövriert werden“, erklärt er. Allerdings nicht am Boden, sondern in der Luft. „Der Boxring ist sozusagen auch Hauptdarsteller“, witzelt Langerfeld. Übertrieben ist es nicht. Neben Kampfschauplatz dient das drei Tonnen schwere Koloss auch als Dach der Wohnung und des Shops sowie als Projektionsfläche für eingespielte Clips. Mal oben, mal unten, mal hinten, mal vorne – wie es gerade passt. In jedem Fall aber stets in Bewegung. Genau wie die 22 Darsteller, die nie still stehen. Während auf der Bühne das Liebesduett läuft und die Zuschauer bewegt sind, ist hinten Umziehen angesagt – und zwar in vollem Tempo.
Wenn man das Palladium Theater schließlich durch die Hintertür verlässt, fühlt man sich wie der taumelnde Boxer in den Seilen. Ein bisschen wie Rocky. Alles dreht sich noch immer.

Während das Musical „Tarzan“ im benachbarten Apollo-Theater nur noch bis einschließlich 28. August läuft, besteht die Chance „Rocky“ im Palladium-Theater zu erleben laut des Veranstalters noch für unbestimmte Zeit. Im Oktober wird im Apollo-Theater dann das Musical „Marry Poppins“ an den Start gehen. Tickets und weitere Informationen für alle drei Musicals gibt es unter www.stage-entertainment.de. Am 22. August wird es bei „Rocky“ außerdem einen Tag der offenen Tür geben. Auch hierfür sind bereits Karten erhältlich.