Die Ausstellung "Beat Generation" im ZKM Karlsruhe binhaltet über 500 Exponate.



Foto: Grünschloß
Die Ausstellung "Beat Generation" im ZKM Karlsruhe binhaltet über 500 Exponate. Foto: Grünschloß | Foto: zkm

Ausstellung im ZKM

Am Anfang der Revolution steht ein Koffer

Es war eine geradezu tektonische Verschiebung, erst in der Kunst und dann in weiten Teilen der US-Gesellschaft. Am Anfang aber steht ein schlichter Reisekoffer. Er enthält eine Baseballmütze, zwei Hosen, zwei Paar Slipper und ein beiges Shirt, Größe 46/48. Besitzer des Koffers, der nun direkt am Eingang zur neuen ZKM-Ausstellung „Beat Generation“ zu sehen ist, war Jack Kerouac. Mit just diesem Koffer und diesen Kleidern soll er in den späten 1940er Jahren „on the Road“ gewesen sein, auf einem wilden, ziellosen Trip durch die USA. 1951 verarbeitete er diese Erlebnisse zu seinem Roman „On the Road“, der zum Kultbuch werden sollte.

Als erste Generation, die sich offen gegen das Establishment stellte, charakterisiert ZKM-Vorstand Peter Weibel die „Beat Generation“, deren bekannteste Vertreter neben Jack Kerouac die Autoren William S. Burroughs und Allen Ginsberg waren. „Der neue Lebensstil dieser Bewegung hat sich im autoritären Amerika der McCarthy-Jahre wie ein Virus verbreitet“, so Weibel über die Wirkung, die in den 1950er- und 60er- Jahren von der „Beat Generation“ ausging. Die Hippie-Ära und die Protest- und Freiheitsbewegungen von 1968 seien erst durch diesen Aufbruch ermöglicht worden, so Weibel. „Ohne Kerouac oder Ginsberg hätte es auch keinen Bob Dylan gegeben.“ Dass dem neuen Literaturnobelpreisträger diese Verbindung selbst bewusst war, zeigt in der Ausstellung ein Foto von 1965, auf dem Dylan neben Ginsberg und Lawrence Ferlinghetti sitzt, und ein Filmdokument des gemeinsamen Besuchs von Dylan und Ginsberg am Grab von Kerouac.

 

Ohne Ginsberg keinen Dylan

Überhaupt nehmen Fotos und Filme in der mit über 500 Exponaten bestückten Ausstellung, die den gesamten ersten Stock im ZKM-Museumslichthof ausfüllt, einen großen Raum ein. Und zwar nicht nur als Bildzeugnisse literarischer Begegnungen und Ereignisse, wie etwa in der filmischen Dokumentation einer Lesung von Ginsberg und anderen vor 7 000 Menschen in der ausverkauften Royal Albert Hall London im Jahr 1965. Sondern auch als Beleg dafür, wie „multimedial“ (Weibel) das Schaffen der Beat Generation sich entwickelt hat: Auf frei im Raum hängenden Leinwänden laufen Filme von Künstlern und Künstlerinnen wie Harry Smith („Early Abstractions“) oder Ruth Weiss („The Brink“), weitere Filme wie „Pull My Daisy“, in dem prominente Beat-Dichter mitwirken, sind in einem Kabinett zu sehen. In der abteilung „Tanger“ – die Ausstellung ist nach zentralen Orten der Bewegung geordnet – ist eine ganze Wand Fotocollagen von Burroughs gewidmet, die Weibel im Hinblick auf die Fotokunst als ähnlich avanciert einstuft wie dessen Schreiben für die Literatur.

Kooperation mit Paris

Im Abschnitt „New York“, wo Zeitschriften und Ausgaben die damalige Präsenz der Beat-Literatur dokumentierten, sind rund 20 Gemälde von Kerouac zu sehen, die stilistisch von sanfter Figürlichkeit à la Chagall bis zu punktuellen Farbflächen à la Cy Twombly reichen.
Nach den Einzelausstellungen zu Burroughs („The Name Is BURROUGHS“, 2012) und Ginsberg („Beat Generation“, 2013) ist die neue Ausstellung als „Topografie der Beat Generation“ angelegt. Entstanden ist sie in Kooperation mit dem Centre Pompidou Paris, wo sie bereits zu sehen war und wo auch der Katalog produziert worden ist. Im ZKM präsentiere man allerdings mehr Foto- und Filmarbeiten und erinnere auch an Frauen wie Ruth Weiss oder Lenore Kandel, die seinerzeit wesentliche Beiträge geleistet hätten, dann aber in Vergessenheit geraten seien.

Ausstellung "Beat Generation" im ZKM Karlsruhe Foto: Grünschloß
Ausstellung „Beat Generation“ im ZKM Karlsruhe: Hier die 36 Meter lange Papierbahn.
Foto: Grünschloß
| Foto: ZKM

On the road

Das Herzstück der Ausstellung erwartet den Besucher bereits im Eingangsbereich: Kerouacs Manuskript zu „On the Road“. Um ohne Unterbrechung tippen zu können, hatte er Papierbögen aneinander geklebt. Nun kann man das auf einer 36 Meter langen Papierbahn entstandene Stück Weltliteratur tatsächlich im Original nachlesen – was aber nicht der einzige Grund ist, warum man für den Besuch dieser reichhaltigen und anregenden Ausstellung genug Zeit mitbringen sollte.

Bis 30. April 2017 geöffnet Mittwoch bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 18 Uhr. Weitere Infos