Die grün-schwarze Koaltion ist das tägliche Brot von Andreas Schwarz, dem Fraktionschef der Grünen im Landtag (3.v.l.). Gegenüber der BNN-Redaktion stand er Rede und Antwort. Links die Abgeordneten Alexander Salomon und Bettina Lisbach. | Foto: Hora

„Hüter des Koalitionsvertrags“

Andreas Schwarz führt Landtagsfraktion ohne dramatische Auftritte

Für Andreas Schwarz hat Rennradfahren einiges mit Politik zu tun: In beiden Fällen braucht es Ausdauer und Teamgeist, wie der Fraktionschef der Landtagsgrünen anlässlich eines Redaktionsbesuchs bei den BNN zu verstehen gibt. Im zurückliegenden Sommer hat er mit Freunden radelnd das fast 2 800 Meter hohe Stilfser Joch mit seinen 48 Kehren erklommen. In der Parlamentssaison reicht es allenfalls für gelegentliche Abstecher auf die Schwäbische Alb.

Denn das Pensum des 37-Jährigen ist beachtlich. Als zentrale Themen benennt Schwarz den Klimaschutz mitsamt der Energiewende sowie den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Seine Fraktion versteht er als „Hüterin des Koalitionsvertrags“ und als „Taktgeberin“ für Grün-Schwarz. Wenn es gelinge, den Vertrag abzuarbeiten, stehe das Land am Ende der Legislatur 2021 besser da als 2016, ist Schwarz überzeugt.

Die Union hat der Grüne bislang als verantwortungsbewussten Partner erlebt; bei CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart spürt Schwarz das Interesse, „dass gut regiert wird.“ Zur Veranschaulichung der guten Kooperation nennt Schwarz die Vereinbarung von Initiativen, um bis zur Mitte des Jahrhunderts komplett aus der Kohleverstromung auszusteigen. Das wäre so mit den Sozialdemokraten als Partner wahrscheinlich nicht machbar gewesen, sinniert der Fraktionschef, der im Bundestagswahlkampf keine Gefährdung für die Koalition erkennt.

Andreas Schwarz, Chef der Grünen im Stuttgarter Landtag, zu Besuch in der Redaktionskonferenz der BNN.
Andreas Schwarz, Chef der Grünen im Stuttgarter Landtag, zu Besuch in der Redaktionskonferenz der BNN. | Foto: Hora

Protestwähler will er zurückholen

Kopfzerbrechen bereitet dem groß gewachsenen und nicht eben zur Dramatik neigenden Nachfolger von Edith Sitzmann jedoch die AfD. Die Neupartei habe sich der „postfaktischen Argumentation“ verschrieben und bleibe bislang sinnvolle Vorschläge schuldig. Pflegt der Fraktionschef im Gespräch zumeist eine eher nüchterne Rhetorik, so bricht es hier mit Leidenschaft und Lautstärke aus ihm heraus.

Dass der nach antisemitischen Äußerungen nun außerhalb der AfD-Fraktion operierende Abgeordnete Wolfgang Gedeon noch immer Applaus vom rechten Parlamentsrand bekomme, hält Schwarz für bezeichnend. Protestwähler will er möglichst zurückholen. Zum Beispiel durch Hausbesuche in jenen Quartieren, wo die AfD besonders stark abgeschnitten hat.

Wir wollen, dass die Chinesen baden-württembergische Autos fahren und nicht chinesische

Wenn es um den Automobilbau im Südwesten und den Wechsel vom Verbrennungs- hin zum Elektro-Antrieb geht, weiß Schwarz sich eins mit Ministerpräsident Kretschmann. Dieser Transformationsprozess werde etwas dauern, aber man müsse schneller sein als China, Japan und Südkorea. Die Wertschöpfung müsse in Baden-Württemberg bleiben. Zugleich bescheinigt Schwarz dem Chef der Bundestagsfraktion, Anton Hofreiter, die richtigen Prioritäten in der Verkehrspolitik. Mehr Bahnen und Busse seien ein Gebot von Klimaschutz und Teilhabe.

Der Vorsitzende der mit 47 Mitgliedern größten Landtagsfraktion (Grüne), Andreas Schwarz, ist 37 Jahre alt und seit 2011 Mitglied des Parlaments. Schwarz ist von Haus aus Wirtschaftsjurist und hat einen Abschluss als Master of Business Administration (MBA). Seinen Ersatzdienst leistete er bei der freiwilligen Feuerwehr seiner Heimatstadt Kirchheim unter Teck ab. Bei der Landtagswahl im März holte der verheiratete Vater einer Tochter dort mit 30,5 Prozent der Stimmen das Direktmandat. Er gehört dem Koalitionsausschuss und der Haushaltskommission an und ist stellvertretendes Mitglied aller Ausschüsse
Bevor Schwarz Landtagsabgeordneter wurde, war er beim Verband Region Stuttgart als Referent im Fachbereich Wirtschaft und Infrastruktur tätig. In seiner Freizeit geht er ins Theater und kocht leidenschaftlich. Sein sportliches Interesse gilt dem Rennrad.