Schreckliche Details der Bluttat von Willstätt: Der Prozess gegen einen 21-Jährigen wurde fortgesetzt.
Schreckliche Details der Bluttat von Willstätt: Der Prozess gegen einen 21-Jährigen wurde fortgesetzt. | Foto: BNN

Szenen vor Gericht

Angeklagtem Mundschutz verordnet

Von Dieter Klotz

Zu einer erneuten Begegnung vor Gericht kam es zwischen dem Acherner Amtsrichter Michael Tröndle und einem stadtbekannten, wegen mehrfacher Körperverletzung, Nötigung und Beleidigung verurteilten 34-jährigen Mann. Anlass dazu waren jene Beleidigungen, welche der Angeklagte gegenüber  Richter Michael Tröndle bei der vorigen Verhandlung ausgestoßen hatte. Anders als damals hatte Tröndle dieses Mal allerdings keine unappetitliche Begrüßung in Form einer Spuckattacke ins Gesicht zu befürchten. Vorsorglich hatte er  angeordnet, den Mann mit Mundschutz vorzuführen. Außerdem mit dabei waren drei in schwarz gekleidete Beamte eines Einsatzkommandos, um einen „spuckfreies Wiedersehen“ sicherzustellen. Auch die Begleiter hatten  zum eigenen Schutz vor unvorhersehbaren „Körperausscheidungen“ des Mannes vorsichtshalber Schutzhauben über dem Kopf gestülpt.
Ein Jahr und zwei Monate hatte das ursprüngliche Urteil gelautet. Noch im Gerichtssaal ließ der Richter den  Mann seinerzeit verhaften und ins Gefängnis bringen. In der nun anstehenden Beleidigungsanklage kam es  allerdings noch nicht zu einem Urteil. Der vom Gericht zur Frage der Schuldfähigkeit des Angeklagten eingesetzte ärztliche Gutachter war terminlich verhindert. Offen blieb damit auch ein Befangenheitsantrag der Verteidigung gegen den vom Gericht bestellten Gutachter. Eine weitere Verhandlung ist angesetzt. Auch sie wird erneut verbunden sein mit einen nicht unerheblichem Personaleinsatz.

Beschimpfungen der übelsten Art

Bereits einige Zeit vor Beginn Verhandlung war der Angeklagte unter lautstarken Protesten ins Gebäude geführt worden. Nicht nur hörbar für die Justizmitarbeiter im Haus – auch eine als Zuhörer anwesende Schulklasse wurde zu Zeugen des Geschehens. So erfuhren die Jugendlichen, was der Angeklagte von jenem „Gerechtigkeitstempel“ hält, welchen er betreten musste. Mit Beschimpfungen der übelsten Art ging es im Gerichtssaal weiter. Betroffen war davon nicht nur der Richter; es traf auch den Betreuer des 34-Jährigen und wahllos im direkten Blickkontakt von ihm ausgesuchte Personen im Zuhörerbereich. Auch sie wurden mit Drohungen und Beleidigungen überhäuft. Die Quittung für die ehrverletzenden Beleidigungen war eine erneute Ordnungsstrafe und eine Verlängerung der Haftzeit.
Von Pflichtverteidiger Jörg Decker wurden Bedenken zur Frage der Schuldfähigkeit seines Mandanten vorgebracht. In zwei vorliegenden Gutachten seien die Aussagen „konträr“. Einmal werde die Schuldfähigkeit als eingeschränkt beurteilt, während ein anderes Mal keine schuldmindernden Gründe gesehen werden.