Sammler Gisbert L. Brunner aus München mit einer Rolex Oyster und einer Eszeha Spangenuhr (Chopard), von links
Sammler Gisbert L. Brunner aus München mit einer Rolex Oyster und einer Eszeha Spangenuhr (Chopard), von links | Foto: Teeger

„Fantastische Technik“ im kleinen Stil

Armbanduhren der Luxusklasse in Pforzheim

Sensationelle Industriegeschichte

Der Privilegienbrief des Markgrafen ist schon im Stadtmuseum. Jetzt ticken die ersten Uhren zum Jubiläum 250 Jahre Goldstadt. Die Stadt Pforzheim orientiert sich bei der Feier ihrer sensationellen Industriegeschichte an den Abläufen im Jahr 1767. Der Dokumentation des Privilegs folgt jetzt mit „Mechanik en miniature – Armbanduhren der Luxusklasse“ im Schmuckmuseum“ die Erinnerung daran, dass Karl Friedrich seinerzeit zunächst der Errichtung einer Taschenuhr und Silberwarenmanufaktur im Waisenhaus zustimmte.

Die Technik selbst ist freilich bedeutend älter, die so klingende Namen wie Rolex, Cartier, IWC und Patek Philippe hervor und jetzt nach Pforzheim brachte. Schon im Mittelalter wurden mechanische Zeitmesser produziert. Das erste armtaugliche Exemplar soll Königin Elisabeth I. 1571 von ihrem Günstling Graf Leicester bekommen haben. Wie es aussah ist allerdings nicht überliefert. In der Pforzheimer Ausstellung hätte sie ohnehin keinen Platz: Im Schmuckmuseum sind rund 200 Armbanduhren zu sehen, die vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute gebaut wurden oder noch werden.

Ein Frauenthema für Männerherzen

Manches Männerherz wird höher schlagen angesichts einer skelettierten Senator von Glashütte Original und der legendären Santos von Cartier oder einer Speedmaster von Omega aus dem Jahre 1967, die aufgrund ihrer Weltraumkarriere zur Moon Watch wurde. Aber Armbanduhren sind zunächst ein Frauenthema, sagt der Gisbert L. Brunner, der das Schmuckmuseum bei der „ersten Ausstellung von Armbanduhren überhaupt“ unterstützt und Leiterin Cornelia Holzach inzwischen begeistert über „bahnbrechende Erfindungen und fantastische Technik“ sprechen lässt, die die Zeitmesser mit sich bringen. Dem Mann an sich war bis Ende des 19. Jahrhunderts die Taschenuhr recht, die auch aus Pforzheim kommen konnte und immer noch kann. Die Mode brachte es mit sich, dass Frau da viel aufgeschlossener agierte. Wer keine Gilet- oder Hosentaschen zum verstauen hat, schätzt den zusätzlichen Schmuck am Handgelenk. Die Birkenfelder Traditionsfirma Eszeha – heute besser bekannt als Chopard – hat ein schönes Beispiel für den Übergang von der Taschen- zur Armbanduhr hinterlassen: eine Spangenuhr, in die das Taschenexpemplar bei Bedarf eingehängt werden kann.

Exklusive Armbanduhren im Schmuckmuseum
Exklusive Armbanduhren im Schmuckmuseum

„Small ist beautiful“ kennzeichnet danach die weitere Entwicklung. Sie führt unter anderem zum kleinsten mechanischen Uhrwerk der Welt im Jahre 1928 – das ein Gramm schwere Kaliber 101 von Lecoultre. Es spielte im englischen Königshaus ebenfalls eine bedeutende Rolle. Elisabeth II. soll bei ihrer Krönung ein Exemplar davon am Handgelenkt gehabt haben.

Spangenuhr von Eszeha

Zwischen der Spangenuhr, dem brillantbesetzten Etwas und der ebenfalls für Frauen kreierten wasserdichten Oyster von Rolex entwickelte sich das „was heute den Mann vom anderen unterscheidet“, wie Sammler Brunner auch gestern Abend bei seinem Eröffnungsvortrag einfließen ließ. Die Triebfeder war zunächst funktional. Hatten bereits noch im 19. Jahrhundert Soldaten den Wert des kurzen Blicks auf Handgelenk schätzen gelernt, kamen Flieger, noch später Taucher hinzu und dann als nicht zu unterschätzender Verkaufsmotor das Design – nicht zuletzt von Cartier.
Damit war der Weg frei für alle Komplikationen, die den Zeitbanausen vom Connaisseur trennen.

Handwerk ist zurück

Zu den Höhepunkten dieser Entwicklung gehören heute die Tourbillon-Uhren des Pforzheimers Wilhelm Rieber. Damit ist das Handwerk zurück, von dem aus es vor 250 Jahren über Manufakturen zur Industrialisierung ging, die bei den Uhren ab den 70er-Jahren zu Quarz führte. Nicht nur für die meisten Pforzheimer Produzenten brachte dieser batteriebetriebene Taktgeber das Ende, auch wenn die goldene Quarz Astron von Seiko 1969 fast 5 000 Mark kostete.

Die Renaissance der mechanischen Uhr ging an der Stadt dennoch nicht vorbei. Schließlich brachte die Wende von 1989 auch die Wiederbelebung von Glashütte und damit etliche Aufträge für Zulieferer, wie in der Ausstellung durch die Zifferblätter für Glashütte Original angedeutet ist. Eine vollskelettierte, handgravierte und guillochierte Benzinger belegt ebenso wie die wiederbelebte Marke Laco und die Uhren von Stowa, dass es da noch mehr zu entdecken gibt.

Service

Bis 23. April täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr. Ergänzend dazu gibt es Vorträge, Führungen und Workshops für Kinder. Informationen dazu über www.schmuckmuseum.de