15 500 Fahrzeuge bahnen sich täglich ihren Weg durch Bauschlott. Viele wünschen sich deshalb eine Ortsumgehung.
15 500 Fahrzeuge bahnen sich täglich ihren Weg durch Bauschlott. Viele wünschen sich deshalb eine Ortsumgehung. | Foto: Pfitzenmeier

Interview mit Michael Schmidt

Asylsituation in Neulingen hat sich entspannt

Michael Schmidt ist schon in Urlaubsstimmung. Dennoch nimmt sich Neulingens Bürgermeister kurz vor der Sommerpause die Zeit, um mit den BNN-Redakteuren Tassilo Pfitzenmeier und Torsten Ochs über die aktuelle Asylsituation, die Wahrscheinlichkeit einer Ortsumgehung und über den umstrittenen Umzug der Tennisanlage in ein schützenswertes Gebiet zu sprechen.

Herr Schmidt, große Baumaschinen sind derzeit auf dem Fußballplatz des FC Bauschlott am Werk. Ab wann kann dort der Ball wieder rollen?

Schmidt: Der Platz wird komplett neu gestaltet und soll im Herbst fertig sein. Bespielbar ist er aber vermutlich erst ab der Rückrunde. Da die Platzverhältnisse vor allem bei Regen Probleme machten, nehmen wir als Gemeinde 600 000 Euro für die Sanierung in die Hand – inklusive einem Trainingsplatz mit Kunstrasen.

Komplett saniert wird derzeit das Spielfeld des FC Bauschlott.
Komplett saniert wird derzeit das Spielfeld des FC Bauschlott. | Foto: Pfitzenmeier

In unmittelbarer Nähe möchte Edeka erweitern. Der Tennisplatz wird deshalb in das Gewann „Kändel“ umziehen. Der Verein „Lebendige Wiese“ spricht sich gegen diese Verlagerung in ein schützenswertes Gebiet aus – hat sich die Situation etwas beruhigt?

Schmidt: Ich habe von einer Petition, die sich gegen das Projekt ausspricht, aus den Medien erfahren. Wir müssen noch ein paar formale Dinge klären. Es könnte aber schon ab September losgehen. Ein artenschutzrechtliches Gutachten hat uns für den Bau der Tennisanlage grünes Licht gegeben.

Täglich fließt viel Verkehr durch Bauschlott, der Wunsch nach einer Ortsumgehung ist groß: Ist das noch realistisch?

Schmidt: Das Thema beschäftigt die Gemeinde seit gut 40 Jahren. In der Vergangenheit wurden Forderungen und Wünsche geäußert, die dem Projekt nicht zuträglich waren. Der Status quo ist: Es hat sich nichts verbessert, aber auch nichts verschlechtert. Wir sind nach wie vor im „vordringlichen Bedarf“. Allerdings spielt die Zeit nicht gerade für uns.

Aber besonders an der Kreuzung „Am Anger“ gibt es in den Stoßzeiten lange Rückstaus in beide Richtungen der B 294…

Schmidt: …ja, 15 500 Fahrzeuge (Verkehrszählung von 2010) bahnen sich täglich ihren Weg durch Bauschlott. Es gab Überlegungen, an der Kreuzung statt einer Ampelanlage einen Kreisverkehr einzurichten. Dazu gab es auch eine Voruntersuchung. Doch die Idee stieß in der Bevölkerung auf wenig Gegenliebe. Immerhin haben wir seit zwei Jahren lärmoptimierten Asphalt. Und der Transit-Schwerlastverkehr hat mittlerweile auch ein Durchfahrverbot.

Bürgermeister Michael Schmidt wehrt sich dagegen, die Flüchtlingsthematik kleinzureden. Er erwartet konkrete Hilfe vom Bund.
Bürgermeister Michael Schmidt wehrt sich dagegen, die Flüchtlingsthematik kleinzureden. Er erwartet konkrete Hilfe vom Bund. | Foto: Ochs

Die Asylsituation scheint sich in den vergangenen Monaten etwas entspannt zu haben, trifft das auch auf Neulingen zu?

Schmidt: Die Situation hat sich etwas entspannt. Ich gehe davon aus, dass bis Jahresende etwa 150 Flüchtlinge in Neulingen leben werden, in der Spitze waren es 220. Aktuell sind 70 Menschen in der Dreschhalle untergebracht. Einige von ihnen werden an den neuen Standort an der „Oberen Klinge“ in eine Modulbau-Anlage für 120 Personen umziehen. Die Dreschhalle wird Ende September, Anfang Oktober geräumt. Auch für die Anschlussunterbringung können wir zum Beispiel in Göbrichen zwei Wohnungen für 15 Personen nutzen.

Dennoch haben Sie und einige Kollegen in einem Schreiben Ihren Unmut über die aus Ihrer Sicht fehlende Unterstützung vom Bund geäußert…

Schmidt: …wir haben in dem Brief die Befindlichkeiten vor Ort geschildert. Ich habe das Gefühl, es wird von der Bundespolitik häufig zu abstrakt und in Worthülsen über das Flüchtlingsthema gesprochen. Es geht ja nicht nur um das Thema Geld, auch die Stimmung in der Gemeinde muss berücksichtigt werden, gerade was auch die Belastung freiwilliger Helfer anbelangt.