Ermitteln im Radio Tatort: Karoline Eichhorn und Ueli Jäggi.
Ermitteln im Radio Tatort: Karoline Eichhorn und Ueli Jäggi. | Foto: Peter Schmidt (SWR)

Gespräch mit Karoline Eichhorn

„Auch mal mit den Schwaben lachen“

Radio Tatort macht total viel Spaß

Als Schauspielerin ist Karoline Eichhorn aus vielen Filmen bekannt. Sie spielte im TV-Krimi „Tatort“ und war als eine Hauptdarstellerin in „Die Kirche bleibt im Dorf“ zu sehen. Im Radio Tatort des Südwestrundfunks (SWR) schlüpft sie in die Rolle von Kriminalhauptkommissarin Nina Brändle. BNN-Redakteur Bernd Kamleitner traf die gebürtige Stuttgarterin, die in Hamburg lebt, in Baden-Baden.

Was macht den Unterschied zwischen einer Hörspiel- und einer Filmproduktion aus der Sicht der Schauspielerin aus?

Eichhorn: Ein Filmprojekt dauert sechs Wochen Arbeitszeit, ein Radio-Tatort hat für uns Schauspieler eine reine Aufnahmezeit von zwei bis drei Tagen. Wenn wir die rund 50 Minuten für den Radio-Tatort für einen Film aufnehmen würden, würden wir dazu mindestens vier Wochen brauchen. Außerdem geht beim Hörspiel viel mehr miteinander und weniger einzeln. Beim Film würde zuerst die Totale, dann der eine, dann der andere, vielleicht noch ein Detail und von hinten und von vorne gedreht. Das ist viel komplizierter und dauert deshalb viel, viel länger.

Was macht mehr Spaß?

Eichhorn: Mit Vergleichen ist es immer schwierig. Radio Tatort macht auf jeden Fall total viel Spaß. Beim Film oder beim Fernsehen muss man immer viel warten und hier ist man einfach dran. Da hat man immer was zu tun und das ist ein Tick befriedigender als wenn man beim Fernsehen fünf Stunden wartet, dann wieder zehn Minuten dran ist und wieder drei Stunden wartet.

Die Drehbücher stammen von unterschiedlichen Autoren. Wie viel Eichhorn steckt dennoch in Kommissarin Nina Brändle?

Eichhorn: Ich würde die Nina schon etwas prolliger ansehen als ich das bin. Schon allein ihr breites Schwäbisch, das sie manchmal spricht, macht sie burschikoser und taffer. Ich würde mich persönlich als ein bisschen feiner bezeichnen (lacht).

Aber Sie sprechen perfekt Schwäbisch – weil sie in Stuttgart aufgewachsen sind…

Eichhorn: Stuttgart habe ich nach der Schule mit 18 Jahren verlassen und bin dann überall in Deutschland rumgekommen. Dafür hatte ich mich schon früh entschieden, ich wollte einfach weg. Seit geraumer Zeit lebe ich in Hamburg. Ich komme aber immer wieder gerne und ich mag das Schwäbischsprechen total gerne – so wie etwa in „Die Kirche bleibt im Dorf“ Ich finde es total super, dass man jetzt anfängt, ein bisschen mehr mit Dialekt zu arbeiten. Vor einiger Zeit war das nur das Norddeutsche und das Bayerische. Jetzt kommt auch das Schwäbische mehr zum Tragen und es wird nicht immer nur über die Schwaben gelacht. Jetzt kann man mal mit den Schwaben lachen.

Im SWR-Studio: Karoline Eichhorn bei der Aufnahme des Radio Tatort "Tod im Sechzehner".
Im SWR-Studio: Karoline Eichhorn bei der Aufnahme des Radio Tatort  „Tod im Sechzehner“. Foto: Peter Schmidt | Foto: Peter Schmidt

Wie sehen Sie das schwäbisch-badische Verhältnis?

Eichhorn: Man kriegt ja immer gesagt, dass das nicht funktioniert. Aber es ist so, dass die Leute darüber tatsächlich wirklich immer noch sprechen. Für den Kinofilm „Die Kirche bleibt im Dorf“ haben wir ganz viel im Badischen gedreht und die Erfahrung war, dass die Badener mit uns ein Herz und eine Seele waren. Ich kann nicht bestätigen, dass es nicht funktioniert.

Und Sie sprechen auch sächsisch?

Eichhorn: Ich würde es vielleicht sprechen können, wenn ich es üben könnte. Ich mag es, sich auf etwas vorzubereiten, etwa auf einen Dialekt oder einen Akzent. Ich würd’s nischt grade so fließend richtig sprechen können…

Klingt aber gut. Ist das Übung oder gibt es eine Wurzel?

Eichhorn: Es hat vielleicht damit was zu tun, etwas nachmachen zu wollen. Das wollte ich schon von klein auf. Beim Radio-Tatort ist die Nina Brändle von Anfang an von vorne bis hinten erkältet. Die niest, die rotzt, immer ist die Nase zu. Also habe ich so mit der Nase zu gesprochen. Der Regisseur hat mich mal gefragt: Wie machst Du das nur, die ganze Zeit so zu sprechen? Ich mach’ das halt so, es läuft so.

Hören Sie privat auch gerne Hörspiele oder Hörbücher?

Eichhorn: Hörbuch ist ja eher so etwas für Menschen, die keine Zeit haben und es etwa im Auto hören. Ich höre das oft auf Zugfahrten. Aber Bücher lese ich lieber.
Sie sind als Schauspielerin oft im Fernsehen zu sehen und haben auch schon im TV-Tatort mitgespielt.

Stimmt es, dass Sie die Rolle als Ermittlerin im TV-„Tatort“ abgelehnt haben?

Eichhorn: Ja! Ich bin lieber auf der anderen Seite: lieber der Befragte als der Fragende. Das gibt mir mehr Raum, etwas darzustellen. Beim Radio-Tatort, beim Hörspiel, ist das aber etwas anderes als beim Fernsehen. Beim Fernsehen wird man sehr schnell festgelegt und ist dann der Tatort-Kommissar. Das möchte ich nicht sein.

Haben Sie einen Lieblings-Tatort?

Eichhorn: Ich schaue das schon mal, wenn mir jemand den Tipp gibt und sagt, den musst du dir anschauen. Aber ich habe keinen Favoriten.

Viele kritisieren, es gibt zu viel „Tatort“ im Fernsehen…

Eichhorn: Da gehöre ich auch dazu. Auch außerhalb des Tatorts sind fast nur Krimis im Fernsehen. Ich finde es total schade, dass das so eindimensional ist. Die Krimis haben ihre Berechtigung, aber man muss doch auch mal was anderes zeigen – nicht nur Rosamunde Pilcher oder Traumschiff, sondern auch andere Filme.

Wenn Sie sich eine Rolle aussuchen dürften, in welche würden sie schlüpfen?

Eichhorn: Ich habe keine Traumrolle, die habe ich auch nie gehabt. Die Rollen, auch die, die ich im Theater gespielt habe, habe ich erlebt und irgendwann alle auch geliebt. Alle waren interessant. Es ist sehr hilfreich, wenn man den Charakter mag, den man spielt – ganz egal, wie blöd, gemein oder lustig er ist.

Sendetermine:

Der Radio Tatort „Tod im Sechzehner“, bei dem es um den Doping-Tod eines jungen Fußballers geht, wird am 12. August in SWR2 gesendet (19.05 Uhr) und am 13. August in SWR4 (21.03 Uhr).