Die Sirenen vom Typ E 57 leisten in Bruchsal noch immer treue Dienste.
Die Sirenen vom Typ E 57 leisten in Bruchsal noch immer treue Dienste. | Foto: BNN

Sirenen in Bruchsal

Auf Knopfdruck heulen 45 Warnsignale

Auf den roten Alarmknopf drückt Gerald Baust nur einmal im Jahr, zur Probe. Doch dieses Jahr sind die Bruchsaler Sirenen still geblieben – ein Problem in der Funktechnik. Der jährliche Probealarm wird am Dienstag, 13. Dezember, um 11.15 Uhr wiederholt. Einen echten Katastrophenfall, in dem der Knopf die Bruchsaler Sirenen auslöste und der Bevölkerung signalisierte, das Radio einzuschalten, gab es noch nie.

Gerald Baust sitzt am Drücker: Er bringt alljährlich mit dem Probealarm die Sirenen der Stadt zum Heulen.
Gerald Baust sitzt am Drücker: Er bringt alljährlich mit dem Probealarm die Sirenen der Stadt zum Heulen. | Foto: Karin Stenftenagel

Beim Ordnungsamt der Stadt Bruchsal ist Baust für Brand- und Katastrophenschutz und somit auch für die insgesamt 45 Sirenen zuständig. 22 dieser akustischen Warngeräte sind heute in der Kernstadt installiert, drei in Obergrombach, acht in Untergrombach, zwei in Büchenau, sechs in Heidelsheim und vier in Helmsheim. Die meisten Bruchsaler Sirenen sind Rundsirenen aus den 60er Jahren vom Typ „E57“ und stehen bereits seit der Zeit des Kalten Krieges in Alarmbereitschaft. Auch drei Sirenen neueren Typs, das so genannte Modell „ECI 600“, stehen heute auf Bruchsaler Gebiet (siehe Grafik und Stichwort). Mit diesen so genannten Richtsirenen könne man den Schall gezielt auf ein bestimmtes Gebiet ausrichten, sagt Baust. Dabei reicht der Schall unterschiedlich weit: „Im ländlichen Bereich geht das viel weiter als in einer Stadt wie Bruchsal.“ Für das menschliche Ohr sei es auch schwer zu unterscheiden, von wo der Sirenenton kommt – „das ist aber auch egal, Hauptsache, er wird gehört“, sagt Baust.

Viele Siren stammen noch aus der Zeit des Kalten Kriegs

„Die Sirenen wurden ursprünglich zur Warnung im ,Ereignisfall Krieg‘ aufgebaut“, erklärt Gondulf Schneider, Ordnungsamtsleiter und „Held der Bruchsaler Sirenen“, wie Baust ihn nennt – denn er sei verantwortlich dafür, dass das städtische Sirenennetz die Zeit überdauert hat. Schneider erinnert sich noch gut an die Zeiten, als die Alarmsignale über ein bundesweites System zentral gesteuert wurden – für Bruchsal war das so genannte „Warnamt 8“ in Rottenburg am Neckar zuständig. Während des Kalten Krieges hatte man das Sirenennetz deutschlandweit ausgebaut. Nach dessen Ende trennte sich der Bund von seinem Sirenensystem, die Städte übernahmen – und bauten in vielen Fällen das Alarmnetz zurück. Nicht so in Bruchsal, wo man die meisten der bestehenden Sirenen ertüchtigte und ihre weitere Nutzung auf ein neues rechtliches Fundament stellte. Andernorts werden seit einigen Jahren, nach Ereignissen wie den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und dem Elbehochwasser im Jahr 2002, jetzt vielerorts die Sirenensysteme wieder neu aufgerüstet. Denn zur Alarmierung im Katastrophenfall, etwa bei Hochwasser, seien heute ebenfalls verbreitete Apps zwar hilfreich, aber eben nicht genauso effektiv wie Sirenen, meint Schneider: „Wenn nachts das Handy ausgeschaltet ist, wird von der App keiner wach.“

Hörbeispiel: Sirenenwarnung (Quelle: Stadt Bruchsal)

 

„Es braucht schon eine gewisse Lautstärke, denn die Häuser sind heute durch Dämmung immer besser geschützt“, so Bernd Molitor, Kommandant der Bruchsaler Feuerwehr. Deshalb ist beim jährlichen Probealarm an jedem Sirenenstandort jemand vor Ort, der die Lautstärke überprüft.

INF_Sirenen_Bruchsal

Ausgelöst wird der Alarm im Katastrophenfall an einer einzigen, zentralen Stelle: Im Feuerwehrhaus Bruchsal. So einen Fall gab es in Bruchsal noch nie – aber fast: Am 23. Januar 1993 brannte nach einem Unfall auf der A5 in Höhe des Büchenauer Baggersees ein Tanklaster aus. „Die Rauchwolke war kilometerweit zu sehen“, sagt Molitor. Jedoch seien bei einem Brand meist die Orte in der direkten Nachbarschaft kaum von Schadstoffen in der Luft betroffen, da der Rauch sehr hoch aufsteige. Damals habe man sich entschieden, den Laster vollständig ausbrennen zu lassen – und auf eine Alarmierung per Sirene zu verzichten.

Schallerzeugung mit elektrischen Sirenen
Wie bei elektromechanischen Sirenen – zu denen auch das Modell E57 gehört – Schall erzeugt wird, erklärt die „Interessengemeinschaft Warndienst und Sirenen“ in ihrem Wiki:
Sirenen erzeugen einen Ton, indem ein Luftstrom zerhackt wird. Dies geschieht durch die Drehung zweier gelochter Zylinder oder Scheiben zueinander, durch die ein Luftstrom geleitet wird. Dafür sorgen in der Regel ein stehendes (Stator) und ein rotierendes Element (Rotor). Wenn das Loch in einer Scheibe/Zylinder durch das Material des anderen abgedeckt wird, ist der Luftstrom unterbrochen. Sirenen sind also die lauten Verwandten gewöhnlicher Ventilatoren.