NEUE SICHTWEISE: Mit der Daydream View taucht der Benutzer in virtuelle Welten ein.
NEUE SICHTWEISE: Mit der Daydream View taucht der Benutzer in virtuelle Welten ein. | Foto: Google/Markus Mielek

Googles teurer Tagtraum

Ausprobiert: VR-Brille Daydream View

Wäre sie nicht von Google, hätte die VR-Brille Daydream View vermutlich einen schwedisch klingenden Namen. In ihrem minimalistisch grauen Stoffdesign könnte sie glatt aus dem Katalog eines großen Möbelhauses stammen.

VR-Brille Google Daydream View
SCHLICHT: Die Virtual-Reality-Brille Daydream View besteht aus der Brille zum Einsetzen des Smartphones und einem Controller (rechts) zum Steuern. Foto: Google

Doch das im Oktober vorgestellte und jetzt verfügbare Gerät ist mehr als ein Lifestyleobjekt. Es ist der Zugang zu Googles Virtual-Reality- (VR) und 360-Grad-Welt. Was man dafür braucht? Zunächst einmal die Brille für 69 Euro, den mitgelieferten Bluetooth-Controller mit drei Knöpfen und Touch-Steuerung sowie ein Smartphone. Aktuell kommen dafür nur Googles Pixel und Pixel XL in Frage – zu Preisen ab 760 Euro.

VR-Brille Google Daydream View
EINFACH: Brille und Smartphone werden einfach durch Auflegen verbunden. NFC-Chips im Inneren teilen dem Smartphone mit, wann es in der Brille sitzt. Foto: Gabbert

Das Koppeln von Brille und Smartphone funktioniert sehr einfach. Sobald das Smartphone auf der Frontklappe der Daydream View liegt, wird die nötige Software auf dem Smartphone installiert und das Gerät geht in den VR-Modus. Zuklappen, aufsetzen, fertig. Aber Moment, da ist ja noch der Controller. Kurz die untere Taste drücken, schon wird er zum digitalen Zeigefinger in der virtuellen Welt. Mit dem Controller in der Hand werden Menüs durchgeklickt, Icons aktiviert oder Spiele bedient. Das funktioniert überraschend gut und ist deutlich besser gelungen als bei anderen VR-Brillen für das Smartphone, die etwa über ein seitliches Touchpad bedient werden.

ZEIGEFINGER: Gesteuert wird mit diesem kleinen Controller. Er funkt per Bluetooth mit dem Smartphone und dient als virtuelle Hand. Foto: Gabbert
ZEIGEFINGER: Gesteuert wird mit diesem kleinen Controller. Er funkt per Bluetooth mit dem Smartphone und dienst als virtuelle Hand. Foto: Gabbert

Aber was sieht man nun in Googles virtuellem Tagtraum? Zunächst einmal eine bunte Wiese an einem sanft dahinplätschernden Fluss mit schwebenden Icons, die für VR-Filme, 360-Grad-Panoramen, Spiele oder andere Inhalte werben. Darunter geht es zum Filmangebot, der Foto-App, Street View oder Youtube.

Eigens produzierte Inhalte funktionieren am besten

Richtig Spaß machen aber nur die speziell für VR produzierten Inhalte wie 360-Grad-Videos, VR-Spiele oder das in VR tatsächlich praktische Google Street View. Mit Daydream View auf dem Kopf und dem Smartphone vor Augen steht man wirklich mittendrin, kann nach oben und unten sehen, sich umdrehen und alles virtuell erkunden. Norwegens Fjorde, der Eiffelturm, das Taj Mahal – Sehenswürdigkeiten in aller Welt sind plötzlich in unmittelbarer Reichweite.

VR-Brille Google Daydream View
SCHNELL NACH PARIS: Mit der Brille kann man zum Beispiel den Bilderdienst Street View ganz neu erleben. Foto: Gabbert

Die hohe Bildschirmauflösung des zum Test genutzten Pixel XL von 2560 zu 1440 Pixel sorgt selbst so nah vor den Augen für ein recht gutes Bild ohne zu deutlich sichtbare Bildpunkte. Zum Rand hin wird es allerdings leicht unscharf. Etwas nervig: Auf den Linsen der VR-Brille setzt sich Staub sehr schnell ab und stört den Blick. Außerdem fällt recht viel Licht von den Seiten ein und sorgt für störende Reflexionen auf den Linsen. Virtuelles Tagträumen im echten sonnigen Park oder unter Neonröhren ist also keine gute Idee.

VR-Brille Google Daydream View
EIN BILD FÜR JEDES AUGE: So sieht es aus, wenn das Smartphone im VR-Modus ist. Die beiden Bilder sind ganz leicht gegeneinander versetzt, woraus das Hirn eine dreidimensionale Ansicht konstruiert. Foto: Gabbert

Nicht für VR produzierte Inhalte über die Brille zu sehen, gehört eher in die Kategorie „möglich, aber verzichtbar“. Der neue „Star Trek“ wird im VR-Modus leider nur auf eine winzige Leinwand in einem zugegebenermaßen schön animierten Freiluftkino projiziert. Wem das gefällt, der kann auch das restliche Film-, Serien- und TV-Angebot aus dem Play Store über die Brille schauen.

Auf Dauer wird’s unkomfortabel

Nach einer Weile wird die eigentlich sehr bequeme Brille dann aber recht schwer. Einen ganzen Spielfilm hält man ohne Pause nicht durch. Außerdem wird das Smartphone wegen der hohen Rechenbelastung und der für viele Inhalte nötigen Streamingverbindung ziemlich heiß und stromhungrig. Stundenlangen Spaß in der virtuellen Welt gibt es im Tagtraumland nur per Ladekabel.

Trotzdem: Googles Daydream View ist bislang eines der durchdachtesten Konzepte für virtuelle Realität mit dem Smartphone. Die VR-Brille ist bequem, das Bedienkonzept einfach und schlüssig und das Angebot schon jetzt recht groß. Bleibt noch der Elefant im Raum: der Preis.

VR-Brille ist günstig, das nötige Smartphone teuer

Die Brille ist mit 69 Euro nicht sonderlich teuer, das dafür nötige Smartphone aber schon. Für die kleinste Version des Google Pixel sind aktuell rund 760 Euro fällig, das größere Pixel XL gibt es ab 899 Euro. Nach Angaben von Google sind weitere kompatible Smartphones anderer Hersteller in Arbeit – darunter Huawei, Xiami, Asus, Motorola, HTC oder Samsung. Aber auch diese Smartphones wird es angesichts der hohen Hardwareanforderungen gewiss nicht zum Schnäppchenpreis geben. Till Simon Nagel