Luxusautos verschwinden
Sicherheitsrisiko Keyless Go | Foto: dpa

Banden knacken Keyless-Go

Luxusautos verschwinden im Raum Karlsruhe entlang der A5

Hochwertiger Luxusautos wie Audi, BMW oder Mercedes gestohlen: Seit Wochen verschickt die Polizei vermehrt solche Meldungen – und immer wieder ist zu lesen, dass die betroffenen Fahrzeuge mit dem sogenannten „Keyless-Go-System“ ausgestattet waren.

Luxusautos versprechen mehr Service

Dieses System verspricht den Käufern von Luxusautos eigentlich mehr Service: Niemand muss mehr den Schlüssel aus der Hand- oder Hosentasche kramen. Der sendet von dort einfach ein Signal an den Wagen, der sich dann öffnen und starten lässt. Ein Zeitgewinn von wenigen Sekunden – und ein Sicherheitsrisiko, wie sowohl der ADAC Nordbaden als auch die Kriminalpolizei Karlsruhe urteilen. Letztere beobachtet dieses Phänomen in der Region verstärkt seit Jahresbeginn, in ihrem Zuständigkeitsbereich seien es seither allein rund 20 Fälle von gestohlenen Luxusautos, es gebe Ermittlungen. Festnahmen hingegen: Fehlanzeige.

Schneller geknackt, als ein Glas Wasser getrunken

In der Tat gestaltet sich die Sache nicht einfach. „Unsere Münchner Kollegen haben 38 Modelle mit Keyless-Go-System getestet. Die waren alle schneller zu knacken, als man ein Glas Wasser trinkt“, sagt Michael Uhrig, Technikexperte beim ADAC Nordbaden, es gebe „eklatante Sicherheitslücken“. Hier ist die Studie nachzulesen.

Die Kripo hält folgendes Vorgehen für wahrscheinlich: Die Diebe suchen nach hochwertigen Fahrzeugen, die beispielsweise vor einem Einfamilienhaus geparkt sind. Dort besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Besitzer und damit Schlüssel in der Nähe sind. Mit einem Verstärker wird dann das Signal des Schlüssel abgefangen und verstärkt. Dem Auto wird suggeriert, dass sich der Schlüssel in unmittelbarer Nähe befinde: Der Dieb kann starten und losfahren. „Anleitungen dazu finden sich wie solche für das Bombenbauen im Internet“, sagt Thomas Rüttler, stellvertretender Karlsruher Kripochef.

Banden am Werk

Seiner Überzeugung nach sind Banden am Werk, die sich Gebiete aussuchen, von denen aus man schnell in einen Strom vieler Fahrzeuge kommt, sprich auf die Autobahn. Aktuell sei vor allem die A5 im Visier, dann gehe es wohl auf die A6 über Nürnberg nach Tschechien. Voraussetzung ist, dass das Auto vorher nicht mehr ausgeht, weil es sich dann erst mal nicht mehr starten lässt. Erst in speziellen Werkstätten wahrscheinlich in Osteuropa würden nämlich neue Schlüssel angefertigt.

In zwei Fällen in diesem Jahr wurde das Ziel nicht erreicht: Ein Wagen blieb im Schlamm stecken, ein anderer ging wohl in Folge eines Fahrfehlers aus. Beide wurden stehen gelassen. Ansonsten beobachtet die Polizei, dass Diebe extrem entschlossen agieren, wenn sie verfolgt werden. Sie würden mit über 200 Kilometern pro Stunde rücksichtslos über die Autobahn rasen. Werden sie doch gestoppt, würden die Diebe auch über sechs Spuren der Autobahn rennen.

Spuren gibt es nicht

Doch selten kommt es überhaupt zur Verfolgung: Das Auto ist schließlich schnell geknackt. Spuren gibt es nicht. Für den Besitzer bedeutet dies, dass er sowohl der Polizei als auch der Versicherung erklären muss, dass sein Wagen „einfach so“ verschwunden ist. Dabei ist das Problem schon länger bekannt.

Dennoch wird das System weiter gegen Aufpreis oder in einigen Luxusautos standardmäßig angeboten – auch wenn Polizei und ADAC davor warnen und allen, die es schon haben, zum Deaktivieren raten – so das der Hersteller zulässt. „Tut er dies nicht, würde ich ihm sagen: Gib mir Sicherheit, dass mein Auto morgen früh noch da ist, zur Not miete ich mir einen Schäferhund auf eure Kosten und setze ihn dazu“, so Uhrig.

Für Hersteller nicht unbedingt Nachteil

„Wir beobachten die aktuellen Vorgehensweisen der Fahrzeugdiebe sehr genau und tauschen uns regelmäßig mit übergeordneten Polizeistellen aus“, zitiert der ADAC einen VW-Sprecher. BMW verlasse sich auf seine Schlüssel, die angeblich unmöglich zu beschaffen oder zu kopieren seien. Dennoch kommen häufig Fabrikate dieser Marke weg. „Der Hersteller hat nicht unbedingt einen Nachteil, wenn der bestohlene Kunde ein neues Auto kaufen muss“, gibt Uhrig zu bedenken. Und die Versicherung lege ihre Leistung letztlich auf die Allgemeinheit um und erstatte oft eh nicht den vollen Kaufpreis.

Sicherheitstipps

Wer ein Auto mit Keyless-System hat und dieses nicht deaktivieren lassen kann oder will, kann folgendes probieren:

  • Den Schlüssel mit Alufolie umwickeln. Um das Auto zu öffnen und zu starten, muss man ihn natürlich wieder auswickeln.
  • Den Schlüssel in einer Metallbox aufbewahren, jedoch sollte man am Wagen testen, ob die tatsächlich stark genug ist.
  • Wer über ein weiteres Fahrzeug ohne dieses System sowie den nötigen Platz verfügt, kann dieses hinter seinem Wagen parken.
  • Eine Garage ist sicher, zumindest wurden bisher keine gewaltsam geöffnet.
  • Wer etwas Verdächtiges hört oder beobachtet: Sofort – auch nachts – den Notruf 110 wählen.