P+R Malsch Bahnhof
P+R Malsch Bahnhof

Park & Ride im Raum Karlsruhe

Mobilitätskonzepte auf dem Prüfstand

Die Grundidee ist ganz einfach: Auto und Bahn miteinander kombinieren, um die ideale Verbindung von Zuhause zum Arbeitsplatz oder in die Stadt zu finden. Die Rede ist von Park-and-Ride-Anlagen (Parken und Reisen, kurz: P+R) im Landkreis. Dabei sollen die Vorteile des individuellen Fahrens mit den Vorteilen öffentlicher Verkehrsmittel im Stadtverkehr verknüpft werden.
Dieses Konzept wurde vor allem entwickelt, um die Pendler aus den Randbezirken von großen Städten anzusprechen. Das eigene Auto soll auf Parkplätzen oder in Parkhäusern in direkter Nähe von Haltestellen des Öffentlichen Nahverkehrs abgestellt werden. Der Verkehrswissenschaftler spricht hier von „multimodaler Fortbewegung“. Im Klartext heißt das, dass mehrere Verkehrsmittel benutzt werden, um von A nach B zu gelangen. Im Landkreis stehen ausweislich kvv.de 73 P+R-Anlagen mit insgesamt 3 163 Parkplätzen in unterschiedlichen Größen zur Verfügung.

Nachteil des Konzepts ist der „gebrochene Verkehr“

Klassische Beispiele von P+R-Anlagen in der Region finden sich unter anderem in Malsch am Bahnhof mit knapp 90 Plätzen, in Bad Schönborn-Kronau am Bahnhof mit 200 oder in Wörth mit dem Parkhaus am Bahnhof. Dort stehen sogar 230 Stellplätze kostenlos zur Verfügung. Im Idealfall lässt es sich dann bequem in die Karlsruher Innenstadt oder zum Hauptbahnhof reisen – zu Stoßzeiten vorbei am Stau. Außerdem entfällt die lästige Parkplatzsuche im ohnehin stark frequentierten Karlsruher Innenstadtbereich. Die Vorteile liegen also klar auf der Hand.

Dem vorausgesetzt ist natürlich „die Bereitschaft auch sein Verkehrsmittel zu wechseln“, sagt Jürgen Wutschka, Leiter des Arbeitskreises „Park and Ride“ der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV). Der sogenannte „gebrochene Verkehr“ sei nämlich einer der Nachteile des P+R-Konzeptes. Der Pendler „kann also nicht von seiner Quelle zum Ziel durchfahren“, erklärt Wutschke.

Park and Ride Plätze in der Region

Ein anderer Nachteil des P+R-Konzeptes ist der für Parkplätze benötigte Raum. „Das ist natürlich insbesondere bei Wohnlagen mit Konfliktsituationen verbunden“, meint der Verkehrsexperte.
Als Ergänzung zum bestehenden P+R-Angebot sind immer mehr Bike and Ride-Anlagen (Fahrrad und Reisen, kurz B+R) im Kommen. Da lässt sich gut das eine mit dem anderen kombinieren. Zum Beispiel fährt man von Zuhause mit dem Auto zum Bahnhof, pendelt von dort nach Karlsruhe mit der Bahn und fährt von der Haltestelle in der Stadt mit dem Fahrrad zum Ziel. Ein weiteres Pendant zu den P+R-Anlagen mit einem etwas anderen Konzept sind die Parken-und-Mitnehmen-Plätze (P+M) an den Anschlussstellen der Bundesautobahnen. Wer sein Wohnzimmer auf vier Rädern nicht verlassen möchte, kann sich hier mit Mitfahrern für eine Fahrgemeinschaft verabreden.
Diese Parkplätze sollen die Innenstädte ebenfalls vor dem Verkehrsinfarkt schützen und die Geldbeutel der Pendler schonen. Insbesondere bei hohen Spritpreisen oder einem Feinstaubalarm in Stuttgart bietet es sich an, sein Auto mit einem oder mehreren Arbeitskollegen zu teilen.

Park & Ride, Bike & Ride oder Parken-und-Mitnehmen

Beispiele für solche Parkplätze wären die P+M-Anlagen an den Anschlussstellen (AS) Kronau (A 5) und Karlsbad (A 8). „In Kronau ist der P+M bislang nur ein Provisorium. Hier ist eine saubere Lösung in Planung“, erklärt Patrick Bohner, Leiter beim Amt für Straßen im Landratsamt. Gut angenommen werde auch die Anlage in Karlsbad. Ein Blick auf den Parkplatz zeigt, dass mehr als die Hälfte der Plätze belegt ist. Dort treffen sich nämlich viele Pendler aus dem Karlsruher Raum, die in Richtung Stuttgart zu Arbeit fahren. „Die Mitfahrerparkplätze werden sowohl von der Autobahn wie vom nachgeordneten Straßennetz angefahren. Sie müssen daher in kurzer Entfernung zu den Anschlussstellen der Autobahnen liegen und dem weiträumigen Verkehr dienen“, erklärt der Pressesprecher des Regierungspräsidiums, Uwe Herzel. Bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen, zum Beispiel die Nähe zur AS, finanziere der Bund die Anlagen. So geschehen in Karlsbad und Kronau. Betreut werden beide Anlagen von der Straßenmeisterei beim Landkreis, da dieser hier für das nachgeordnete Netz mit Landstraßen und Kreisstraßen zuständig ist, heißt es von Seiten des Regierungspräsidiums.
Während es im Großraum Karlsruhe mit Blick auf die Vernetzung unterschiedlicher Verkehrsträger einerseits ein solides Angebot gibt, scheint andererseits der Sachverhalt mit Blick etwa auf die Region Stuttgart ausbaufähig. Rund um die Landeshauptstadt will der Verband Region Stuttgart (VRS) für 23 bedeutende von über 100 P+R-Anlagen ein einheitliches Konzept entwickeln. Dies wird als Aufgabe des regionalem Verkehrsmanagements verstanden. Dessen Ziel ist das gleiche wie im Raum Karlsruhe: Durch einen starken Nahverkehr und entsprechend einfachen und komfortablen Umstiegsmöglichkeiten vom Auto auf die Bahn soll hier wie dort die Innenstadt entlastet werden. Der Regionalverband Mittlerer Oberrhein Karlsruhe hat diesbezüglich nicht die gleiche Zuständigkeit wie der VRS.