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Rat will lieber einen Tunnel

B 35: Bruchsal wehrt sich gegen Ostumfahrung

Es sollte vor allem ein klares politisches Signal nach Berlin sein: Der Bruchsaler Gemeinderat hat mit großer Mehrheit den Bau der B-35-Ostumfahrung abgelehnt. Die förmliche Stellungnahme des Rathauses zum Bundesverkehrswegeplan, der diesen Neubau vorsieht, liegt längst beim Verkehrsminister.
„Wir wollen vor allem eine Antwort auf die Frage: ,Warum hat sich das Kosten-Nutzen-Verhältnis dieser Umfahrung plötzlich so radikal verbessert?‘“, erklärte Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick. Ihr Verdacht: Hier sollen vor allem die Autobahnen 5 und 8 entlastet werden. Bekräftigt wurde diese Vermutung vom Stadtplanungsamtschef Hartmut Ayrle. Gleich mehrere Projekte innerhalb des neuen Bundesverkehrswegeplanes verbesserten diesen Abkürzungsverkehr zwischen Bruchsal und Pforzheim.

Geradeaus geht es heute noch ins Feld. Käme die neue Ostumfahrung, wäre hier der Anschluss in Richtung Rotenberg
Geradeaus geht es heute noch ins Feld. Käme die neue Ostumfahrung, wäre hier der Anschluss in Richtung Rotenberg | Foto: Heintzen

Gesucht wird eine Alternative

„Wir wollen aber nicht nur ablehnen. Wir fordern ein, dass man sich mit uns an einen Tisch setzt“, so die OB. Das Planungsziel dürfe nicht lauten: „Ortsumfahrung“. Der Gemeinderat hat sich gestern für das neue Ziel „Entlastung von Innenstadt und Ortsteilen“ stark gemacht. Gegen die Ablehnung stimmten die beiden CDU-Räte Valentin Gölz und Sigrid Gerdau. „Wir wollen für Heidelsheim noch größeren Schaden abwenden“, erklärte Gölz. Er fürchtete, es käme bei Ablehnung zu einer anderen Routenführung – etwa durch den Heidelsheimer Wald.

Wir wollen keinen Autobahnverkehr vor der Nase haben

Die große Mehrheit allerdings folgte dem Beschlussvorschlag. CDU-Rat Thomas Barth mahnte an, man müsse sich „mit Hochdruck an die Suche nach Alternativen machen.“ SPD-Fraktionssprecher Jürgen Schmitt befand es als „bisschen dreist vom Bund, Verkehr von der Autobahn auf eine untergeordnete Straße, die B 35, abwälzen zu wollen.“ „Wir wollen keinen Autobahnverkehr vor der Nase haben“, argumentierte Schmitt. Dass man heute noch auf die Idee komme, diese Umfahrung überirdisch zu bauen, sei überhaupt nicht zeitgemäß.

Der Rotenberg gilt als schützenswertes Naherholungsgebiet für die Bruchsaler. Vor allem Anlieger und Naturschützer wehren sich jetzt gegen den Straßenneubau
Der Rotenberg gilt als schützenswertes Naherholungsgebiet für die Bruchsaler. Vor allem Anlieger und Naturschützer wehren sich jetzt gegen den Straßenneubau | Foto: Heintzen

Für die Fraktion Freie Wähler/FDP sprach der Vorsitzende Roland Foos: Er forderte von den Behörden mehr Ehrlichkeit ein. Hier gehe es in Wahrheit um eine Entlastung der Autobahnen. „Alles andere ist unehrlich.“ Auch er brachte eine Tunnellösung ins Spiel, auch wenn die viel teurer ausfallen würde. „Eine Sparvariante geht nur zulasten der Bürger“, so Foos. Gert Meisel (Grüne/Neue Köpfe) plädierte im Übrigen dafür, mit dem Thema vor allem nochmal beim Regierungspräsidium vorstellig zu werden.

Alternativ wurde von der Stadtverwaltung eine Routenführung entlang der Bahntrasse Richtung Stuttgart ins Spiel gebracht. Außerdem diskutiert wurde eine Route entlang der bestehenden B 35 beziehungsweise deren Ausbau.

Wer hat Schuld an der Misere?

So einig man sich in der Ablehnung der Umfahrung war, so uneinig ist man offenbar, wer an der Misere Schuld hat. CDU-Fraktionssprecher Hans-Peter Kistenberger vermutete, dass man diese Situation hätte verhindern können. Das wollte wiederum die OB nicht auf sich sitzen lassen. Sie bezichtige ihrerseits die CDU, die eigentlich schon lang für unsinnig gehaltene Umfahrung nicht schon längst ad acta gelegt zu haben.
„Alle Ebenen wissen inzwischen, dass wir diese Umfahrung nicht wollen“, so die OB weiter. In der Vergangenheit sei immer wieder betont worden, dass dieser Neubau ohnehin keinerlei Realisierungschancen habe.