Bachforelle
Der Bachforellen-Bestand ging in den 1980er-Jahren stark zurück. | Foto: dpa

Weniger saurer Regen

Die Bachforelle ist zurück im Südwesten

Was war das für ein schwarzer Schatten, der da im gluckernden Schwarzwaldbach vorbeigehuscht ist? Sehr wahrscheinlich hat der Wanderer da eine Bachforelle entdeckt – und das ist nicht selbstverständlich, schließlich war manches Gewässer vor einigen Jahren fast so sauer wie Essig. Ihre Rückkehr sei ein gutes Zeichen, sagen die Experten der Landsumweltanstalt (LUBW): Ist die Bachforelle (Foto: dpa) gesund, geht es auch den Gewässern gut. Für die LUBW ist der Fisch ein Indikator für die rückläufige Versauerung der Gewässer in Mittelgebirgen, und die ist heute erfreulich geringer als noch vor 30 Jahren.

„Wir freuen uns, dass unsere heimische Bachforelle wieder regelmäßig in Baden-Württemberg anzutreffen ist“, sagt LUBW-Präsidentin Margareta Barth. In den 80er-Jahren hatte die Bachforelle im Schwarzwald und im Odenwald kein leichtes Leben – und vor allem kein allzu langes: Der saure Regen setzte den Tieren zu. Vor allem aber konnten die empfindlichen Eier und Larven im sauren Wasser nicht überleben, die erwachsenen Tiere litten an Säurestress, Nahrungsmangel und lebensbedrohlichen Organveränderungen. In manchen Bächen kam die Bachforelle überhaupt nicht mehr vor.

Fast so sauer wie Essig

Wie sauer das Wasser ist, wird als pH-Wert angegeben. „Essig hat einen Wert von 3,2 bis 3,4“, sagt Harald Gebhardt, der beim LUBW das Referat Medienübergreifende Umweltbeobachtung leitet. Neutral wäre ein Wert von 7,0 und höher. Seit 1984 untersucht die LUBW landesweit regelmäßig bestimmte Gewässerabschnitte – und einige kamen dem pH-Wert von Essig in dieser Zeit ziemlich nah. Betroffen waren vor allem die Oberläufe der Gebirgsbäche und -flüsse, also die quellnahen, bis zu drei Meter breiten Gewässer. Hohe Emissionen von säurebildenden Abgasen führten in den 80er-Jahren zu einer starken Versauerung der Niederschläge. Diese trug außerdem zum Waldsterben bei und wirkte sich über die Gewässer auch aus die Tierwelt auf. Dazu kam noch, dass sich durch den sauren Regen Aluminium aus den Böden der Bäche löste: für die Bachforelle ein hochgiftiger Stoff.

„Seit 1984 hat sich das Bild aber stark gewandelt“, sagt Gebhardt. „Durch die Luftreinhaltungsmaßnahmen der Politik sind die sauren Gewässer viel weniger geworden.“ Filter an den Schornsteinen großer Fabriken seien seitdem zum Beispiel Pflicht. Bereits Mitte der 70er war mit gesetzlichen Vorschriften begonnen worden, den Ausstoß von schwefelhaltigen Brenn- und Kraftstoffen einzudämmen. Und auch wenn es nach wie vor in vielen der Test-Gewässer eine Versauerung gibt – Probleme machen unter anderem von Autos ausgestoßene Stickoxide, Stickstoff aus der Landwirtschaft oder natürliche Säure, die es etwa in Moorgebieten gibt – sei sie inzwischen doch deutlich geringer geworden.

Ein Mitarbeiter kontrolliert ausgesetzte Bachforellenlarven.
Ein Mitarbeiter kontrolliert ausgesetzte Bachforellenlarven. | Foto: LUBW

Trotz aller guten Nachrichten: In einigen Bächen im Land, die die LUBW untersucht, sieht es noch immer nicht besonders rosig aus. Im Kaltenbach bei Enzklösterle im Nordschwarzwald werden auch heute noch extrem niedrige pH-Werte gemessen, berichtet Harald Gebhardt. Der Bach sei fischfrei, aber im vergangenen Jahr setzten die Forscher dort Eier der Bachforelle aus, um zu sehen, wie sie sich entwickeln: „Ein gewisser Anteil hat es geschafft. Vor 25 Jahren wäre die Überlebensrate noch gleich null gewesen“, sagt er. Das sei ein gutes Signal, erklärt LUBW-Präsidentin Margareta Barth: „Wir hoffen, dass sich die nun erstarkenden neuen Populationen langfristig halten werden.“