In gleißendem Sonnenlicht: Die Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Park- und Rideplatzes in Oos-West ist die größte in kommunaler Hand. 1 580 Module liefern dort sauberen Strom.
In gleißendem Sonnenlicht: Die Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Park- und Rideplatzes in Oos-West ist die größte in kommunaler Hand. 1 580 Module liefern dort sauberen Strom. | Foto: Kappler

Bilanz zum Sommeranfang

Baden-Baden Solar-City

Baden-Baden ist auf dem Weg zur Solar-City. Seit dem Jahr 2000, als lediglich eine Anlagenleistung von 98 Kilowattpeak vorhanden war, ist die installierte Leistung inzwischen auf rund 14 000 Kilowattpeak gestiegen. Zehn Prozent der insgesamt knapp 840 Anlagen sind in städtischem Besitz, 90 Prozent werden privat betrieben. „Rechnerisch können wir damit knapp 4000 Haushalte versorgen“, ziehen Bernhard Gerstner und Martin Weßbecher von den Stadtwerken im BNN-Gespräch anlässlich des  längsten Tages am 21. Juni des Jahres Bilanz.
Beide rechnen in den kommenden Jahren mit einer weiter steigenden Zahl von Fotovoltaikanlagen. Nach einer aktuellen Schätzung des Steinbeis-Transferzentrums Stuttgart könnten in Baden-Baden theoretisch 85000 Kilowattpeak installiert werden.
Normalerweise können sich die Betreiber von Solaranlagen in den Tagen vor und nach der Sommersonnenwende die Hände reiben, denn wenn die Sonne über Baden-Baden lacht – Berechnungen geben den exakten Wert mit 16 Stunden und 13 Minuten an – surren die Stromabgabezähler munter. Normalerweise, denn in diesem Jahr liegen die Erträge aufgrund der Wetterlage bislang rund zehn Prozent unter dem Ertrag des vergangenen Jahres. Wobei schwankende Monatserträge für die Besitzer von Fotovoltaikanlagen normal sind.
2013 war zumindest bis Ende Mai genauso schlecht gewesen, wie in diesem Jahr, verdeutlicht Bernhard Gerstner am Beispiel der Anlage auf dem Dach des Park- und Ride-Parkplatzes in Oos-West, mit 1 580 Modulen und einer Leistung von 371 Kilowattpeak die größte der insgesamt 20 Anlagen in kommunalem Besitz. Dann kam 2013 die Sonne doch noch und im Juli 2013 erzielte die Anlage in Oos-West mit knapp 65 000 Kilowattstunden ihren bislang größten Ertrag. 2014 war dort der Juni der beste Monat im Jahresverlauf gewesen, 2012 der Mai.

Betriebswirtschftlich
geht Rechnung auf

Betriebswirtschaftlich scheint die Rechnung mit dem Solarstrom auch aufzugehen. Die erste kommunale Solaranlage war 2001 auf dem Dach des Markgraf-Ludwig-Gymnasiums installiert worden. Seither liefert sie treu und brav Strom, ohne eine Ausfallzeit gehabt zu haben. Bernhard Gerstner und Martin Weßbecher gehen davon aus, dass sie dies auch über die 20-jährige Abschreibungszeit hinaus tun wird.
Dann müsste theoretisch aus Erzeugersicht wieder gerechnet werden: Nimmt man den Gewinn der alten Anlage noch einige Jahre mit oder investiert man neu? Die Technik schreitet nämlich rasant voran und neue Anlagen bringen auf der gleichen Fläche höhere Erträge als die alten Solarmodule.
Für die Stadt noch nicht spruchreif ist die Speicherung von Strom. Hier sind sich die Experten der Stadtwerke einig, dass die Entwicklung solcher Speicher noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. „Im Auge haben wir das aber auf jeden Fall“, so Martin Weßbecher.
Unter dem Gesichtspunkt des Eigenverbrauchs seien Investitionen von Privathaushalten und Unternehmen auf jeden Fall interessant, auch wenn die Einspeisevergütungen sinken.