Ende einer wechselvollen Geschichte: Ein Immobilienunternehmen reißt die ehemalige Acherner Glashütte ab, um unter anderem Wohnungen auf dem elf Hektar großen Gelände am Stadteingang zu bauen.
Ende einer wechselvollen Geschichte: Ein Immobilienunternehmen reißt die ehemalige Acherner Glashütte ab, um unter anderem Wohnungen auf dem elf Hektar großen Gelände am Stadteingang zu bauen. | Foto: Roland Spether

Auf Areal entstehen Wohnungen

Bagger beseitigen die Acherner Glashütte

Von Roland Spether

Ein Stück Industriegeschichte ist in Achern zu Ende gegangen. Dies wird jetzt besonders augenfällig: Auf einer Fläche von rund elf Hektar wird am Stadteingang die ehemalige Glashütte abgerissen – 130 Jahre nach der Gründung des einstmals größten Arbeitgebers in der Region.  Auf dem Gelände sollen unter anderem bis zu 400 Wohnungen entstehen.

Vor 130 Jahren begann die Produktion

Johann Georg Boehringer hatte 1885 von der Stadt ein 3,7 Hektar großes Gelände an der Bahnlinie gekauft und darauf seine Glashütte gebaut.  Am 21. September 1886 war es so weit, dass aus flüssigem Glas mit handwerklichem Geschick die ersten Flaschen geblasen wurden. Jetzt geht das Werk, im Laufe der Jahrzehnte auf mehr als elf Hektar angewachsen, den umgekehrten Weg: Gewaltige Baumaschinen lassen keinen Stein auf dem anderen. Der Abbruch der Glashütte läuft auf Hochtouren. Boehringers Investition war ein Grundstein für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Achern. Doch das Werk erlebte unruhige Zeiten, überstand zwei Kriege, um dann letztlich aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen zu werden.

Niedergang zeichnete sich lange ab

Der Niedergang hatte, so darf man heute vermuten, bereits vor der Jahrtausendwende begonnen. Nach einem Störfall am Pfingstsonntag 1997 floss tonnenweise flüssiges Glas aus der geplatzten Schmelzwanne 4 in Maschinen- und Kellerräume und verursachte einen Schaden von 40 bis 50 Millionen Mark. Danach wurde zwar wieder investiert und mehr oder weniger hoffnungsvoll nach vorne geblickt, doch die alten Zeiten schienen dem Ende entgegenzugehen.

Eigentümer wechselten

Hinzu kam, dass die Eigentümer wechselten und das Acherner Werk ab 2004 ein kleiner Teil des weltweit agierenden Konzerns „O-I“ war. Betriebsrat und Mitarbeiter stellten sich der drohenden Schließung entgegen, doch das geschah vergeblich. 2012 kam die Hiobsbotschaft vom Ende der Glashütte aus dem ferner Illinois, wo der Eigentümerkonzern seinen Sitz hatte.