Frostige Zeiten: Auf einer Strecke von 300 Metern wird der Untergrund vereist.
Frostige Zeiten: Auf einer Strecke von 300 Metern wird der Untergrund vereist. | Foto: Collet

Rastatter Tunnel

Bahn friert den Boden ein

Eiszeit beim Rastatter Bahntunnel: Auf einer Strecke von rund 300 Metern wird der Boden eingefroren, um die ökologisch wertvolle Federbachsenke zu schützen. Projektleiter Stefan Hofmann erklärte vor den Medien, dass 680 Vereisungslanzen gewissermaßen ein gefrorenes Dach bilden, unter dem nun der Tunnelbohrer die Röhre ausbauen kann. Die vier an der B 36 stehenden Kühlaggregate liefern aus einem Ammoniakkreislauf eine Temperatur von minus 35 Grad Celsius, die über eine Salzlösung durch den Boden gepumpt wird.

Kälteanlage braucht so viel Strom wie 3.000 Haushalte

Die Kälteanlage hat eine Leistung von insgesamt 1.400 Kilowatt und läuft zehn Wochen lang rund um die Uhr. Sie verbraucht damit täglich 33.600 Kilowattstunden – damit ließen sich rund 3.000 Vier-Personen-Haushalte versorgen. Den Strom für die Kälteanlage und die Bohrmaschine liefern übrigens die Stadtwerke.
Nötig ist die Aktion, weil das Gelände an der Federbachsenke stark abfällt, während die darunter zu bohrende Röhre deutlich geringer abwärts führt. Im Bereich des Federbachs sind über der Röhre nur noch vier Meter Erde, das würde beim Durchbohren nicht halten. Beim Federbach wurde Erde aufgeschüttet und das Wasser mit vier Rohren durch den gefrorenen Boden geführt. Hofmann geht bei den derzeitigen Fließgeschwindigkeiten davon aus, dass das Wasser des Federbachs nicht einfrieren wird.
Sechs Wochen hat es gedauert, bis der Boden auf minus 20 Grad eingefroren war. Der Projektleiter des Tunnelbaus, Mirko Winterstein, rechnet mit rund 20 Tagen, bis der Bohrer die eingefrorene Strecke unterfahren hat. Der Abschnitt befindet sich hinter der Gabelung von B 3 und B 36. Danach nähert sich die zweite Bohrmaschine, die derzeit aufgebaut wird und im Herbst starten soll. Hier sind die Vereisungslanzen bereits in der Erde – diese werden ebenso an die Kältemaschinen angeschlossen, um auch hier den Boden einzufrieren. Sind beide Röhren fertig, wird die Aufschüttung am Federbach abgetragen und das Gewässer fließt wieder durch den Wald. Auch die Lanzen in der Erde werden entfernt – bald soll man von der Baustelle nichts mehr sehen.