Baumaschinen wie zum Beispiel Rüttelplatten werden seit einigen Wochen im Raum Pforzheim öfters gestohlen.
Baumaschinen wie zum Beispiel Rüttelplatten werden seit einigen Wochen im Raum Pforzheim öfters gestohlen. | Foto: dpa

Diebstahl-Serie um Pforzheim?

Baumaschinen im Visier

Treiben im Enzkreis und in Pforzheim organisierte Rüttelplatten-Diebe ihr Unwesen? Das Polizeipräsidium Karlsruhe will zwar noch nicht von einer Serie sprechen. Fakt ist aber: Seit April gab es im Enzkreis zwei von den Ordnungshütern registrierte Diebstähle von Rüttelplatten. Auch in der Goldstadt entwendeten Langfinger in zwei Fällen ähnliche Baumaschinen – so auch in Calw am 18. April. „Es hat mehrere solcher Fälle im Raum Pforzheim gegeben“, bestätigt Anna-Katrin Müller, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums, auf Anfrage des Pforzheimer Kurier. Im Visier der Diebe seien generell Baumaschinen aller Art. So erbeuteten in der Nacht zum gestrigen Mittwoch Unbekannte mehrere Werkzeuge und Baumaschinen im Gesamtwert von mindestens 2 000 Euro aus einem Baucontainer in Mühlacker. Handelt es sich hierbei um organisierte Kriminalität? „Solange die Polizei niemanden auf frischer Tat ertappt hat, kann diese Frage schlecht beantwortet werden“, betont Müller.

Baumaschinen im Wert von 40 000 Euro gestohlen

In Pforzheim schlugen Diebe während des zweiten Juni-Wochenendes auf einer Baustelle in der Wilferdinger Straße zu. Sie erbeuteten eine Rüttelplatte, zum Ärger von Jürgen Herrmann. Der kaufmännische Leiter der Südwestdeutschen Industrie und Anlagen-Baugesellschaft beziffert den Schaden auf 3 800 Euro. Sein Unternehmen verleiht Geräte an Baufirmen. Seit Jahresbeginn seien verschiedene Container der Firma aufgebrochen worden, unter anderem verschwanden Bohrmaschinen und Hämmer. „Die Diebe müssen Profis sein“, ist Herrmann überzeugt. Die Schlösser der Container hätten die Langfinger so geknackt, ohne sie zu zerstören. „Um die teils schweren Maschinen zu verladen, setzen die Gauner wohl einen Kran ein.“ Der Schaden sei enorm. Die Versicherung ersetze lediglich 30 Prozent des Neuwerts. „Und dann kommen die Ganoven nach 14 Tagen wieder und räumen alles ab. Gleichzeitig steigt die Versicherungssumme“, so Herrmann. Seit Jahresbeginn seien etwa 20 verliehene Kleingeräte im Wert von 40 000 Euro gestohlen worden.

Rüttelplatten gibt es in unterschiedlichen Größen und Ausführungen. | Foto: dpa

Ein Pforzheimer Bauunternehmer hat nach eigenen Angaben bislang mehr Glück. „Bei uns sind schon länger keine Baugeräte mehr weggekommen“, sagt der Unternehmer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Vor über einem Jahr seien auf seinem Firmengelände kleine Bagger und Baumaschinen gestohlen worden. Die Täter seien mit brachialer Gewalt vorgegangen. Ihm falle auf, dass immer mehr Handwerkerkolonnen mit osteuropäischen Kennzeichen in der Gegend unterwegs seien. „Sie bieten Dienstleistungen 30 Prozent unter dem Normalpreis an.“

Tankdeckel bleiben an unseren Baggern geöffnet

Bis auf den Verlust eines kleines Hammers, hat Bauunternehmer Manuel Knöller aus Remchingen bislang keine größeren Diebstähle anzeigen müssen. Sein Unternehmen arbeite nicht auf Großbaustellen. Auch der Pforzheimer Baumaschinenverleiher Schwab ist bislang von Diebstählen verschont geblieben. Innendienstleiter Helge Schäfer führt dies auf „Glück und Fürsorge der Kunden“ zurück.
Nach Einschätzung von Alexander Veit, Betriebsleiter des Baumaschinenverleihers HKL Center Pforzheim, hätten die Diebe nun andere Präferenzen: „Früher haben sie Diesel aus den Tanks unserer Bagger gestohlen. Deshalb schließen wir Tankdeckel nicht mehr ab, um größere Schäden an den Geräten zu vermeiden“, so Veit. Auf dem Firmengelände gebe es weniger Diebstähle, seit Kameras das Grundstück überwachen. Den Kunden seien im vergangenen Jahr hingegen sechs Stampfer und vier Rüttelplatten im Wert zwischen 10 000 Euro und 25 000 Euro abhanden gekommen. So etwa im Ölbronner Neubaugebiet: „Die Diebe kamen nachts um 4 Uhr und verluden Rüttelplatten mit einem Kran“, erzählt Veit. Dass Baustellen das Ziel sind, hat nach Beobachtung der Polizei folgende Gründe: „Baugelände befinden sich zumeist außerhalb bewohnter Gebiete“, sagt Polizeisprecherin Müller. Es gebe kaum Zeugen. Auch verhielten sich Täter „auffallend unauffällig“, indem sie sich als Bauarbeiter verkleiden.

 

Wie viele Baugeräte seit Jahresbeginn im Großraum Pforzheim gestohlen wurden, kann die Pressestelle des Polizeipräsidiums Karlsruhe nicht genau beziffern. Nach Auskunft von Präsidiumssprecherin Anna-Katrin Müller wird keine Gesamtstatistik geführt: „Jeden Fall bearbeitet das Polizeirevier separat, bei dem die Anzeige erfolgt.“ Sei ein Zusammenhang erkennbar, würde revierübergreifend ermittelt. Zu den Tätern gebe es bislang keine Spur. „Sie sind schwer zu ermitteln, meist nur auf frischer Tat“, erklärt Müller.
Die Polizei rät, sämtliche Baufirmen genau zu beobachten, die auf dem Gelände ein- und ausgehen.