Spatenstich für Oberkircher Fußgängerzone: Von links Stadtbaumeister Peter Bercher, Stadtwerke-Chef Erik Füssgen, Bürgermeister Christoph Lipps, OB Matthias Braun sowie Stadträtin Bettina Käppeler.
Spatenstich für Oberkircher Fußgängerzone: Von links Stadtbaumeister Peter Bercher, Stadtwerke-Chef Erik Füssgen, Bürgermeister Christoph Lipps, OB Matthias Braun sowie Stadträtin Bettina Käppeler. | Foto: Robert Ullmann

Fußgängerzone in Oberkirch

„Bedeutendste Stadtentwicklungsmaßnahme“

Von Robert Ullmann
Seit Samstag, 7.30 Uhr ist die Hauptstraße der Großen Kreisstadt Oberkirch für den Durchgangsverkehr geschlossen – und das wird sie auch bleiben. Die Hauptstraße wird bekanntlich zur Fußgängerzone umgestaltet. Die Arbeiten dazu haben nun begonnen.
Der offizielle Spatenstich durch Oberbürgermeister Matthias Braun und Bürgermeister Christoph Lipps hatte etwas von einem Volksfest, mit „Freiwein“ und Baustellenfrühstück an eigens aufgestellten Tischen und Bänken. Neben offiziellen Vertretern der Verwaltung, der Ratsfraktionen sowie der Planungs-, Bau- und Ingenieursbüros waren viele Oberkircher zu dem Festakt gekommen. „Die lange Bauzeit ist uns egal“, erklärte ein Ehepaar. „Wir freuen uns dass es endlich losgeht.“ Das Paar nennt Offenburgs Fußgängerzone als positives Beispiel. Die, die da sind, sind durchweg Hauptstraßenbefürworter. Wirklich ablehnend steht dem Projekt kaum noch jemand gegenüber.

Informationen im Baustellenbüro

Allenthalben gibt es jedoch Skepsis wegen der rund anderthalbjährigen Bauzeit und wegen der Verkehrsströme. Anrainer in den Parallelstraßen fürchten nun ein erhöhtes Verkehrsaufkommen. Die Verwaltung will den Durchgangsverkehr südlich an der Innenstadt vorbeisteuern, über die so genannte „innere Umfahrung“.
120 Meter lang wird die Fußgängerzone künftig sein. Ihr werden auf beiden Seiten verkehrsberuhigte Zonen vorgelagert. OB Braun spricht von der „wohl bedeutendsten Stadtentwicklungsmaßnahme seit den 1980er Jahren“. Damals war die Innenstadt rund um den Mühlbach zum touristischen Schmuckstück gemacht worden. Mit der Fußgängerzone werde Oberkirch die Aufenthaltsqualität und das Einkaufserlebnis maximal steigern, so Braun weiter. „Oberkirch soll nicht nur schöner werden, sondern seine regionale Bedeutung als Einkaufsstadt steigern.“

4,2 Millionen Euro werden nicht reichen

Mit wenigen Sätzen geht Braun auch auf den „Pflasterstreit“ ein, der die Stadt beschäftigte: Die preisgünstigen Pflastersteine aus China oder doch lieber welche aus Europa, die etwas teurer kommen? „Oberkirch ist eine europäische Stadt“, erklärt Braun dazu, „die Pflaster kommen aus Portugal, Schweden und Polen.“ 8 500 Quadratmeter werden mit Natursteinpflaster, gesägt und mit Sandstrahl behandelt, belegt. Ende 2017 soll die Baumaßnahme beendet sein. Braun geht davon aus, dass die Bevölkerung und die Innenstadtkunden Verständnis haben für den Baustellenumtrieb und den Straßenaufbruch, der auch einen Aufbruch in die Oberkirchs Zukunft bedeute. Im Alten Rathaus in der Stadtmitte ist ein Baustellenbüro eingerichtet, wo sich Bürger informieren können, wo sie Vorschläge machen oder auch mal Ärger abladen können.
Braun macht deutlich, dass sich Einschränkungen nicht vermeiden lassen. „Sie werden auch mit Einbußen bei den Einzelhändlern verbunden sein“, so der OB weiter. Man wolle jedoch mit einem klugen Baustellenmanagement positiv einwirken. Inhabergeführte Geschäfte, die aufgrund der Bauarbeiten existenzgefährdende Einbußen erleiden, können aus einem eigens eingerichteten Fonds Unterstützung erhalten.
4,2 Millionen Euro waren für die Umgestaltung der Hauptstraße veranschlagt. Braun räumte ein, dass es teurer werden wird. Allein das europäische Pflaster kostet 600 000 Euro mehr als geplant. Dennoch könne die Stadt die Kosten stemmen. Braun: „Wir haben noch keinen Kreditbedarf.“