Eine große Rolle im Bereich der Ästhetik der plastischen Chirurgie spielen Lid-Operationen. Bei jüngeren Frauen sind vor allem Brustvergrößerungen in Mode, die am Ortenau Klinikum nur in Maßen vorgenommen werden.
Eine große Rolle im Bereich der Ästhetik der plastischen Chirurgie spielen Lid-Operationen. Bei jüngeren Frauen sind vor allem Brustvergrößerungen in Mode, die am Ortenau Klinikum nur in Maßen vorgenommen werden. | Foto: Jens Schierenbeck

Plastische Chirurgie in Offenburg

Bei Doppel-D hört der Spaß auf

Von Christine Storck

Po-Implantate und Doppel-D-Brüste sind mit Tilman Schottler nicht zu machen. „So einen Blödsinn gibt es hier nicht“, stellt der Chefarzt der plastischen Chirurgie am Ortenau-Klinikum im Gespräch mit dem ABB fest. Von den rund 2 100 Eingriffen pro Jahr in der Abteilung sind ohnehin nur 35 Prozent rein ästhetisch begründet. Hauptarbeit der Ärzte ist die plastische Rekonstruktion: nach Unfällen, Verbrennungen oder nach der Entfernung großer Tumore.

Möglichkeiten sind gewachsen

Natürlich spielt die Ästhetik auch hierbei eine große Rolle, zum Beispiel, wenn ein Patient mit schweren Verletzungen im Gesicht eingeliefert wird. „Es geht immer darum, Defekte bestmöglich zu beheben, innen wie außen“, erklärt Tilman Schottler. Seit 2005 leitet der 46-Jährige die plastische und ästhetische Chirurgie am Ortenau-Klinikum. Damals war sie mit zwei Ärzten und etwa 250 OPs im Jahr noch relativ klein. Mit mehr Manpower und neuer Technik sind über die Jahre die Möglichkeiten gewachsen. „Heute können wir richtig große, mikrochirurgische Fälle übernehmen“, sagt Schottler. Rund 600 stationäre und etwa 1 500 ambulante Eingriffe stehen jährlich auf dem Plan.

Reparaturen von innen und außen

Aber nicht nur bei äußeren Verletzungen, Tumoren oder Missbildungen sind die insgesamt fünf Ärzte der Abteilung gefragte Experten. Krebsgeschwüre oder schwere Unfälle können auch im Inneren des Körpers große Lücken hinterlassen, die gefüllt und verschlossen werden müssen. Dabei arbeitet die plastische Chirurgie eng mit den anderen Schwerpunktzentren des Klinikums zusammen, vor allem mit der Unfallchirurgie und die Gynäkologie.
Sie zeigt sich dabei als vielfältiges und umfassendes Fach: Patienten sind Männer wie Frauen jeden Alters, Kinder oder Frühchen, vom Fuß bis zum Scheitel. Etwa 40 Prozent der Eingriffe betreffen Hauttumore, bei weiteren 40 Prozent geht es um Brust und Nase: unter anderem um die Wiederherstellung nach Verbrennungen, Fehlbildungen oder Geschwüren. Mit einer speziellen Form der in Offenburg praktizierten funktionell-ästhetischen Nasenchirurgie, der „offenen Rhinoplastik“, kann das Organ komplett auseinandergenommen und wiederhergestellt werden, zum Beispiel nach einer Krebs-OP.

In der Verantwortung: Seit 2005 leitet Tilman Schottle die plastische und ästhetische Chirurgie.
In der Verantwortung: Seit 2005 leitet Tilman Schottler die plastische und ästhetische Chirurgie. | Foto: Christine Storck

 

Patientin erhielt neues Gesicht

An die teils krasse Wunden oder Verletzungen, die die Fachärzte tagtäglich zu Gesicht bekommen, gewöhne man sich im Laufe der Jahre, erzählt Schottler. Das Glück der Patienten, denen geholfen werden kann, entschädige für vieles. So zum Beispiel im Fall einer jungen Afrikanerin mit halbseitigen Verbrennungen, die vor Jahren zur Behandlung nach Offenburg kam. „Wir konnten ihr ein neues Gesicht geben, und sie wurde von einer Außenseiterin zu einer integrierten Person, die mittlerweile als Lehrerin arbeitet“, erinnert sich der gebürtige Rüsselsheimer.
Ein weiterer Schwerpunkt der Abteilung ist seit gut zehn Jahren eine besondere Form der Brustvergrößerung. Dabei wird das Implantat tief in den Muskel unter das Bindegewebe gelegt – laut Schottler eines der besten Verfahren, das es derzeit gibt, und das nicht viele Kliniken praktizieren. „Die Langzeitergebnisse sind sehr gut“, berichtet er. Dafür kommen die Patienten aus ganz Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz nach Offenburg.

Brust- und Lidoperationen in Mode

Von „Medizintourismus“ ist der Chefarzt eigentlich kein großer Freund, auch wenn er sich dessen bewusst ist, dass kein Haus von der rekonstruktiven Chirurgie allein leben könnte. Doch Termine und die sensible Zeit nach einer Operation machen die Betreuung auswärtiger Patienten oft schwierig. Drei Betten stehen aktuell für ästhetische Eingriffe zur Verfügung, die Schlotter alle selbst betreut. Dazu kommen zehn Betten für medizinisch indizierte Fälle.
In der Ästhetik spielen Brust- und Lid-Operationen die größte Rolle in Offenburg. Rund 90 Patienten lassen sich pro Jahr den Busen vor allem vergrößern: Frauen bis Mitte 20, die mit der Größe oder Form unzufrieden sind, aber auch junge Mütter nach einer oder mehreren Schwangerschaften. Der Chefarzt weiß: Die Eingriffe sind zwar meist nicht notwendig, aber trotzdem nicht unnötig. „Bei vielen herrscht großer Leidensdruck“, sagt er. Allerdings gibt es für ihn klare Grenzen: Minderjährige zu behandeln sei in Deutschland verboten, und auch XXL-Busen wie in den USA wird es in Offenburg nicht geben. „Die Anatomie hat ihre Grenzen“, ist Tilman Schottler überzeugt.