Schreckliche Details der Bluttat von Willstätt: Der Prozess gegen einen 21-Jährigen wurde fortgesetzt.
Schreckliche Details der Bluttat von Willstätt: Der Prozess gegen einen 21-Jährigen wurde fortgesetzt. | Foto: BNN

Brutale Bluttat bei Willstätt

Berührende Geste der Eltern im Gerichtssaal

Von Harald Rudolf

Über den gewaltsamen Tod einer 20 Jahre alten Frau in einem Wald bei Willstätt verhandelt das Landgericht in Offenburg. Der Angeklagte schweigt bislang zu den Vorwürfen, daher stand nun das Geständnis des Mannes bei der polizeilichen Vernehmung im Mittelpunkt. Die Eltern des Opfers, die am Totschlagsprozess als Nebenkläger teilnehmen, stellten am mittlerweile dritten Prozesstag ein schwarz umrahmtes Bild ihrer Tochter vor sich auf den Tisch gegenüber der Anklagebank. Eine berührende Geste, die die menschliche Dimension und Tragik der Tat noch einmal deutlich machte. Der Verteidiger des 21-Jährigen, Peter Ockenfels, wertete dies als Provokation. Auf Bitten des Vorsitzenden Richters drehte der Vater das Bild Richtung Zuhörer.

„Ich hatte ihn sehr gern“

Die Mutter der mit mehr als 40 Messerstichen getöteten 20-Jährigen hatte bereits am zweiten Verhandlungstag ein beeindruckendes Zeugnis abgelegt. Die dreieinhalb Jahre währende Beziehung ihrer Tochter zu dem Angeklagten sei sehr innig gewesen. Er habe der jungen Frau „wahnsinnig gut getan“. „Ich hatte ihn gern“, erklärte die 53 Jahre alte Mutter, die ihre Tochter gebeten hatte, bei der Trennung „fair“ zu sein.

Nach  Angaben der Mutter fehlt seit dem Tattag ein Küchenmesser. Nach Ansicht der Strafkammer ist die Frage, woher das Messer kam, eine der zentralen Fragen des Prozesses. Eine Frage, die möglicherweise ungeklärt bleibt, denn die Tatwaffe ist verschwunden. Laut Aussage des Angeklagten gegenüber der Polizei warf der 21-Jährige nach der Tat das Messer in den Korker Baggersee. Er will um den gesamten See gelaufen sein und das Messer mittig hinein geworfen haben.

Widersprüche in der Aussage

Aufnahmen der Videoüberwachung des Kieswerks zeigten jedoch, dass er am Tattag, dem 9. Februar, mit dem Wagen um 16.50 Uhr auf das Gelände fuhr und es fünf Minuten später wieder verließ. Nach Angaben der Vernehmungsbeamten kann die Aussage des Angeklagten aus zeitlichen Gründen daher nicht stimmen. Der Einsatz von Tauchern und eines Roboters bei der Suche nach der Tatwaffe blieben erfolglos.
Laut Aussage des 21-Jährigen hatte er öfters ein Messer zu seinem Schutz im Wagen gehabt.

Von hinten auf Opfer eingestochen

Im Geständnis gegenüber der Polizei hatte er erklärt, sich mit der Freundin bereits im Auto gestritten zu haben, da sie sich von ihm getrennt hatte und einen anderen Mann treffen wollte. In den Wald sei er gefahren, um sich nicht im Auto streiten zu müssen. Als sie ihm den Rücken zudrehte, griff er zu dem Messer in der Ablage der offen stehenden Fahrertür. Dann stach er von hinten auf sie ein. Laut Polizei wies das Opfer Verletzungen am Rücken, seitlich im Gesicht und am Hals auf. „Ich wusste mir nicht anders zu helfen, sie wollte zu diesem Typen“, erklärte er bei seiner Vernehmung einen Tag nach der Tat. „Ich schrie dabei, es war furchtbar.“

Nachdem die Freundin zu Boden gegangen war, kniete er neben sie und stach wieder zu, damit sie nicht leiden müsse, wie er bei der Polizei erklärte. Danach will er das Messer im Baggersee entsorgt haben. „Ich hatte mich nicht unter Kontrolle, ich habe nicht extra ein Messer mitgenommen“, gab er damals zu Protokoll.

Gemeinsames Mittagessen vor Tat

Nach Aussage der Mutter hat der Angeklagte am Tattag mit ihr und ihrer Tochter zu Mittag gegessen, nachdem die Tochter ihm einen Tag zuvor die Trennung verkündet hatte. Die ganze Nacht soll er geweint haben. Dies habe man aber nicht bemerkt. Er sei normal gewesen. Als er mit ihrer Tochter dann wegfuhr, fehlte nach Angaben der Eltern ein Messer.