rupImker neu

Demeter-Fachmann lebt in Bühl

Bienen schulen ihren Imker

„Wenn sich Menschen mehr mit dem Leben und Wirken der Bienen beschäftigen würden, hätte das einen positiven Einfluss auf ihre Sicht der Welt und darauf, wie sie sich in der Welt verhalten“. Michael Weiler, Agraringenieur, Imker und Autor des bekannten Standardwerks „Der Mensch und die Bienen“, nennt hier als Stichworte „bewusstes und achtsames Verhalten“. Weiler hält im Rahmen des Bühler Bauernmarktes am Samstag, 17. September, um 10.30 Uhr im Friedrichsbau (Friedrichstraße 2) einen Lichtbildervortrag mit anschließender Diskussion zum Thema „Die Biene und ihre Bedeutung für Landschaft und Landwirtschaftskultur“.

Spannender Lebensweg

Michael Weiler weiß, wovon er spricht. Sein bisheriger Lebensweg, der ihn vor drei Jahren nach Bühl führte, ist eindrucksvoller und auch spannender Beleg dafür, welche Wirkung die Beschäftigung mit Bienen haben kann: Der 1956 geborene Familienvater von fünf Kindern ist in Wiesbaden aufgewachsen, wollte aber bereits mit 22 Jahren mit der jungen Familie „aus der Stadt in die Natur“, zum Teil auch mit Blick auf die Selbstversorgeridee – dem damaligen Zeitgeist entsprechend. Ein einjähriges landwirtschaftliches Praktikum wurde gemacht, um Ideale mit der Realität vergleichen zu können. „Dann wusste ich, das passt zu mir“, so Weiler, der ein Landwirtschaftsstudium in Witzenhausen begann. Das erste Kind kam bereits 1977 – das vierte war 1986 gerade unterwegs, als Weiler seinen Abschluss als Diplomagraringenieur machte.
Mitten im Studium (1982) begann er mit der Imkerei. Bücher über Bienen faszinierten ihn, und die Obstplantage an seinem Wohnort mit rund 100 Bäumen, die er betreute, ließ die Imkerei als logische und hoch willkommene Folge erscheinen. „Mir war im Studium schon klar, dass mein Leben in Richtung Ökolandbau geht“, und das war natürlich auch bei der Imkerei der Fall.

Das Wese des Bien

Das Ganzheitliche ist sein Thema; ihm geht es darum, dass Menschen und insbesondere Imker den „Bien“, wie sie den Wesenshintergrund der Bienen manchmal nennen, verstehen, sich intensiv hineinfühlen können. „Es reicht nicht, einfach technische Abläufe zu wissen.“ Ein klassisches Beispiel: Viele Imker haben „rein technisch“ gelernt, wie man den Schwarmprozess der Bienenvölker unterdrücken kann. „Verstehe ich aber diesen Prozess in seiner Gesamtheit, fachlich und intuitiv, dann kann ich dessen unglaubliche Energie, die auf Erneuerung, Verjüngung und Ausbreitung der Bienenvölker ausgerichtet ist, auf eine ganz andere Art lenken, die wesentlich eleganter ist als das Prinzip technische Intelligenz gegen Lebensenergie zu setzen“, so Weiler.
Nach Studium und Tätigkeit in der landwirtschaftlichen Beratung in Hessen besucht er das Waldorf-Lehrerseminar in Kassel, unterrichtet bis 1996 an der Jean-Paul-Schule (für Lern- und Erziehungshilfe). Im Demeter-Verband in Darmstadt erstellt er von 1997 bis 2002 Literaturdatenbank und Archiv „Grundlagen und Praxis der Biologisch-Dynamischen Wirtschaftsweise“ und arbeitet in der Redaktion der Zeitschrift Lebendige Erde. Von 2003 bis 2012 führt er zusammen mit seiner Frau ein Naturkostfachgeschäft in der Dorfgemeinschaft Tennental.

Richtlinien für ökologische Bienenhaltung

Bereits seit 1992 arbeitet Weiler an der Entwicklung von Richtlinien für ökologische Bienenhaltung mit. Um sein Wissen auch anderen zugute kommen zu lassen, bietet er international Fachberatungen, Einführungskurse und Seminare über das Bienenleben, die Demeter-Bienenhaltung und die Ökologische Imkerei an – all das im Wissen, welch’ persönliche Veränderungen jeder Mensch erleben kann, der sich mit dem Thema „Bien“ beschäftigt. „Bienen schulen ihren Imker, beispielsweise auch in Temperament, Konstitution und Gesundheit“. „Man lernt, seine Reflexe zu kontrollieren. Und man erlebt die Vorteile eines ruhigen und achtsamen Verhaltens“.