Rein in neue Räume geht ein Kooperationsprojekt mit Robert Zumkeller, Johannes Mall, Theresa Martini, Jochen Gläser, Henning Kallweit (hintere Reihe von links) sowie Edoardo Novelli, Sara Escriban Maenza und Alba Valenciano Lopez (vorne von links).
Rein in neue Räume geht ein Kooperationsprojekt mit Robert Zumkeller, Johannes Mall, Theresa Martini, Jochen Gläser, Henning Kallweit (hintere Reihe von links) sowie Edoardo Novelli, Sara Escriban Maenza und Alba Valenciano Lopez (vorne von links). | Foto: Ehmann

Theater erobert neue Räume

„Blind Date“ in Pforzheim

„Urbane Raumeroberung“, nennt Chefdramaturg Peter Oppermann mit zwei Schlagwörtern ein Projekt, mit dem Mitglieder des Pforzheimer Theaters ungewöhnliche Orte bespielen wollen. Dabei tun sich die Theaterleute zusammen mit den Vereinen „LAF – Leerstand als Freiraum“ und dem „Café Roland“. Premiere der neuen Veranstaltungsreihe „Blind Date“ ist am kommenden Samstag, 21 Uhr, in den Räumen von „LAF“ in der Östlichen 7.

Mitten rein in die Goldstadt

„Wir wollen damit durch die Stadt ziehen“, verdeutlicht Oppermann, dass dem Auftakt drei bis vier Aufführungen im Jahr an immer wieder neuen Orten folgen sollen. Das kann eine Tiefgarage aber auch ein leer stehender Laden sein. Im Frühjahr will Theresa Martini ihr Wohnzimmer zur Bühne machen. Die Theaterschauspielerin lebt in der Südoststadt und plant dort einen ungewöhnlichen Liederabend mit dem Karlsruher Künstler Frank Frede.

„Das Theater geht raus und mitten rein in die Goldstadt“, erklärt Oppermann im Pressegespräch. Das Publikum erwartet keine komplette Aufführung. Vielmehr bekommt es Häppchen serviert: Ungeschliffene, spontane Miniaturen, die den Darstellern freie Gestaltungsmöglichkeit geben. Hinzu kommen Fragmente aus Theaterproduktionen.

Mut zum Risiko

Als „Work in Progress“ stellt sich Chefdramaturg Oppermann die Inhalte vor. „Mit Mut zum Risiko“. Von der Kooperation aus Theater, freier Künstler-Szene und Café Roland wünscht er sich, dass der eine oder andere Theaterabonnent eine Location außerhalb des Dreispartenhauses für sich entdeckt und dass umgekehrt auch solche Zuschauer ins Theater kommen, die mit dem traditionellen Kulturbetrieb sonst eher nichts am Hut haben.

Kreative Kooperation

Zum ersten, kostenlosen „Blind Date“ am Samstag werden die Schauspieler Henning Kallweit, Sergej Gößner und Theresa Martini sowie Tänzerinnen des Ballettensemble einladen. Der stellvertretende Ballett-Chef Edoardo Novelli hat eine auf die Räume zugeschnittene Choreografie geschaffen. Er wirft einen Blick auf die Queer-Szene in Berlin: „Ich will sie aus dem dunklen Raum herausholen.“ Die Themen Liebe, Sex, Drogen hat er mit seinen Tänzerinnen herausgearbeitet. Es sei ihm wichtig, den Zusammenhang von Sexualität und dem Wert des Körpers zu zeigen. „Wer keinen Sex hat, hat keinen Wert. Um diese Lücke zu füllen, nehmen viele Drogen“, so Novellis Interpretation.

Mal sehen, was sich ergibt

Schauspieler Kallweit wird Ausschnitte aus „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“ vortragen, das er vor Jahren am Werktheater Wiesbaden aufgeführt hat. „Es ist spannend, aus dem Theater raus in die Stadt zu gehen, bei dem Projekt nicht gebunden zu sein“, beschreibt er seine Motivation mitzumachen.
Seine Schauspielkollegin Theresa Martini freut sich, eigene Projekte mit anderen Künstlern in der Stadt realisieren und experimentieren zu können. „Für uns ist das eine Chance“, erklärt Grafik-Design-Student Johannes Mall von LAF. „Wir hatten vorher noch nichts mit dem Theater zu tun, mal gucken, was sich ergibt.“ Im Anschluss an Ballett- und Schauspiel-Häppchen wird ein DJ auflegen und den Raum in eine Tanzfläche verwandeln.