Sorgen um die Arbeitsplätze in der Automobilbranche macht sich Winfried Kretschmann.
Sorgen um die Arbeitsplätze in der Automobilbranche macht sich Winfried Kretschmann. | Foto: Fabry

"AfD-Wähler zurückholen"

BNN-Interview mit Kretschmann

 

Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist optimistisch, dass sich die Wähler der AfD wieder zurückholen lassen. Dies werde aber „vielleicht nicht so schnell gehen, wie wir uns das wünschen“, sagte der Regierungschef des Landes in einem ausführlichen Interview mit den Badischen Neuesten Nachrichten (Samstagausgabe). Zum Umgang mit den Rechtspopulisten rät der Grüne der Politik, nicht reflexartig mit Empörung auf Positionen zu reagieren, die der eigenen Überzeugung widersprechen. Es gehe jetzt auch darum, Milieugrenzen zu überschreiten. Dafür sei die grün-schwarze Koalition eine gute Schule. „Klare Kante müssen wir aber zeigen, sobald es um unsere Verfassungsordnung geht.“

Grün-Schwarz unter Stress

Der Bundestagswahlkampf im kommenden Jahr wird Grün-Schwarz im Land nach Überzeugung des Regierungschefs unter Stress setzen. Um den polarisierenden Meinungsstreit im Bund durchzustehen, müssten sich Grüne und CDU im Land jetzt ein dickes Vertrauenspolster erarbeiten, erklärte der Ministerpräsident. Die Zusammenarbeit mit der CDU hält der Premier für „manchmal entspannter“ als die mit der SPD in der vorangegangenen Legislaturperiode. „Bei den Sozialdemokraten fischt man im selben Teich  – oder man glaubt es zumindest“, so Kretschmann. Diesen Eindruck habe man bei der CDU nicht.

Sorgen um Automobil-Arbeitsplätze

Sorgen macht sich der Ministerpräsident um die 260 000 Arbeitsplätze, die im Südwesten vom Automobilbau abhängen. Es gehe darum, den Wandel hin zur Elektromobilität und zur Digitalisierung zu vollziehen und die Wertschöpfung im Land zu behalten. Fossile Brennstoffe wie Benzin und Diesel müssten rasch abgelöst werden, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Kretschmann verteidigte den Besuch von Daimler-Chef Dieter Zetsche beim Bundesparteitag seiner Partei.

Kritik an Bildungsreformen

Mit Blick auf die Bildungspolitik räumte der Premier ein, dass auch die Reformaktivitäten unter Grün-Rot zum schlechten Abschneiden baden-württembergischer Schüler bei der jüngsten IQB-Vergleichsstudie beigetragen haben könnten. Ohne ideologische Scheuklappen müsse nun über mögliche Konsequenzen nachgedacht werden. „Wir wollen bereits zum nächsten Schuljahr wissen, wo wir ansetzen können.“

„Nachfolgerdebatte ist abwegig“

Für abwegig hält der 68-Jährige eine Debatte um einen möglichen Nachfolger im Amt. Kretschmann kündigte an, die komplette Legislaturperiode lang Ministerpräsident zu sein, sofern er gesund bleibe. Im Übrigen habe er „hervorragende Minister und einen bemerkenswerten jungen Fraktionsvorsitzenden“. Behauptungen, wonach er im Amt des Ministerpräsidenten autoritärer und machtbewusster geworden sei, trat der Regierungschef entgegen. Seine Mitarbeiter bescheinigten ihm, gar lockerer geworden zu sein, so Kretschmann im Gespräch mit den BNN.

Das ausführliche Interview mit Ministerpräsident Kretschmann erscheint in der Samstagsausgabe der Badischen Neuesten Nachrichten.