Gefängnisdirektor Thomas Weber
FREIWILLIG INS GEFÄNGNIS: Der Karlsruher Thomas Weber (44) ist neuer Leiter der Justizvollzugsanstalt Bruchsal - dem Schwerverbrecher-Gefängnis des Landes Baden-Württemberg. | Foto: str

Neuer JVA-Chef in Bruchsal

Der Mann, der ins Gefängnis wollte

Ins „Café Achteck“ gehen die wenigsten freiwillig. Als Thomas Weber von der Justizvollzugsanstalt Mannheim ins berühmt-berüchtigte Bruchsaler Gefängnis wechselte, war das etwas anderes. „Ich habe mich über die Berufung gefreut“, sagt der neue Leiter jener Anstalt, welche die gefährlichsten Verbrecher des Landes beherbergt und die zuletzt wegen des Hungertods eines Häftlings in den Schlagzeilen war.

Bruchsaler Gefängnis reizvoller als eine normale Behörde

Trotz seiner verhältnismäßig geringen Jahre handelt es sich bei dem 44-jährigen Volljuristen um einen erfahrenen Gefängnisdirektor. Schon während des Studiums hatte er erste praktische Erfahrungen im Gefängnis gesammelt. „Das hat mich mehr gereizt als ein Verwaltungspraktikum in einer normalen Behörde.“ Nach Stationen in verschiedenen Anstalten und einem Jahr als Staatsanwalt wurde Thomas Weber mit 34 Jahren jüngster JVA-Chef des Landes – in seiner Heimatstadt Karlsruhe. Nach einigen Jahren in derselben Position in der JVA Mannheim – der größten des Landes – nun also Bruchsal, wo laut Vollstreckungsplan unter anderem die „Freiheitsstrafen mit vorbehaltener oder anschließender Sicherungsverwahrung für alle Landgerichtsbezirke in Baden-Württemberg“ verbüßt werden. Weber sagt: „Ich freue mich über die neue Herausforderung.“ Und er freut sich darüber, dass sein Arbeitsplatz nun näher bei Karlsruhe ist, wo er nach wie vor wohnt und in seiner Freizeit im Verein Fußball spielt.

Der Innenhof mit dem Sportplatz am 18.04.2016 in der Justizvollzugsanstalt in Bruchsal (Baden-Württemberg). Foto: Ronald Wittekt/dpa (zu dpa: «Hinter verschlossenen Türen: Der harte Job von JVA-Beamten» vom 05.05.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
GUT GESICHERT: Der Innenhof mit Sportplatz in der Justizvollzugsanstalt Bruchsal.

Im Bruchsal Gefängnis will er nun erst einmal eine Bestandsaufnahme machen. Gespräche führen mit den rund 300 Mitarbeitern, aber auch mit der Gefangenenvertretung. „Ich will ein offenes Ohr für alle haben“, sagt er. Dass die Türen dennoch gut verschlossen bleiben, verstehe sich. „Die Sicherheit in der Justizvollzugsanstalt hat neben der Behandlung der Gefangenen absolute Priorität“, stellt Weber klar. Wichtig ist in einem modernen Strafvollzug auch die Arbeit mit den Gefangenen hinsichtlich der Wiedereingliederung in die Gesellschaft: „Das Ziel ist, dass sie keine Straftaten mehr begehen, wenn sie entlassen werden.“

Hohe Verantwortung hinter dicken Mauern

Dass zwischen Sicherheit und Resozialisierung ein Spannungsfeld besteht, weiß Thomas Weber nur all zu gut. Er trägt schließlich die Verantwortung. Eine Verantwortung, die zwar meist hinter dicken Mauern wahrgenommen wird, aber manchmal auch hochnotpeinlich im grellen Licht von Politik und Öffentlichkeit gewogen wird. Der langjährige Bruchsaler JVA-Chef Thomas Müller hatte dies im Zusammenhang mit der „Hungertod-Affäre“ um einen offenbar psychisch kranken Häftling erfahren. Mittlerweile ist Müller – vollständig rehabilitiert – Leiter der JVA in Karlsruhe. Eines der ersten Projekte seines Nachfolgers in Bruchsal beschäftigt sich mit dem Umgang mit der wachsenden Zahl an psychisch auffälligen Häftlingen.

ZELLENTRAKT in der Bruchsaler Justizvollzugsanstalt. Fotos: dpa (Archiv)

JVA Bruchsal
Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Bruchsal wurde in den 1840er-Jahren als „Männerzuchthaus“ im „pennsylvanischen Stil“ mit seinem vierflügligem Zentralbau errichtet. Zu den ersten Insassen zählten badische Revolutionäre des Jahres 1848. Die nach Mannheim größte JVA im Land verfügt über 600 Haftplätze. Bekannte Häftlinge in neuerer Zeit waren der RAF-Terrorist Christian Klar und der Massenmörder Heinrich Pommerenke. In bundesweiten Schlagzeilen war die JVA zuletzt infolge des Hungertods eines Häftlings im August 2014, der die Nahrungsaufnahme verweigert hatte. An die JVA Bruchsal organisatorisch angegliedert ist die Außenstelle Schloss Kislau in Bad Schönborn (offener Vollzug). Der neue Anstaltsleiter Thomas Weber übernahm seine Aufgabe zum 1. September vom kommissarischen Leiter Harald Egerer, der zeitgleich in die Justizverwaltung des Landes wechselte. Internet: www.jva-bruchsal.de