Kuno-Kunstwerk
KONTROVERSE KUNST: Zu wenigen zahlungskräftigen Kunstfreunden gefällt dieser Entwurf eines seit langem am Bruchsaler Otto-Oppenheimer-Platz geplanten Denkmals namens „Bruslerdorschtworscht? Das Comback der Oppis“. Laut Ratsbeschluss soll das Werk mit Spenden finanziert werden. Doch die bleiben rar. | Foto: Martin Heintzen (Archiv)

Scheitert Kunstprojekt?

Bruchsal: Kein Geld für Graf-Kuno-Denkmal

„Das war der Graf vom Kraichgauland,
Graf Kuno war’s, der Held.
Der hatte einen Höllenbrand,

doch leider wenig Geld.“
Otto Oppenheimer  (aus dem „Brusler Dorscht“)

Oft trifft man wen, der Bilder malt,
viel seltener wen, der sie bezahlt.
Wilhelm Busch

In Bruchsal ist er weltberühmt: der legendäre Graf Kuno. Der jüdische Unternehmer und Dichter Otto Oppenheimer hatte ihm einst mit dem Lied „Brusler Dorscht“ ein Denkmal gesetzt. Ein echtes „Graf-Kuno-Denkmal“ ist schon vor zwei Jahren vom Gemeinderat beschlossen worden. Ein renommierter Künstler erstellte den Entwurf. Doch jetzt droht die ambitionierte Kuno-Kunst zu scheitern. Wie zu des Grafen Lebzeiten gibt es Geldprobleme.

Manchmal sind jene Ratsthemen besonders interessant, die nicht auf der Tagesordnung stehen – oder kurzfristig von ebendieser genommen werden. So wie in der jüngsten Bruchsaler Gemeinderatssitzung. Kurzfristig abgesetzt wurde dort der Punkt: „Schaffung eines Kunstwerkes Graf Kuno und einer Kneipp-Brunnenanlage auf dem Otto-Oppenheimer-Platz – Entscheidung über die Verwirklichung“. Im Rathaus hieß es dazu auf BNN-Nachfrage lediglich, dass bei dem abgesetzten Tagesordnungspunkt noch ein paar „offene Fragen“ aufgetaucht seien.

Wer soll das bezahlen?

Die wichtigste Frage könnte dabei gelautet haben: Wer soll das bezahlen? Denn mehr als zwei Jahre nachdem sich der Bruchsaler Rat mit großer Mehrheit für den Entwurf des preisgekrönten Bildhauers Wolfgang Thiel ausgesprochen hatte, ist das Geld für die Kuno-Kunst immer noch nicht beisammen.
Das Werk, das der Künstler als Narrenschiff konzipierte, droht nun endgültig Schiffbruch zu erleiden. Zur Erinnerung: Steuergelder dürfen gemäß dem Ratsbeschluss vom Mai 2014 nicht für den Bau verwendet werden. Die Stadträtinnen und Stadträte hatte damals zwar den von einer Experten-Jury präsentierten Entwurf teils überschwänglich gelobt.

Graf-Kuno-Denkmal als „Eierlegende Wollmilchsau“

Doch die Finanzierung des 120 000 Euro teuren Werks aus Beton, Stahl und Majolika-Fließen sollte laut Beschluss größtenteils durch private Sponsoren finanziert werden.
Allein es fand sich keiner der üblichen Mäzene, sei es aus der Industrie oder der Finanzwirtschaft. Und auch private Spender blieben rar – trotz des Angebots, die Finanziers würden vor Ort namentlich verewigt. Dabei hatte der in Stuttgart und Plochingen ansässige Künstler sich nicht nur ein künstlerisch komplexes Werk ausgedacht, sondern dieses auch mit finanzierungsfreundlichen Eigenschaften ausgestattet.

Kuno
PRÄSENTATION IM RAT: Im Mai 2014 erhielt Künstler Wolfgang Thiel aus Plochingen von den Bruchsaler Ratsmitgliedern viel Zustimmung. | Foto: htz (Archiv)

Thiels Entwurf präsentiert sich gewissermaßen als eierlegende Wollmilchsau unter den Skulpturen: Als Denkmal für den Bruchsaler Unternehmer und Naziverfolgten Otto Oppenheimer, der auch Dichter der Fastnachtshymne „Brusler Dorschd“ mit dem Protagonisten Graf Kuno war. Deshalb entwarf der Künstler ein närrisches Fahnengestänge, das das Werk optional in der Fünften Jahreszeit schmücken sollte. Überdies sollte eine Kneipp-Wassertretanlage integriert werden, was der Bruchsaler Kneippverein, der solches schon lange fordert, mit einer Kostenbeteiligung von 30 000 Euro belohnt hätte. Und doch: Trotz der vielfältigen Ansatzpunkte ist die Finanzierung immer noch offen.

OB noch auf der Suche nach Großsponsoren?

Liegt es möglicherweise daran, dass sich viele Bruchsaler nicht so ganz mit dem Entwurf anfreunden können? Zu diesem Schluss kommt inzwischen Michael Tinz, der GroKaGe-Ehrenpräsident, der viele Monate mit großem Engagement für das Denkmal und dessen Finanzierung geworben hatte. Tinz sagt ganz offen: „Viele Bürger haben mir gesagt, dafür gebe ich nichts, das gefällt mir nicht.“ Er selbst setzt nun auf einen vergleichsweise konservativen Entwurf des Künstlers „Dato“, von dem auch des Melkkiwwlreider-Denkmal in Heidelsheim stammt. Im Bruchsaler Rathaus hält man offenbar am ursprünglichen Thiel-Entwurf fest. „Oberbürgermeisterin Petzold-Schick will wohl noch mögliche Großsponsoren ansprechen“, sagt Tinz. Auch im Gemeinderat sieht man noch Hoffnung für den Entwurf mit dem eigenwilligen Namen „Bruslerdorschtworscht“. SPD-Fraktionschef Jürgen Schmitt erklärte: „Der beschlossene Entwurf ist und bleibt gelungen. Ich setze darauf, dass die Bruchsaler doch noch ausreichend spenden werden, wenn die Finanzierungsprobleme öffentlich werden.“ Wie groß die Finanzierungslücke noch ist, dazu gibt es aktuell keine Angaben. Der Tagesordnungspunkt wurde ja vertagt.

Und Graf Kuno? Ihm wäre der Wirbel um sein Kunstwerk wahrscheinlich „worscht“ gewesen. Zumal er für Finanzierungsprobleme wohl viel Verständis haben müsste.

Otto-Oppenheimer-Platz
DA SOLL ES HIN: Am Saalbachufer des Otto-Oppenheimer-Platzes in Bruchsal ist das Graf-Kuno-Denkmal geplant. | Foto: str

Nachfolgend der Text zum Lied vom „Brusler Dorscht“ von Otto Oppenheimer. Viele Hintergründe und weiterführende Informationen zum Thema finden sich auf der Website der Großen Karnevals-Gesellschaft (GroKaGe) Bruchsal. Informationen zum Bruchsaler Graf-Kuno-Museum gibt es hier.

Das war der Graf vom Kraichgauland (Brusler Dorscht)

von Otto Oppenheimer

  1. Das war der Graf vom Kraichgauland, Graf Kuno war’s, der Held.
    Der hatte einen Höllenbrand, doch leider wenig Geld.
    Im Rappen war sein Stammlokal, da saß er Tag und Nacht
    und hat so manches Zechgelag auf frohen Pump gemacht.
    Denn der Dorscht, denn der Dorscht, denn der alte Brusler Dorscht
    war die Leidenschaft des Grafen, alles andre war ihm worscht.
    .
  2. Vom Eichelberg bis an den Rhein war all sein Eigentum,
    der schöne Lußhardtwald war sein und vieles drumherum.
    Doch freute ihn kein grüner Wald, kein Jagen auf der Au,
    das schönste Mädchen ließ ihn kalt, er liebte keine Frau.
    Bloß de Dorscht, bloß de Dorscht …war die Leidenschaft …

    .
  3. Der deutsche Kaiser Heinerich war mütterlicherseits
    des Grafen Kuno Petterich und Gläubiger bereits.
    Der hatt‘ ne Hypotheke auf das alte Brusler Schloß,
    sodaß des Vetters Lebenslauf den Kaiser arg verdroß.
    Ach de Dorscht, ach de Dorscht … war die Leidenschaft …
    .
  4. Doch eines schönen Tages war vorbei die große Not:
    ‚s war grade Anfang Februar, da war Graf Kuno tot.
    Doch an die Landeskinder hat gedacht er bis ans End;
    denn als die Teilung ward gemacht, da stand im Testament:
    Meinen Dorscht, meinen Dorscht, meinen alten Brusler Dorscht
    – erben meine Landeskinder, alles andre ist mir worscht
    .
  5. So kams denn auch: das Schloß und Land
    nahm Kaiser Heinrich an
    und schenkte es, was allbekannt
    Dem Speyerer Bischof dann.
    Jedoch das Testamenticum
    steht heute noch in Kraft
    Man sieht’s am Brusler Bierkonsum
    Man sieht’s am Rebensaft
    .
    Ja den Dorscht, ja den Dorscht,
    Ja den alten Brusler Dorscht
    Kennt auch der, der dies Liedel
    Einst in Büchern hat erforscht.