Aerial view of the luxury hotels and new skyscrapers at the Dubai Marina in Dubai, United Arab Emirates
Die Glitzerwelt von Dubai und anderen arabischen Ländern sehnt sich nach Abwechslung. | Foto: dpa

Sehnsucht nach dem Exklusiven

Bruchsaler verkauft Luxus in arabische Länder

Auch in Zeiten von Brexit, Niedrigzins und Ölpreiskrise boomt der Handel mit Luxusgütern: Die altbekannte Rolex, aber auch manche Klassiker unter den Luxushandtaschen gelten heute als Wertanlage. Nicht nur teuer, sondern exklusiv mögen es die Kunden des Bruchsaler Unternehmers Mischa Reineck, der seine eigene Leidenschaft für das Besondere mit seiner Firma „Watchday“ vor allem in arabische Länder exportiert.

„Die Leute in Dubai oder Abu Dhabi sind gelangweilt von den Shoppingmalls, die überall auf der Welt gleich aussehen“, sagt der 44-Jährige, der drei- bis viermal im Jahr in die Arabischen Emirate reist. Was die ehemaligen Beduinenvölker dagegen fasziniere, seien Schmuckstücke und Uhren in historischen Designs, die es bestenfalls nur einmal zu kaufen gibt.

Mischa Reineck aus Bruchsal designt und verkauft Luxusartikel
Seinen Sinn für das Exklusive exportiert der Bruchsaler Unternehmer Mischa Reineck in die arabische Welt. | Foto: Stenftenagel

2008 begann Reineck, Handys und andere Elektronikgeräte zu vergolden. Heute setzt er nicht mehr nur auf veredelte Smartphonehüllen oder mit Brillanten besetzte Apfel-Symbole für Laptops. „Auf dem Elektronikmarkt sind die Produkte sehr schnell veraltet“, sagt Reineck. Beim Treffen mit der Bruchsaler Rundschau trägt er aber eine Apple Watch – Neuheiten interessieren ihn.

Was zählt, sind Qualität und das gewisse Etwas

Reineck verkauft absolute Exklusivität: Das Design einer Uhr wird mitverkauft, jedes Modell also nur einmal für einen einzigen Kunden gefertigt. „Araber sind da ein bisschen wie Kinder: Wenn sie etwas haben, das wirklich einzigartig ist, zeigen sie es gerne herum und sagen: ,Das bekommst du nicht noch einmal‘“, sagt Reineck. Die Produktion hat er an Manufakturen in der Region ausgelagert, die seine Designs umsetzen.
Normalerweise lagern seine Schätze sicher in Schließfächern, doch zum Termin drapiert der Unternehmer, der auch als Immobilienmakler tätig ist, auf seinem Schreibtisch Schmuckstücke mit jeweils fünfstelligem Wert: Mit Brillanten besetzte Manschettenknöpfe, glitzernde Ohrringe und ein Pillendöschen aus 18 Karat Gold, besetzt mit zwei Edelsteinen – Preis jeweils rund 10 000 Euro. Die jüngste Ölpreiskrise hätten einige seiner Kunden zu spüren bekommen, seither hielten sich manche mit Bestellungen etwas zurück. „Das betrifft aber nicht die arabischen Königshäuser“, sagt Reineck – auch sie zählen zu seinen zahlungskräftigen Abnehmern, mehr verrät er nicht. Die Kunden aus dem Orient seien heutzutage sehr preissensibel. „Es wirft niemand mehr sein Geld einfach raus.“ Was zählt, sind Qualität und das gewisse Etwas.

Einzigartige Materialien

Zum Beispiel ein aus einem seltenen Bergkristall geschnittenes Parfümflakon, oder – einzigartiger geht es wohl kaum – ein etwa lebensgroßer Pferdekopf, den der Bruchsaler aus einem dunkel melierten Türkis fertigen ließ. „Der Stein wurde in Afghanistan gefunden, er ist in dieser Größe der einzige auf der Welt.“ Und hat seinen Preis: 120 000 Euro kostet das von Reineck veredelte Endprodukt.
So faszinierend die Glitzerwelt der Emirate sei, sagt Reineck, zum Leben sei das nichts für ihn. „Ich bin in Bruchsal verwurzelt, habe Familie und Freunde hier“, sagt er. Zudem fordere das Leben in der Wüste zu viele Opfer. „Man sieht nur Sand und Hochhäuser, kein Vergleich zu unserer sehr grünen Region. Während des Ramadan darf in der Öffentlichkeit weder gegessen noch getrunken werden. Bei 45 Grad Celsius eine Herausforderung.“ Auch die Freizeitmöglichkeiten seien sehr begrenzt – zum Beispiel auf Luxus-Shopping.