Das Schlosshotel Bühlerhöhe wurde vor sechs Jahren geschlossen. Das Bauwerk des Architekten Wilhelm Kreis gehört zu den wichtigsten Denkmälern in Mittelbaden.
Das Schlosshotel Bühlerhöhe wurde vor sechs Jahren geschlossen. Das Bauwerk des Architekten Wilhelm Kreis gehört zu den wichtigsten Denkmälern in Mittelbaden. | Foto: Ulrich Coenen

Schlosshotel Bühlerhöhe

„Konzept und Pläne gibt es zum Jahresende“

Das Schlosshotel Bühlerhöhe ist seit fast sechs Jahren geschlossen. Nach der Insolvenz der Anna Maria Vermögensverwaltung GmbH um den ukrainischen Oligarchen Igor Bakai gehört das denkmalgeschützte Gebäude seit Dezember 2013 einer kasachischen Investorengruppe, die gleichzeitig mehrere Villen in Baden-Baden besitzt. Seit dem traurigen Schicksal des Kurhauses Hundseck wird in der Öffentlichkeit vermehrt über die Zukunft der Bühlerhöhe spekuliert. Die Menschen in der Region fragen sich, ob die kasachischen Investoren das Interesse am Schlosshotel verloren haben oder ob ihnen in Zusammenhang mit den Wirtschaftssanktionen gegen Russland und dem Verfall des Ölpreises schlichtweg das Geld ausgegangen ist.
Diese Spekulationen weist ein Sprecher der Bühlerhöhe Castle Invest GmbH entschieden zurück. „Die Investoren haben das Schlosshotel mit ernsthaften Absichten erworben“, sagt er. Seit 2014 würden unter Einbeziehung zahlreicher Experten verschiedene Sanierungskonzepte geprüft. Sicher sei, dass der denkmalgeschützte Altbau von Wilhelm Kreis aus den Jahren 1912 bis 1914 erhalten bleibe. Die Zukunft der späteren Neubauten, die zu großen Teilen unter der Bauherrschaft von Max Grundig in den 1980er Jahren entstanden sind, ist hingegen unklar. Die Spannbreite der Überlegungen reicht von der relativ kostengünstigen Sanierung dieser Bauten bis hin zum kompletten und teuren Neubau von großen Bereichen wie zum Beispiel der Spa-Abteilung.

Nur selten schwarze Zahlen geschrieben

Das Schlosshotel hat in den eineinhalb Jahrzehnten vor seiner Schließung offensichtlich nur selten schwarze Zahlen geschrieben. Eine Pinselsanierung ohne Konzeptänderung kommt für die neuen Eigentümer deshalb nicht infrage. Sie wünschen sich für die Bühlerhöhe einen nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg.
Vor diesem Hintergrund hat es nach Auskunft des Unternehmenssprechers in der vergangenen beiden Jahren umfangreiche Analysen gegeben. Die Bühlerhöhe brauche ein Alleinstellungsmerkmal, um in Zukunft auf dem Markt erfolgreicher zu sein als in der Vergangenheit. Eng mit dem neuen Konzept verbunden ist dabei die bauliche Entwicklung, die die Voraussetzungen schaffen soll.
Entschieden ist aktuell allerdings noch nichts. Der Unternehmenssprecher rechnet allerdings damit, dass die neuen Eigentümer im letzten Quartal des Jahres 2016 ein Konzept und die damit verbundenen Sanierungspläne für die Bühlerhöhe beschließen werden. Dann sollen diese auch der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Öffentliche Spekulationen irritieren Eigentümer

Die Spekulationen über die Bühlerhöhe in den beiden vergangenen Jahren haben die Investoren, die nach Auskunft des Sprechers ungerne die Öffentlichkeit suchen, irritiert. „Wir haben nichts zu verbergen“, erklärte der Mitarbeiter der Bühlerhöhe Castle Invest GmbH. „Wir gewähren der Landesdenkmalpflege regelmäßig Zutritt, damit sie sich vom guten Zustand des Gebäudes überzeugen kann. Außerdem halten wir Kontakt zur Stadt Bühl. In diesem Jahr gab es bereits ein Gespräch mit Oberbürgermeister Hubert Schnurr.“
Das bestätigte der Rathauschef gegenüber dieser Zeitung. „In der Besprechung im Mai hat man mir versichert, dass eine Wiedereröffnung als Fünf-Sterne-Hotel weiterhin geplant ist“, berichtete Schnurr. „Uns wurde aber kein Datum genannt. Bisher haben wir auch noch keine Pläne gesehen.“
Nach Auskunft von Schnurr haben sich zu Beginn des Jahres zwei Interessenten bei der Stadtverwaltung gemeldet, die das Schlosshotel gerne kaufen würden. Diesen hat der OB die Kontaktdaten der kasachischen Eigentümer vermittelt. Die haben allerdings aktuell überhaupt keine Verkaufsabsichten, sondern möchten das Schlosshotel selbst weiterentwickeln.
„Wir sind offen und verschanzen uns nicht“, betonte der Unternehmenssprecher. „Leuten mit einem berechtigten Interessen gewähren wir gerne Zugang zur Bühlerhöhe.“ Er verwies unter anderem auf die Kölner Schriftstellerin Brigitte Glaser, die vor wenigen Tagen ihren neuen Roman „Bühlerhöhe“ publiziert hat und das Schlosshotel in diesem Zusammenhang besichtigen durfte.

Denkmal von besonderer Bedeutung

Das Schlosshotel ist kein normales Kulturdenkmal, sondern ein Denkmal von besonderer Bedeutung, wie es in Paragraf 12 des baden-württembergischen Denkmalschutzgesetzes beschrieben wird. Zu dieser Kategorie gehören nur Bauwerke mit nationaler oder zumindest überregionaler Bedeutung.
Das ist die Bühlerhöhe ohne Frage. Sie wurde 1912 bis 1914 nicht als Hotel, sondern als Offiziers-Genesungsheim errichtet. Bauherrin war Hertha Isenbart, die ihrem verstorbenen Mann, General Wilhelm Isenbart, ein Denkmal setzen wollte. Mit Professor Wilhelm Kreis aus Düsseldorf beauftragte sie einen der bedeutendsten deutschen Architekten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Schloss Bühlerhöhe hat zwei grundverschiedene Ansichten. Der heiteren Architektur der Talseite in der Formensprache eines barocken Schlosses steht die strenge Bergseite gegenüber, die sich am Festungs- und Burgenbau orientiert. Die tragische Geschichte der Bauherrin und die Urlaubsaufenthalte des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer in den 1950er Jahren machen das Haus zur Legende.