Auf dem ehemaligen Firmengelände in der Mörikestraße in Dietlingen will die Gemeinde Keltern 60 Asylbewerber unterbringen. Dagegen wehrt sich eine neue Bürgerinitiative.	Foto: Ehmann
Auf dem ehemaligen Firmengelände in der Mörikestraße in Dietlingen will die Gemeinde Keltern 60 Asylbewerber unterbringen. Dagegen wehrt sich eine neue Bürgerinitiative. Foto: Ehmann

Asylunterkunft in Dietlingen

„60 Leute – das kann nicht gut gehen“

Keltern-Dietlingen. 60 Asylbewerber will die Gemeinde Keltern auf einem ehemaligen Firmengelände in der Mörikestraße in Dietlingen unterbringen. Den Anwohnern gefällt das nicht – sie haben Einspruch gegen den Bauantrag eingelegt, eine Bürgerinitiative gegründet und an Kelterns Bürgermeister Steffen Bochinger und die Gemeinderäte einen offenen Brief geschrieben.
„60 Leute – das ist schon enorm. Das kann nicht gut gehen“, sagt Peter Windhausen, Anlieger und einer der Initiatoren der Bürgerinitiative. Die Mitglieder glauben, dass in der Mörikestraße ein „Brennpunkt“ entsteht. Außerdem befürchten sie „Überfremdung“ und Lärmbelästigung, wenn künftig 30 bis 40 Kinder vor der Asylunterkunft spielen. „Wir haben Verständnis für die Problematik und wissen um die Schwierigkeiten bei der Unterbringung der Menschen“, sagt Windhausen und betont, dass sich die Bürgerinitiative nicht in die rechte Ecke drängen lassen will.

Anwohner befürchten Lärmbelästigung

Wie berichtet, hat die Gemeinde am 20. Juli bei einer Veranstaltung über den Plan informiert. Ein privater Unternehmer hat einen Bauantrag gestellt und will das ehemalige Firmengebäude in Wohnungen umzubauen lassen. Hierfür soll das Gebäude um einen dritten Stock erhöht und mit Balkonen ausgestattet werden. Die Gemeinde will 60 Asylbewerber, die momentan in Containern in Ellmendingen und Niebelsbach leben, in Anschlussunterbringung in Wohnungen auf dem Areal umsiedeln und diese Wohnungen anmieten. Über das Baugesuch muss nun das Landratsamt entscheiden, sagt Kelterns Kämmerer Frank Kern, der sich über den Gegenwind etwas wundert, da bei der Infoveranstaltung am 20. Juli mit den Anwohnern sachlich über das Thema diskutiert worden war und er nicht den Eindruck gehabt habe, dass die Nachbarn grundsätzlich gegen das Projekt seien.

Offenen Brief an Bürgermeister geschrieben

Windhausen hat sich außerdem mit Bürgermeister Bochinger getroffen, um ihm von den Bedenken der Anwohner zu erzählen, aber der Bürgermeister habe die Bedenken der Initiative „heruntergespielt“ und gesagt, es werde keine Probleme geben, weil die Bewohner der Asylunterkünfte friedlich seien, so Windhausen.
In dem Brief an die Gemeindeverwaltung fragt die Initiative unter anderem, welche Integrationsformen und Betreuung für die Asylsuchenden geplant seien und warum sich die Unterbringung auf Dietlingen konzentriere. Derzeit leben 140 Asylbewerber, hauptsächlich aus Syrien, in Keltern. Nach dem Verteilerschlüssel des Enzkreises muss Keltern aber weitere 60 aufnehmen. Die Gemeinde war daher lange auf der Suche nach geeignetem Wohnraum.

„Klagen will auch niemand“

Was, wenn das Landratsamt den Bauantrag billigt – plant die Bürgerinitiative für diesen Fall ein Bürgerbegehren? „Das weiß ich noch nicht. Im Moment diskutieren wir noch“, sagt Windhausen. Dann werde die Initiative eventuell die rechtlichen Möglichkeiten prüfen. Aber: „Klagen will auch niemand.“