Abschied nach 17 Jahren: Mösbachs Ortsvorsteherin Sonja Schuchter wechselt als Bürgermeisterin nach Sasbachwalden.
Abschied nach 17 Jahren: Mösbachs Ortsvorsteherin Sonja Schuchter wechselt als Bürgermeisterin nach Sasbachwalden. | Foto: Michael Moos

Sonja Schuchter tritt Amt an

Bürgermeisterin und Ortsvorsteherin zugleich

Von Michael Moos
Für Sonja Schuchter ist es ein großer Tag: Sie tritt offiziell ihren Dienst als Bürgermeisterin von Sasbachwalden an. Gleichzeitig feiert sie eine doppelte Premiere: Die 52-Jährige ist in der Region nicht nur die erste Frau im Chefsessel eines Rathauses, sondern auch die erste Bürgermeisterin einer Gemeinde, die gleichzeitig Ortsvorsteherin eines Stadtteils einer Nachbarkommune ist. Ein Ende dieser Doppelfunktion ist allerdings absehbar: Im September wird sie nach 17 Jahren ihr Amt als Ortsvorsteherin von Mösbach abgeben – und aus dem Mösbacher Ortschaftsrat ebenso wie aus dem Acherner Gemeinderat ausscheiden. In ihrem Heimatort kann sie auf eine erfolgreiche Amtszeit verweisen – das ist für die CDU-Kommunalpolitikerin Ansporn für ihre künftige Arbeit in Sasbachwalden.

Mit Losglück in die Kommunalpolitik

„Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig.“ Ihr Motto hat Sonja Schuchter als „Senkrechtstarterin“ in der Kommunalpolitik von Anfang an mit Leben erfüllt. 1999 kandidierte die dreifache Mutter auf Bitten des bis dahin amtierenden Mösbacher Ortsvorstehers Josef Wilhelm für den Ortschaftsrat und auch für den Acherner Gemeinderat – und wurde auf Anhieb gewählt. Auch bei der Wahl zur Ortsvorsteherin stand das Glück auf ihrer Seite: Nach einer Pattsituation im Ortschaftsrat entschied das Los für Sonja Schuchter und gegen Jürgen Staub.
Als gelernte Verwaltungswirtin in Diensten der Stadt Bühl brachte Sonja Schuchter das Rüstzeug für ihr Amt in Mösbach mit. Weil sie mit Rücksicht auf die Familie ihren Dienst in Bühl von Dezember 1995 bis 2013 ruhen ließ, hatte sie auch die nötige Zeit für „ihren“ Stadtteil Mösbach, in dem sie 1964 auf dem „Dreikirschenhof Doll“ zur Welt kam.

Überzeugungskraft und Charme

Sonja Schuchter repräsentiert in idealer Weise den neuen Typ der Ortsvorsteher; diese Funktion hat sich vielerorts von einer reinen Verwaltungsaufgabe zu einem hochpolitischen Amt gewandelt: Nicht nur in Mösbach geht es darum, sich im Reigen der anderen Stadtteile gegenüber der Stadtverwaltung zu positionieren, sondern auch den Ort selbst voranzubringen. Ziel ist nicht allein, beim Stadtkämmerer die nötigen Finanzmittel loszueisen, sondern auch, die Bürger zu beteiligen, zu ehrenamtlichem Engagement zu animieren, die Identität des Ortes zu stärken und ein „Wir-Gefühl“ zu schaffen. Aufgaben, die Sonja Schuchter mit Überzeugungskraft – und Charme – löste.

Mösbach mit „Kirschblütenzauber“ bekannt gemacht

Bestes Beispiel dafür ist der von der Ortsvorsteherin zusammen mit der Landwirtschaft kreierte „Kirschblütenzauber“, eine Veranstaltung, welche die traumhaft schöne Landschaft, aber auch die 16 landschaftlichen Vollerwerbsbetriebe und 100 Nebenerwerbslandwirte in den Blickpunkt richtet und Mösbach mittlerweile auch überregional bekanntgemacht hat. Weitere Stationen auf diesem Weg waren die 625-Jahr-Feier im Jahr 2011 und die Bronzemedaille im Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft – unser Dorf soll schöner werden“. Mit dieser Medaille wurde „das besondere Engagement bei der Entwicklung einer zukunftsfähigen dörflichen Heimat“ gewürdigt. Dieses Engagement ist Sonja Schuchter auch im Hinblick auf ihr ganz spezielle Verständnis von Verwaltung als Dienstleiter gewiss nicht abzusprechen: „Ich richte mich so weit wie möglich nach den Wünschen der Bürger“. So wird sie Ende August und Anfang September auf speziellen Wunsch der Brautleute noch zwei Trauungen vornehmen. „Dies ist nur möglich, wenn ich noch Ortsvorsteherin von Mösbach bin.“ Diese Termine seien bereits vor Monaten mit ihr abgestimmt worden – einer der Gründe dafür, bis nach der Sommerpause Ortsvorsteherin zu bleiben und solange auch Abendsprechstunden im Mösbacher Rathaus abzuhalten.

Sanierungsstau aufgelöst

Ob Sonja Schuchter auch ohne die Wahl zur Bürgermeisterin von Sasbachwalden noch bis zum Ende der gegenwärtigen Amtsperiode Ortsvorsteherin von Mösbach geblieben wäre, lässt sie offen. In Bühl war sie für die Nachfolge als Leiterin der Stabsstelle Personal/Organisation vorgesehen. „Neben dieser Führungsposition wäre die Ausübung des Amts der ehrenamtlichen Ortsvorsteherin zeitlich nicht mehr möglich gewesen“, sagt sie und meint selbstbewusst: „Ich habe Mösbach auf einen guten Weg gebracht. Die Pflichtaufgaben sind erfüllt, der Sanierungsstau ist aufgelöst. Nach 17 Jahren darf auch mal ein anderer Impuls kommen.“