Die  neue Gemeinschaftunterkunft in Neurod konnte besichtigt werden.
Die neue Gemeinschaftunterkunft in Neurod konnte besichtigt werden. | Foto: kdm

400 Flüchtlinge in Neurod

Bürgersorgen wegen Gemeinschaftsunterkunft

Von Klaus Müller

Aus etlichen Fragen waren Bürgersorgen  herauszuhören – Sorgen über mögliche „Fehlentwicklungen“ in der neuen Gemeinschaftsunterkunft (GU) für mindestens 400  Flüchtlinge in  Neurod. Bei einem Tag der offenen Tür konnten Bürger – und es kamen viele – nicht nur die Zwei- und Mehrbettzimmer, die Gemeinschaftsräume, die Gemeinschaftsküchen und die Verwaltungsräume besichtigen, es konnten auch Fragen an die Verantwortlichen vom Landkreis  Karlsruhe gestellt werden.
Etwa Mitte September ziehen laut Kreiskämmerer Ragnar Watteroth die ersten 100 Flüchtlinge in die GU ein. Viele werden aus anderen Unterkünften im Landkreis nach Neurod umquartiert. Fast gleichzeitig wird mit dem zweiten Bauabschnitt begonnen. Anvisiert ist eine Bauzeit von zirka sechs Monaten.

Landkreis mietet auf 20 Jahre

Die Unterkunft dürfte am Ende Platz für mindestens 400 Asylbewerber bieten. Bei dem Vorhaben handelt es sich um ein Investorenprojekt. Investor ist Roger Graffé, der über viel Besitz auf dem alten Fabrikgelände Neurod verfügt. Der Kreis hat als Betreiber der GU das Objekt für 20 Jahre angemietet. Keine Angaben zur Miete wollten Watteroth und Graffé machen. Nach Informationen der BNN zahlt der Landkreis pro Jahr etwa 800 000 Euro Miete. Das Investitionsvolumen für das Gesamtvorhaben, auch das wurde den BNN zugetragen, beläuft sich auf schätzungsweise zehn bis elf Millionen Euro.
Bei Bedarf – und der Bedarf wird angenommen – soll die Unterkunft ebenso für die Anschlussunterbringung (dafür ist die Gemeinde zuständig) genutzt werden.

Später mal  Sozialwohnungen an dem Standort ?

Später, auch das taten Bürgermeister Franz Masino und der Kreiskämmerer kund, sei durch entsprechend bauliche Veränderungen eine Umnutzung in Sozialwohnungen denkbar. Nicht zuletzt deswegen habe man sich bei den Planungen für diesen „normalen Geschosswohnungsbau“ entschieden. Zuversichtlich zeigte sich Peter Kappes, Leiter des Landratsamt-Dezernats Mensch und Gesellschaft, dass die GU genauso gut funktionieren werde wie die anderen Unterkünfte im Kreis. Überhaupt: Den Asylbewerbern, so die selbst gesteckten Vorgaben, müsse man schnell deutlich machen, was in Deutschland gehe und was eben nicht.

Ansammlung isolierter Menschen

Zweifel, ob in Neurod Integration funktionieren kann, äußerte so mancher Bürger: Von Integration könne an diesem Standort keine Rede sein – es handle sich eher um eine „Ansammlung isolierter Menschen“. Es gebe kaum Infrastruktur und bei so vielen Menschen auf so einem dichten Raum („es ist eh kein schöner Fleck hier auf dem Gelände“) würde sich früher oder später die Situation verschärfen, lauteten weitere Einwände. Und wer komme hierher: Familien, junge Männer, welche Nationalitäten? Wirklich konkrete Antworten  gab es von Watteroth nicht. Vielmehr wurde versucht, Zuversicht zu verbreiten. Gleichwohl räumte der Kreiskämmerer ein, dass es im Grunde „keinen idealen Standort“ für eine GU gebe. Eine wichtige integrative Aufgabe und Funktion, darüber herrschte Einigkeit, fällt dem bürgerschaftlichen (ehrenamtlichen) Engagement zu, auch verstanden als soziale Kontrolle vor Ort. Darauf hofft nicht nur Martin Rickersfeld, Leiter des Polizeiposten Albtal. Einer seiner Mitarbeiter wird sich als Sachbearbeiter um die GU kümmern.