250 Menschen protestierten auf dem Marktplatz für den Erhalt der Bühler Geburtshilfe
250 Menschen protestierten auf dem Marktplatz für den Erhalt der Bühler Geburtshilfe | Foto: Margull

Demonstration auf Marktplatz

Bunter Protest für die Bühler Geburtshilfe

Bunt, einfallsreich und laut: So haben auf dem Marktplatz rund 250 Menschen für den Erhalt der Bühler Geburtshilfe demonstriert. Jeder Aufruf, die Einrichtung zu erhalten, wurde mit frenetischem Jubel untermauert, jede Kritik an den Fehlern der Gesundheitspolitik mit vielstimmigen Buhrufen begleitet. Die Trillerpfeifen waren schon lange vor dem offiziellen Beginn der vom Aktionsbündnis „s’ Bühler Kind“ angemeldeten Demonstration nicht mehr zu überhören, und sie symbolisierten eine Botschaft an jene, die über die Zukunft der Geburtshilfe entscheiden: Wir sind da, um mit unserem Anliegen gehört zu werden.

„Mit so viel Leuten haben wir nicht gerechnet“

Mit dem „Island-Jubel“ wurde der Redenblock eingeleitet. Als Vertreterin des Aktionsbündnisses freute sich die Hebamme Corinna Müller über den großen Zuspruch auf die Demo-Ankündigung: „Mit so viel Leuten haben wir nicht gerechnet“. Die Bühler Ärztin Elien Rouw, Mitglied der Nationalen Stillkommission und im Vorstand der Academy of Breastfeeding Medicine, appellierte an die Behörden, die Bühler Geburtshilfe nicht zu schließen und forderte die Stadt Bühl, den Gemeinderat und Oberbürgermeister dazu auf, sich für dieses Ziel einzusetzen. Die Geburtshilfe Bühl sei einmalig in der Region, weil das einzige zertifizierte „Babyfreundliche Krankenhaus“ zwischen Pforzheim, Bruchsal und Freiburg. Heftig kritisierte Rouw die verfehlte Bundespolitik im Gesundheitswesen. Das Klinikum und der Landkreis sparten vielleicht kurzfristig von der Schließung, aber auf lange Sicht entstünden Folgekosten, „die wir bezahlen“.

Kritik an Gesundheitspolitik

Ein Spiel unter dem Titel „Wer wird Krankenhausmillionär“ zeigte einfallsreich, was Margret Burget-Behm später erläuterte: Wie sehr die Wirtschaftlichkeit das Handeln in der Medizin bestimmt. Zwei Manager kämpften auf einem „Spielfeld“ auf dem Marktplatz um die lukrativsten Kranken. Die Ärztin und CDU-Fraktionsvorsitzende im Bühler Gemeinderat forderte „Lebensqualität durch Nähe“. Dazu zähle auch der Erhalt der medizinischen Grundversorgung im Krankenhaus Bühl samt der Geburtshilfe. Die Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen weisen jedoch laut Burget-Behm einen ganz anderen Weg – und der heiße Zentralisierung. Dies werde noch verstärkt durch das neue Krankenhausstrukturgesetz.  Heftig kritisierte sie das „gewollte Sterben kleiner Krankenhäuser“. Die Krankenhäuser würden fit gemacht wie Industriebetriebe, es gebe aber auch nicht messbare Kriterien wie individuelle Betreuung, Empathie und Wohnortnähe, die nicht geopfert werden dürften. Burget-Behm: „Das Bühler Krankenhaus ist durch politische Vorgaben selbst zum Patienten geworden.“

Karl Ehinger, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Bühler Gemeinderat, nannte die Demonstration ein starkes Signal an die entscheidenden Stellen: „Ich hoffe, es bringt sie zum Umdenken.“ Der Mensch müsse im Mittelpunkt stehen, nicht die Bilanzen. Das müsse auch den Politikern im Bundestag deutlich gemacht werden, damit Krankenhäuser auch im ländlichen Raum eine Zukunft haben.
SPD-Stadträtin Barbara Becker erinnerte sich an die Geburt ihres Sohnes und wie gut sie sich bei den Hebammen aufgehoben gefühlt habe. Ein babyfreundliches Krankenhaus sollte Standard in der Bundesrepublik sein und nicht auf Streichlisten erscheinen.

Überstunden und Personalknappheit

Für den Hebammenkreisverband Rastatt/Baden-Baden ging dessen Vorsitzende Julie Janson auf den Fachkräftemangel und die Situation der Hebammen ein. Bundesweit könne jede fünfte Hebammenstelle nicht mehr besetzt werden. „Seit vielen Jahren mahnt der Hebammenverband an, dass die Rahmenbedingungen sich verschlechtern, dass Überstunden und Personalknappheit an der Tagesordnung sind und dabei die Menge an zusätzlicher Arbeit sich verdichtet“. Dazu komme „eine Bezahlung, die nicht angemessen ist für eine so verantwortungsvolle Aufgabe“. Mit der angekündigten Schließung des Bühler Kreißsaales gehe in der Region eine Alternative verloren für alle, „denen eine individuelle Betreuung in einem familiären Haus mit der besonderen babyfreundlichen Zertifizierung wichtig ist. Wir befürchten als Verband, dass die wohnortnahe Versorgung mit Geburtshilfe immer weiter zurückgedrängt wird und eine Pathologisierung der normalen Geburt durch eine fortschreitende Zentralisierung vorangetrieben wird.“