Blick über die Carl-Netter-Realschule zur Eisenbahnstraße mit dem Lörch-Gelände
Blick über die Carl-Netter-Realschule zur Eisenbahnstraße mit dem Lörch-Gelände | Foto: Ulrich Coenen

Architektenwettbewerb in Bühl

Ideen für neuen Campus Bildung und Kultur

Durch Mediathek und Realschule wurde das ehemalige Gewerbegebiet zwischen Friedrichstraße und Bahnlinie zu Beginn des neuen Jahrtausends zu einem Kulturviertel. Diese Entwicklung hatte bereits mit dem Bau des postmodernen Bürgerhauses Neuer Markt in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre begonnen. Jetzt will die Stadt dieses Quartier weiteentwickeln. Auf Vorschlag von Oberbürgermeister Hubert Schnurr hat der Gemeinderat einstimmig einen zweistufigen Architektenwettbewerb beschlossen. Konkret handelt es sich um einen städtebaulichen Ideenwettbewerb für das Quartier und einen Entwurf für die neue Mensa der Aloys-Schreiber-Schule.

Wettbewerbe haben in Bühl Tradition

Die Stadt verzichtet dabei nach Auskunft Schnurrs bewusst auf ein reines Verfahren nach der Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen (VOF), wie es für Projekte dieser Größenordnung vorgeschrieben ist. Dabei würden die Planer auf dem Verhandlungsweg ausschließlich auf der Basis ihrer bisher realisierten Projekte ausgewählt. Eine Vielzahl neuer Ideen erhielte die Kommune in diesem Fall nicht. „Ein Wettbewerb bringt mit Sicherheit mehr“, sagte Schnurr. „Das hat in dieser Stadt eine große Tradition.“
Barbara Thévenot, Abteilungsleiterin Stadtplanung, Hochbau und Klimaschutz im Rathaus, stellte das Projekt vor. Anlass für den zweistufigen Wettbewerb sei der notwendige Neubau einer Mensa im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der Aloys-Schreiber-Schule zu einer Gemeinschaftsschule. Die im Bau befindliche Verlängerung des Schulgebäudes in südliche Richtung (sogenanntes Modul 1) ist eine Direktbeauftragung.
Für die Mensa hatte Schnurr bereits anlässlich des ersten Spatenstichs für Modul 1 im Februar einen Wettbewerb angekündigt (wir berichteten), der nun um die städtebauliche Komponente erweitert wird. Diese geht weit über den geplanten Hochbau hinaus. Thévenot bezeichnete das Quartier als „Campus Bildung und Kultur“ und sprach von einer multifunktionalen Nutzung und hohen Ansprüchen der Stadt an die Gestaltung. Der Wettbewerb bezieht sich auf das Gebiet zwischen Friedrichstraße, Eisenbahnstraße, Güterstraße und Rheinstraße (8,3 Hektar).

Quartier soll attraktiver werden

Es gibt zahlreiche Probleme, für die es Lösungen bedarf. Die Turnhalle der Aloys-Schreiber-Schule ist in einem schlechten baulichen Zustand, das Schwimmbad im Erdgeschoss wird nicht mehr als solches genutzt. Eine Frage des Wettbewerbs wird sein, ob ein Abriss des Gebäudes sinnvoll ist. Unmittelbar nördlich an die Turnhalle anschließend hat die Kommune die Möglichkeit, ein Grundstück zu erwerben das weiteres Entwicklungspotenzial für die Schule bietet. Ziel ist laut Thévenot vor dem Hintergrund einer sich verändernden Schullandschaft ein nachhaltiges Stadtentwicklungskonzept. Auch die herausragenden „Hochbausolitäre“ Bürgerhaus, Mediathek und Realschule werden in die Überlegungen einbezogen. Gewünschtes Ergebnis des Wettbewerbs sei eine Attraktivitätssteigerung des Quartiers. Dabei soll es nach Auskunft von Thévenot auch um die Gestaltung der Freiräume gehen. Für den Kaufland-Markt in der Güterstraße gibt es (wie berichtet) Neubaupläne.
Dabei setzt die Stadt nicht nur auf eine bessere gestalterische Lösung als beim Bestandsgebäude (Schnurr im BNN-Interview im März: „Blechkiste“), das aus einer alten Matratzenfabrik hervorgegangen ist, sie will auch die chaotische Verkehrsführung in diesem Bereich beseitigen.