Das Krankenhaus Bühl wird mit der Klinik in Balg zusammengelegt und verliert die Geburtshilfe.
Das Krankenhaus Bühl wird mit der Klinik in Balg zusammengelegt und verliert die Geburtshilfe. | Foto: Coenen

Geburtshilfe in Bühl

Das Aus ist besiegelt

Bei fünf Gegenstimmen und sieben Enthaltungen (61 Räte waren anwesend) hat der Rastatter Kreistag der strategischen Weiterentwicklung des Klinikums Mittelbaden zugestimmt. Der aus Bühler Sicht zentrale Punkt ist die Zusammenlegung der Krankenhäuser Bühl und Baden-Baden zu einem einheitlichen Krankenhaus und damit verbunden die Schließung der Bühler Geburtshilfe zum Jahresende.
Eine echte Diskussion gab es nicht mehr, nachdem das Thema bereits im Juni in verschiedenen Gremien erläutert wurde. Landrat Jürgen Bäuerle nannte als wesentliche Ziele, das Klinikum in kommunaler Trägerschaft zu behalten, die einzelnen Standorte zu sichern und betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Er beteuerte zum wiederholten Male, dass die Empfehlung zur Schließung der Bühler Geburtshilfe niemandem leicht gefallen sei. In den vergangenen Jahren sei über die Abteilung immer wieder gesprochen worden; nachdem nun die medizinische Leitung die maximale Sicherheit für Mutter und Kind nicht mehr gewährleistet sah und damit „mehr oder weniger die Rote Karte gezeigt habe“, sei kein anderer Weg übrig geblieben. Bäuerle versicherte auch, dass das Aus für die Geburtshilfe nicht gleichbedeutend mit dem Aus für das gesamte Krankenhaus sei.
Das bekräftigte Klinikum-Geschäftsführer Jürgen Jung: „Wir brauchen dieses Haus.“ Jährlich 6 500 Patienten könne keines der anderen Häuser im Verbund zusätzlich aufnehmen. Bei der Geburtshilfe sei das Klinikum Mittelbaden auf der Rheinschiene die letzte Einrichtung, die über eine Schließung entscheide. Die Bühler Geburtshilfe sei zu Recht stolz auf ihr Modell eines nach WHO- und Unicef-Richtlinien zertifizierten babyfreundlichen Krankenhauses. Doch dieses besondere Modell wirke nicht als Magnet. Schließlich wähle jede zweite Frau im Bühler Umland eine andere Klinik für die Geburt ihres Kindes aus, in Bühl selbst etwa jede dritte. Der Forderung, die Baden-Badener Geburtshilfe auf diese Weise zu zertifizieren, wollte sich Jung nicht verschließen. Es müsse aber geprüft werden, ob dies auf eine größere Einrichtung übertragen werden könne.
Die Sprecher der Fraktionen machten zweierlei deutlich: Die Sicherheit von Mutter und Kind steht an erster Stelle, und die Standorte der einzelnen Häuser sind langfristig zu sichern. Toni Huber (CDU) und der Bühler Oberbürgermeister Hubert Schnurr (FW) verteidigten die frühe Festlegung ihrer Fraktionen auf die Klinikumslinie: Damit sei Transparenz geschaffen worden, umgekehrt wäre den Bürgern Änderungsmöglichkeiten vorgegaukelt worden, die nie existierten. Schnurr machte deutlich, dass Bühl eine Akutklinik brauche, und kritisierte Zweifler an der Standortzukunft, die das Haus schlechtredeten. Die vom Klinikum aufgezeigten Perspektiven seien gut (etwa Kurzzeitchirurgie und Sportmedizin). Jonas Weber (SPD) erkannte in Bühl Stärken, die es noch auszubauen gelte, während Manuel Hummel (Bündnis 90/Grüne) Kritikern der Neuausrichtung vorwarf, nicht über den Tellerrand hinauszusehen. Gefragt sei nicht Lokalpatriotismus, sondern ein mittelbadischer Regionalpatriotismus. Lutz Jäckel (FDP) und Hans Striebel (CDU) begründeten, warum sie mit Nein stimmten. Jäckel zeigte Verständnis für die wirtschaftliche Seite, aber es gebe nicht nur die Ökonomie. Als Bühler sei er stolz, dass mehr als 4 000 Menschen die Online-Petition zum Erhalt der Geburtshilfe unterschrieben. Er stehe an ihrer Seite, wissend, dass dies eine in hohem Maße emotionale Entscheidung sei. Hans Striebel sprach von einem inakzeptablen Vorhaben, das die Versorgung und Lebensqualität beeinträchtige. Zukünftige Bühler Generationen verlören ihre Wurzeln, ein Geburtsort sei ein wesentliches Identifikationsmerkmal. In den vergangenen Jahren seien am Bühler Krankenhaus viele Leistungen abgebaut worden, und die Konzentration medizinischer Leistungen in Baden-Baden und Rastatt werde zunehmen. Das Mittelzentrum Bühl werde geschwächt. An CDU und FW gerichtet, nannte er die frühe Festlegung einen „schlechten Stil“, der die Bürger missachte.

Der Beschluss

Ein gemeinsamer Antrag von CDU, FW und SPD fand im Kreistag eine klare Mehrheit. Er war am Montag eingereicht worden und brachte im Vergleich zum Beschlussvorschlag der Verwaltung neben dem Blick auf die Geburtshilfe in Rastatt auch Positionen des Aktionsbündnisses „s’ Bühler Kind“ mit ein. Zuvor war ein Antrag von Peter Hirn (SPD) mit großer Mehrheit abgelehnt worden, der über den Punkt Geburtshilfe separat abstimmen lassen wollte.
Der Beschluss sieht die Zusammenführung der Standorte Baden-Baden und Bühl zu einem einheitlichen Plankrankenhaus Baden-Baden/Bühl ab dem 1. Januar 2017 vor. Die Geburtshilfen Baden-Baden und Bühl sollen am Standort in Balg zu einem gemeinsamen familienfreundlichen und stillfreundlichen Geburtszentrum (Süd) zusammengelegt werden, die Geburtshilfe in Rastatt soll zu einem ebensolchen Geburtszentrum (Nord) weiterentwickelt werden; beide Geburtsstationen sind zu zertifizieren. Verzichtet wird auf einen weiteren altersmedizinischen Standort in Ebersteinburg zugunsten eines Ausbaus der Altersmedizin in Bühl. Die Geschäftsführung wird aufgefordert, langfristige und tragfähige Zukunftskonzepte für Bühl, Forbach und Ebersteinburg vorzulegen. Sie wird ferner aufgefordert, die Vorschläge des Aktionsbündnisses “s’ Bühler Kind“ (Zertifizierung nach WHO und UNICEF als babyfreundliches Krankenhaus sowie hebammengeführter Kreißsaal) zu prüfen und zu bewerten und dem Aufsichtsrat zur Entscheidung vorzulegen.