In der Oberliga standen sich die heutigen Trainer Andrej Klimovets (links) und Alexander Lipps noch auf dem Spielfeld gegenüber.
In der Oberliga standen sich die heutigen Trainer Andrej Klimovets (links) und Alexander Lipps noch auf dem Spielfeld gegenüber. | Foto: Rubner

Pforzheimer Handball-Derby

Das Doppel-Interview: „Sensationslust ist die Triebfeder des Ganzen“

Vielleicht haben die Macher der beiden Pforzheimer Handball-Flaggschiffe im Doppel-Interview ja schon den Ton für das erste Drittliga-Derby zwischen TGS Pforzheim und SG Pforzheim/Eutingen gesetzt. Wenn dem so wäre, dann dürften sich die wohl über 1.000 Zuschauer in der Bertha-Benz-Halle am Samstag (19 Uhr) freuen auf: eine faire Begegnung, vollen Einsatz für die eigenen Farben, aber nur kontrollierte Offensive. Das erfuhren die Kurier-Sportredakteure Florian Konrad und René Ronge im Gespräch mit TGS-Handballvorstand Wolfgang Taafel und dem Sportlichen Leiter der SG Pforzheim/Eutingen, Wolfgang Lipps.

Wie würden Sie die Bedeutung des Stadtderbys auf einer Skala von eins bis zehn einordnen? Herr Taafel, würden Sie als Gastgeber des Spiels am Samstag als Erster antworten?

Taafel: Das Zuschauerinteresse ist im Vergleich zu einem normalen Spiel deutlich höher. Da kommen Leute, die sonst leider nicht da sind. Für uns als Verein geht es ums Renommee, wer in Pforzheim jetzt die Masse begeistert und wer die Nummer eins sein will, bleiben will, werden will. Geben wir dem Ganzen eine Acht.
Lipps: Als Zuschauer würde ich Richtung neun tendieren. Was die sportliche Situation angeht: Wenn man irgendein anderes Spiel bei fünf ansiedelt, dann würde ich diesmal bei sieben landen.

Also durchaus noch Luft noch oben, aber bedeutender als sonst. Gibt es deswegen auch andere Abläufe in der Vorbereitung?

Taafel: Gar nicht. Wir machen Analyse und Videostudium wie bei jedem Gegner.
Lipps: Am Montag Nachbetrachtung des vorherigen Spiels, am Dienstag und Mittwoch normales Training, am Donnerstag Abschlusstraining mit Videostudium des kommenden Gegners – unsere Woche läuft wie üblich ab.

Es ist für beide Vereine ein Heimspiel, aber auf dem Papier ist nur die TGS Gastgeber. Muss die SG jetzt in die Auswärtskabine?

Lipps: Die Heimmannschaft bestimmt, das ist klar. Aber es gibt sechs Kabinen, da streiten wir uns sicher nicht drum. Die sind alle gleich groß.

Wolfgang Lipps setzt bei der SG Pforzheim/Eutingen auf junge Spieler.
Wolfgang Lipps setzt bei der SG Pforzheim/Eutingen auf junge Spieler. | Foto: Schneider

Die letzten zwei Spiele haben Ihre Mannschaften jeweils verloren. Tabellensituation und Drittliga-Erfahrung sprechen trotzdem für die TGS. Welchen Spielverlauf erwarten Sie?

Taafel: Die bisherigen Derbys in der Oberliga haben gezeigt, dass überraschende Dinge passieren können. Beim ersten Mal war die Situation umgekehrt. Der Außenseiter hat nichts zu verlieren. Ganz ehrlich: Ich sehe die Chancen 50:50, gerade Aufsteiger haben immer gezeigt, dass sie in der Anfangsphase der Saison stark sind und kämpfen. Die SG hat viele Spiele knapp verloren, warum sollte es jetzt nicht mal klappen? Und bei uns ist der Wurm drin. Wir wissen nicht, wo wir gerade stehen. Es läuft jedenfalls nicht die A-Jugend der SG gegen erfahrene ältere Herren der TGS auf. Und: Einige unserer Leute gehen vielleicht nicht mit ganz so glänzenden Augen ins Spiel wie die Pforzheimer Jungs auf der anderen Seite.
Lipps: Wenn wir jetzt mal nur die Chancen abwägen, bin ich nicht dabei, 50:50 zu sagen. Die TGS hat ganz andere Ambitionen als wir. Wir spielen gegen den Abstieg. Die Chancen würde ich bei 70:30 für die TGS sehen, aber ich betrachte das nicht als hoffnungslos.

Dürfen wir Sie noch um einen konkreten Ergebnistipp bitten?

Taafel: Wenn ich wüsste, wie wir jeweils auflaufen, würde es mir leichter fallen. Aber da Sie einen Tipp wollen: Ich glaube, die TGS gewinnt mit einem Tor, 29:28.

In der Favoritenrolle ist Wolfgang Taafel mit der TGS Pforzheim.
In der Favoritenrolle ist Wolfgang Taafel mit der TGS Pforzheim. | Foto: Schneider

Was setzen Sie dagegen, Herr Lipps?

Lipps: Wenn ich der erste gewesen wäre, hätte ich 26:24 für die SG gesagt. Jetzt sage ich 26:25. Ich will keine größere Differenz haben (lacht).

Für die Köpfe der Spieler wird es nicht unerheblich sein, mit der deutlich größeren Kulisse umzugehen…

Taafel: Das ist ein Vorteil für beide Mannschaften. Wenn die Hölle in der Halle los ist, schläft unten auf dem Platz keiner ein. Das ist für jeden Motivation, sich zu präsentieren und Gas zu geben.
Lipps: Für die Spieler ist das immer ein Highlight. Beim Einlaufen ist das ein ganz anderes Gefühl: Hier ist was außergewöhnlich. Wir sind ja auch schon auf der Platte gestanden, Wolfgang. An solchen Tagen versucht man, über sich hinauszuwachsen.

Welche Kulisse wird erwartet? Man hört vierstellig…

Taafel: Wenn beide Vereine ihre Stammzuschauer aktivieren – und das werden sie sicherlich tun – hat jeder schon 500 da. Und dann wollen Leute kommen, die hat man noch nie in der Halle gesehen. Das bedaure ich ein bisschen: Natürlich ist im Derby Spannung da. Aber jedes Spiel ist doch spannend. Das können sich die Zuschauer in Pforzheim doch fast bei jedem Spiel geben, dass das Blut in Wallung kommt. Irgendwie ist die Sensationslust dann doch die Triebfeder des Ganzen. Das tut mir weh für uns beide: Dass man in Pforzheim nicht mehr Leute aktiviert bekommt. Aber vielleicht kann das Spiel auch Werbung sein. Einige Leute stocken für dieses Spiel auch auf und holen sich ein VIP-Ticket. Das freut einen natürlich – vor allem den Kassier.

 

(Den kompletten Beitrag lesen Sie in der Samstag-Printausgabe des Pforzheimer Kurier)