HAT EIN KLARES BILD VON DER ZUKUNFT: KIT-Präsident Holger Hanselka spricht in der BNN-Redaktionskonferenz über die Rolle, die die Karlsruher Universität bei gesellschaftsrelevanten Themen wie der Energie spielen könnte.
HAT EIN KLARES BILD VON DER ZUKUNFT: KIT-Präsident Holger Hanselka spricht in der BNN-Redaktionskonferenz über die Rolle, die die Karlsruher Universität bei gesellschaftsrelevanten Themen wie der Energie spielen könnte. | Foto: Hora

Hanselka tritt Kritik entgegen

„Das ist nicht die Mehrheit des KIT“

Im Gespräch mit Holger Hanselka wird schnell klar, wie vehement der KIT-Präsident für seine Überzeugungen eintritt. Seine Ausführungen kommen schnell, seine Sätze sind präzise formuliert, die Hände unterstreichen jedes seiner Argumente.

Bei der Redaktionskonferenz im Verlagshaus der Badischen Neuesten Nachrichten in Karlsruhe-Neureut ist er bestens auf die Fragen vorbereitet. Aber die Situation ist auch angespannt, denn in den vergangenen Monaten wurden vermehrt Stimmen aus dem Umfeld des KIT laut, die sich über das Präsidium beschwerten.

Fasziniert von der Idee KIT

Eines ist Hanselka anzumerken: Der 55-Jährige glaubt an das, was er sagt. Wenn er über sein Institut spricht, beginnt er sogar zu schwärmen. „Ich bin von der Idee KIT fasziniert und davon überzeugt, dass man mit dieser Institution ganz hervorragende Dinge gestalten kann, die anderswo so nicht möglich sind.“

Das KIT könne einen wichtigen Beitrag leisten zu gesellschaftsrelevanten Themen wie Energie, Mobilität und Information. Eine Kernkompetenz sei beispielsweise die Materialforschung – bis hin zur Realisierung von Bauteilen wie etwa eines Batteriesystems. Auch die chemische Verfahrenstechnik hebt Hanselka hervor. „Bei uns wird Forschung, Lehre und Innovation in Einklang gebracht“, bekräftigt der 55-Jährige.

KIT als Sonderfall im positiven Sinne

Das KIT sei in jeglicher Hinsicht ein Sonderfall im positiven Sinne – etwa als einzige Forschungsuniversität in der Bundeseinrichtung der Helmholtz-Gemeinschaft. Das Karlsruher Institut für Technologie ist somit eine Hochschule, die sich sowohl aus Landes- als auch aus Bundesmitteln finanziert und die eine Fusion zweier unterschiedlicher Einrichtungen ist; 2009 schlossen sich bekanntlich das Forschungszentrum Karlsruhe und die Universität zum KIT zusammen.

Zwei Finanzströme ein Grund für die zwei Kulturen

Aber in dieser Einzigartigkeit liegt auch der Grund für einige Schwierigkeiten. „Wir haben durch die zwei Finanzströme zwei Kulturen. Die kriegen wir nur weg, wenn wir zwei Finanzströme vereinen“, spricht Hanselka die unterschiedlichen Geldquellen für das KIT an. Seit er im Amt sei, vergehe keine Woche, in der er dieses Thema nicht auf der politischen Bühne anspreche. „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir hier zu einer guten und zielführenden Lösung kommen werden. Ich möchte das gerne in meiner Amtszeit erleben“, erklärt Hanselka. Seine erste endet 2019, dann müsste er sich einer Wiederwahl stellen.

Holger Hanselka wurde am 4. November 1961 in Oldenburg geboren. Er studierte Allgemeinen Maschinenbau an der Technischen Universität Clausthal in Niedersachsen. Dort promovierte er 1992 und wurde 1993 Leiter der Arbeitsgruppe „Naturfaserverstärkte Kunststoffe im Automobil- und Fahrzeugbau“ im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig. Im Jahr 1997 erfolgte der Ruf als Professor an die Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg. 2001 ging er als Direktor des Fraunhofer-Instituts für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit nach Darmstadt. Seit 2013 ist Hanselka Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Er hat drei Kinder und lebt in Ettlingen.

Hanselka gesteht ein, dass das KIT, räumlich geteilt zwischen Campus Nord und Süd, nach innen noch nicht so einheitlich agiert, wie er das gerne hätte. Zwar sei schon viel erreicht, aber so eine Fusion brauche nach wie vor Zeit. „Wir müssen die Trennungen in den Köpfen überwinden, weil es immer noch Menschen gibt, die in der einen oder anderen Welt denken.“ Das sei vor allem in der Verwaltung der Fall, die Hanselka jedoch auch ausdrücklich lobte. Über das Zusammenwachsen im wissenschaftlichen Bereich mache er sich wenig Sorgen.

Schulnote Drei bis Vier

In den vergangenen Monaten hat es am KIT viele Gründe für Diskussionen gegeben: PCB-Belastung, Umgang mit Zeitverträgen, Umstrukturierung der Dienstleistungseinheiten. Themen, über die die BNN berichtet haben. Das beschäftigt auch Hanselka. „Ich bin nicht immer mit dem Austausch zufrieden. Ich würde dem internen Informationsfluss am KIT eine Drei bis Vier geben“, beschreibt er es in Schulnoten, auch das Wort „verbesserungswürdig“ fällt.

Veränderungsprozess notwendig

Dennoch müsse das Institut in Karlsruhe diesen Veränderungsprozess durchlaufen, der nicht nur Begeisterung hervorrufe. „Ich kann nicht jeden Einzelnen am KIT davon überzeugen, dass ich das, was ich tue, aus tiefster Überzeugung und im Dienste des KIT tue, aber es ist so.“

Kein scheuer Hase

Hanselkas Ansatz sei es, transparente Prozesse zu etablieren und nicht im Sinne eines Fürsten zu agieren. Jede Führungsperson müsse die getroffenen Entscheidungen stets hinterfragen. Auch er müsse sich ständig selbst reflektieren. „Das heißt aber nicht, dass ich jeden Tag wie ein scheuer Hase links und rechts hüpfe, weil irgendjemand irgendwas sagt“, stellt Hanselka klar.

Deswegen hat der 55-Jährige auch eine klare Meinung zu den Kritikern, die die Universität sogar als „Pulverfass“ bezeichnet haben: „Das ist nicht die Mehrheit des KIT.“ Als Hanselka als Präsident angetreten sei, habe er klar gesagt, was er wann und warum mit dem KIT vorhabe. Seit Ende vergangenen Jahres sei diese Dachstrategie KIT 2025 für alle Mitarbeiter transparent – ein möglicher Grund für den Unmut.

Veränderung immer anstrengend

Eines scheint sicher: Holger Hanselka hat eine konkrete Idee, wie das KIT einmal aussehen soll, und diese verfolgt er konsequent. Aber ihm ist auch klar: „Jegliche Form von Veränderung ist immer anstrengend.“

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