Ministrant Johannes
JA HERRSCHAFTSZEITEN: Der Deutsch-Tamile Johannes aus Bruchsal-Büchenau ist gut integriert. | Foto: Herberger

Ministrant in Bruchsal

Der Alptraum des CSU-Generals

Der Deutsch-Tamile Johannes Aloysious spielt gerne Fußball und ist Ministrant. Seine Eltern waren in den 1980er-Jahren aus Sri Lanka vor dem Bürgerkrieg zwischen Tamilen und Singalesen geflüchtet. Er selbst ist in Deutschland geboren und müsste sich vom Zitat des CSU-Generalsekretärs Andreas Scheuer, das seit einigen Tagen in Deutschland für Diskussionen sorgt, eigentlich nicht angesprochen fühlen. Dessen Aussagen findet er „krass“ und „mutig“.

Von Armin Herberger

CSU-General Andreas Scheuer hatte in einem Pressegespräch gesagt: „Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese, der über drei Jahre da ist, weil den wirst Du nie wieder abschieben. Aber für den ist das Asylrecht nicht gemacht, sondern er ist Wirtschaftsflüchtling“, soweit das Scheuer-Zitat. Johannes Aloysious aus Bruchsal-Büchenau spielt gerne Fußball und ist Ministrant. Seine Eltern waren in den 1980er-Jahren aus Sri Lanka vor dem Bürgerkrieg zwischen Tamilen und Singalesen geflüchtet. Die erste Reaktion des 21-jährigen Büchenauers: „Krass.“ Womit er nicht nur die eigenwillige Grammatik des Bayern meint. Und weil er ein höflicher Mensch ist, fügt er hinzu: „Das ist schon mutig von Herrn Scheuer, so etwas zu sagen“, ohne dass Bewunderung in dem Satz mitschwingt.

Schlagzeuger im Musikverein

Johannes Aloysious ist in Büchenau aufgewachsen, spielt seit der F-Jugend beim FSV Fußball, war Schlagzeuger beim Musikverein und schlägt seit zwei Jahren die Basstrommel bei der Guggenmusik Basselschorra. „Ich habe wegen meiner Hautfarbe nie Rassismus erfahren“, sagt er, obgleich er seit der Flüchtlingswelle merke, dass man ihn andernorts eher beobachte.

Schreckensszenario aus Bayern

Erst wenn er in flüssigem Deutsch eine Unterhaltung beginnt, bekommt er dann auch ein Lächeln. „Natürlich pflegen wir in der Familie auch die tamilische Kultur, aber ich fühle mich auch als Deutscher – immerhin habe ich zwei Jahre freiwillig bei der Bundeswehr meinem Land gedient.“ Gerade hat er sein Fachabitur gemacht und sucht noch eine kaufmännische Ausbildungsstelle, bewirbt sich zudem für nächstes Jahr bei der Polizei. Das vermeintliche Schreckensszenario des Politikers aus Bayern kann Johannes Aloysious jedenfalls nicht nachvollziehen: „Wenn sich jemand integriert, einen Job sucht und Steuern zahlt – warum soll man ihn dann abschieben wollen? Und welche Rolle spielt es dann, aus welchen Gründen er hergekommen ist?“

Pfarrer hat wenig Verständnis für CSU-Mann

Ähnlich sieht es auch Pfarrer Torsten Forneck, der auf das Engagement und die Persönlichkeit der Familie Aloysious ungern verzichten würde. Das Perspektive des christlich-sozialen Politikers ist für ihn etwas kurzsichtig: „Es ist noch nicht lange her, dass dringend ausländische IT-Fachleute für Deutschland gesucht und Anreize geschaffen wurden. Und jetzt soll ausgerechnet ein Ausländer, der hier Schutz – wenn auch „nur“ vor der Armut – gesucht, Deutsch gelernt und sich mehr als viele Deutsche in Vereinen und Vereinigungen eingebracht hat, das größte Problem sein? Zumal alles in einem solchen Fall dafür spricht, dass er, sobald es ihm möglich ist, sein Geld hier durch Arbeit verdienen möchte? Die derzeitige Situation ist sicher nicht leicht, aber es gibt sicher andere und größere Probleme als das von Herrn Scheuer genannte.“

Hier geht es zur Website von CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer.