Bierbrauer in Offenburg
STOLZ AUF IHR EIGENES BIER: Martin Ritter, Jan Peitz, Jochen Basler und Arnd Kimmig stellen in Offenburg Friedrichbier her - benannt nach der Friedrichstraße, wo man das Sudhaus eingerichtet hat. | Foto: Armin Krüger

Bier aus alter Bäckerei

Das Süffige aus der Offenburger Oststadt

Vier Männer, eine Leidenschaft: Bier brauen. Seit gut einem Jahr stellen Arnd Kimmig, Martin Ritter, Jochen Basler und Jan Peitz in der früheren Backstube von Bäcker Karl-Heinz Laug in der Offenburger Friedrichstraße Bier her – Friedrich Bier. Die Adresse in der Offenburger Oststadt ist nicht nur Namensgeber, sondern auch Verpflichtung: Wo 93 Jahre lang auf handwerklich traditionelle Art gebacken wurde, wird jetzt ebenso handwerklich gebraut. Der Stoff aus dem die Träume der vier Brauer sind, ist ungefiltert, natürlich – und süffig. Sommeliers würden von „nachverlangend“ sprechen. Weil sich die selbst von örtlichen Brauerei-Profis gelobte Qualität des Friedrich Biers herumgesprochen hat, ist die monatliche Produktion von 400 Litern stets schnell ausverkauft. Ein zweiter Gärtank ist geordert.

Der Vertrieb ist nicht das Problem

Anfragen von Getränkehändlern und Gastronomen müssen bislang noch ausgeschlagen werden. „Ich bin eigentlich der Unnötigste im Kreis“, sagt lachen Jochen Basler, zu dessen Aufgaben neben der Buchhaltung der Vertrieb gehört: „Wir könnten viel mehr verkaufen, als wir brauen können.“

Die Arbeit wird gerecht geteilt

Wie der Volks- und Betriebswirt, in Offenburg bekannt als langjähriger Chef der Zeller Abtsberg Winzer, hat jeder im Hobbybrauer-Quartett seinen Schwerpunkt. Martin Ritter und Arnd Kimmig, beide Lehrer am Kloster, sind die „Braumeister“. Der eine kümmert sich eher um die Rezepturen, der andere um die Technik. Mit Jan Peitz ist ein Marketing-Experte im Boot, der zudem direkt neben der früheren Bäckerei sein Büro hat und so auch mal tagsüber die Tür öffnen kann, wenn eine Lieferung für die Brauerei kommt. Dass die vier Männer im Alter zwischen 40 und 46 Jahren zusammengefunden haben, war Zufall: „Keiner von uns kannte die anderen drei“, sagt Jochen Basler.

Auf einer Party fing alles an

Bei einer privaten Geburtstagsfeier im Frühjahr 2015 kamen sie ins Gespräch – und aufs Brauen. Das war ein Thema, mit dem sich Martin Ritter seit einem Kalifornien-Besuch und dem Genuss von Porter intensiver beschäftigte, zumal sein Sohn Max Brauer und Mälzer gelernt hatte. Dessen Know-how wollte Ritter nutzen – und so kam es zu ersten eigenen Brauversuchen.

Mit 20 Litern ging es los

Ritter schwärmte vom eigenen Bier im Kreis von Kloster-Kollegen, zu denen Arnd Kimmig gehört. Schnell hieß es: „Herzeigen, das müssen wir probieren“. Der Anfang war gemacht. Was im Keller eines Freundes mit einem Einmachkessel 20-Liter-weise begann und bald auf 50 Liter gesteigert wurde, hat „auf Anhieb geklappt“, erinnert sich Arnd Kimmig und schwärmt von tollen Geschmacksnuancen. „Es war besser als alles, was man kannte.“ Klar, dass die Lehrer als Beamte das Brauen ganz korrekt beim Zoll anmeldeten, wie es auch bei privaten Brauversuchen gesetzlich vorgeschrieben ist. Im April 2015 kam schließlich die Nachricht, dass Karl-Heinz und Helga Laug ihre Bäckerei aufgeben. Die Idee, die Backstube zu mieten, war geboren: „Wir hatten so ein tolles Produkt, da mussten wir was draus machen“, sagt Jochen Basler. Der Offenburger Designer Moritz Lang kreierte Marke und Etikett. Friedrich Bier war geboren.

Der Amtsschimmel war ebenfalls gefragt

Diverse bürokratische Herausforderungen waren freilich zu stemmen, an die ein Hobbybrauer zunächst nicht denkt. Die Stichworte reichen von Finanzamt, Biersteuer und Steuerlager über Brandschutz und Zoll bis zu Lebensmittelüberwachung, Sudbuch-Führen und EU-Norm für Etiketten. „Man lernt enorm viel“, sagen nicht nur die beiden Pädagogen in der Brauer-Runde. Inzwischen sind die Hürden überwunden. Dass sich die angedachten Investitionen locker verdoppelt haben und außer vielen Stunden Arbeit auch jeder eingenommene Euro investiert wird, etwa in eine Abfüllanlage, trübt die Brauerfreude nicht. Einmal im Monat ist Brautag, meist samstags, weil dann alle können. Zwölf Stunden wird ab 6 Uhr früh gebraut, und immer wieder auch mit neuen Rezepten experimentiert. So gibt es dieses Jahr eine Weihnachtsedition und ein Kaminfeuerbier, über das Martin Ritter lachend sagt: „Das hat schon Muskeln“.

Ein Plädoyer für das Export

Ein Anliegen ist den Brauern weniger das ohnehin verbreitete Pils, als vielmehr das unterschätzte Export. Dem „Arbeiterbier“ solle wieder zu mehr Ansehen verholfen werden. Nicht zuletzt hat das Offenburger Bio-Export auch einen eingängigen Namen. Es heißt Karl-Heinz – eine Hommage an Bäcker Laug.