Trauernde Narren aus Daxlanden beklagten gestern mit einem Marsch vom Friedrichsplatz zur Pyramide, dass ihr Straßenumzug am Fastnachtssamstag 2017 flach fällt. Die Organisatoren
um Zunftmeister Jürgen Stoll (rechts) kritisieren zu hohe Auflagen durch die Stadt und fordern stärkere Unterstützung für die Traditionsveranstaltung.
Trauernde Narren aus Daxlanden beklagten gestern mit einem Marsch vom Friedrichsplatz zur Pyramide, dass ihr Straßenumzug am Fastnachtssamstag 2017 flach fällt. Die Organisatoren um Zunftmeister Jürgen Stoll (rechts) kritisieren zu hohe Auflagen durch die Stadt und fordern stärkere Unterstützung für die Traditionsveranstaltung. | Foto: Donecker

Trauermarsch in die Kampagne

Daxlander Narren demonstrieren für ihren Umzug

Zwischen Gaudi und Trauer – so starten die Karlsruher Narren in die fünfte Jahreszeit. Mit einem Trauerzug vom Friedrichsplatz zur Pyramide vor dem Rathaus demonstrierten die Daxlander Narren am 11.11. für ihren Fastnachtsumzug, dessen Zukunft ungewiss ist. Das Festkomitee Daxlander Fastnacht hatte die populäre Veranstaltung für den Fastnachtssamstag 2017 – ausgerechnet die 44. Auflage des Umzugs – Ende Oktober mit der Begründung abgesagt, die Stadt mache zu hohe Auflagen und unterstütze die Brauchtumsveranstaltung in alemannischer Tradition zu wenig. Die Zukunft des Umzugs steht in den Sternen. (Die BNN berichteten.)

Narren in schwarzer Trauerkleidung

Am Karlsruher und Durlacher Marktplatz stürmten Karnevalisten gleichzeitig die Rathäuser.
Die meisten Daxlander Narren sind in schwarzer Trauerkleidung gekommen, viele mit Hut oder
Zylinder, manche halten eine weiße Rose in der Hand. Ein Hästräger pro Gruppe ist in Kostüm und Maske da, ein Dämonenkopf mit Widdergehörn und wilder Mähne steht neben einer „s’gnizze Brigändle“-Hexe mit freundlichem Gesicht. Auch ein Moorteufel aus Linkenheim
ist angereist. „Wir Daxlander wollen von der Verwaltung gleich behandelt werden“, sagt Madeleine Wagner, Vorsitzende der Schlaucherhexen Daxlanden. Es könne nicht sein, dass die Stadt nur die Umzüge in Durlach und in der City unterstütze. Es sei an der Zeit, dass die Verantwortlichen wach würden. „Wir sind auch ein Karlsruher Stadtteil, und der Umzug ist mittlerweile überregional bekannt“, betont Wagner. Den Trauerzug führt der Daxlander Zunftmeister Jürgen Stoll an. Er schwingt eine Glocke in der Hand. Neben ihm trägt eine Närrin in Schwarz einen Kranz mit rosafarbenen und weißen Rosen. In einem gebastelten Holzsarg liegt „Prinz Karneval“. Die Puppe wurde wegen eines Februarsturms am vergangenen Aschermittwoch nicht verbrannt. „Also tragen wir die Puppe jetzt symbolisch zu Grabe“, erklärt Stoll.

Vielleicht konnten wir mit dem Trauerzug etwas bewirken

Wimmernd und jammernd ziehen die Narren durch die City, zu getragener Musik. Einige Teilnehmer wischen sich mit weißen Tüchern die Wangen. Auf dem Marktplatz hält Stoll die Trauerrede in gereimter Form: „Das Ehrenamt, die Heimattreue – das geht jetzt alles vor
die Säue.“ Stattdessen feiere man jeden Trend wie Oktoberfest und Halloween.
Dennoch sieht der Zunftmeister ein „Fünkchen Hoffnung“. Die Narretei werde weiter leben. Trotziges „Narri Narro“ schallt mehrmals über den Marktplatz, schwarze Ballons steigen in
die Höhe. Dann zieht die Prozession am Rathausportal vorbei wieder zurück zum Friedrichsplatz. Dort äußert sich Stoll zufrieden, der Auftritt sei gelungen:
„Vielleicht konnten wir mit unserem Trauerzug etwas bewirken.“

Wachsende Probleme mit Sicherheitsfragen und die Kosten, die den Veranstaltern der zuletzt
vier Fastnachtsumzüge in der Fächerstadt daraus entstehen, sind nicht erst seit der Absage des Daxlander Umzugs Thema unter Fastnachtern. Die Stadtverwaltung attestiert nur den Umzügen des Festkomitees Karlsruher Fastnacht (FKF) am Fastnachtsdienstag und dem närrischen Lindwurm des Organisationskomitees Durlacher Fastnacht (OKDF) am Fastnachtssonntag „gesamtstädtische Bedeutung“ mit entsprechender Unterstützung. Für den Grötzinger Narrensprung und den Daxlander Straßenumzug mit ebenfalls überregionaler Anziehungskraft gibt es dieses Prädikat nicht. Doch unterstütze die Stadt auch die Straßenfastnacht in diesen Stadtteilen, unterstreicht Ordnungsamtsleiter Björn Weiße. Für Daxlanden rechnet er vor, die Organisatoren hätten für den Umzug im Februar 2016 rund
600 Euro Kosten für Sicherheits- und Rettungskräfte gehabt. Das sei deutlich weniger als allein die Kosten für das Notfallkonzept mit Hinweisfaltblatt an Zugteilnehmer, das in seinem Amt entwickelt und hergestellt worden sei, so Weiße. Die Gespräche zur Vorbereitung des Grötzinger Narrensprungs finden in Kürze statt, das Ergebnis wird mit Spannung erwartet.

Die Fastnacht auf der Straße muss weiter bestehen

In den Rathäusern Karlsruhes und Durlachs ist für die Narren die Welt soweit in Ordnung. Im Bürgersaal des Karlsruher Rathauses dröhnen Paukenschläge der Dodderdabber-Guggenmusiker, wo sonst das Kommunalparlament tagt. Bürgermeister Michael Obert vertritt Oberbürgermeister Frank Mentrup. FKF-Präsident Jürgen Olm widmet den Daxlander Fastnachtern, die diesmal dem fröhlich-bunten Rathaussturm ausnahmsweise fernbleiben, eine Passage seines Reimvortrags. „Die Fastnacht auf der Straße muss weiter bestehen,
die Narren wollen auf die Straße gehen – in Karlsruhe, Durlach und Daxlanden“,
trägt er vor. Unterstützung verdienten die Umzüge „mehr als der KSC“.

Narren stürmen auch das Durlacher Rathaus

Auch im Durlacher Rathaus übernehmen die Narren das Regiment. „Für uns ist Durlach der Nabel der Welt“, verkündet Thorsten Holzwarth, der Präsident des OKDF. Sein Seitenhieb auf die Sparpläne der Stadt: „Auch unserer Fastnacht wollen sie an den Kragen.“ Ortsvorsteherin Alexandra Ries übergibt die Rathausschlüssel und lobt die Durlacher Fastnachter.