Ein Vielfraß ohne natürliche Feinde ist der amerikanische Ochsenfrosch, der intensiv bekämpft wird.
Ein Vielfraß ohne natürliche Feinde ist der amerikanische Ochsenfrosch, der intensiv bekämpft wird. | Foto: Ralf Schreck

"Amerikaner" in Eggenstein

Dem Ochsenfrosch geht’s an den Kragen

Elektrokescher, Pfeil und Bogen, Blasrohr, Kleinkalibergewehr – es muss ein starker Feind sein, dem man mit solchen Waffen begegnet muss, weil bei der einen wie der anderen sich der Erfolg nicht so ganz richtig einstellen möchte. Stark ist der Feind nur bedingt. Aber er ist gefräßig und er kennt bei uns keine natürlichen Feinde. Schließlich vermehrt er sich stark – „aus einem Laichballen können bis zu      25 000 Kaulquappen schlupfen“, weiß man bei der Umweltbehörde im Landratsamt. Und dieser Feind gehört eigentlich nicht hierher.

Bis zu einem Kilo schwer

Der amerikanische Ochsenfrosch ist ein „Neozoon“ – ein Tier also, das sich in einem Gebiet etabliert hat, in dem es zuvor nicht heimisch war. Die nordamerikanische Art ist hierzulande seit Anfang der neunziger Jahre bekannt. Der Ochsenfrosch, so erklärt Hans-Martin Flinspach vom Landratsamt Karlsruhe, kommt in unserer Region in Baggerseen vor, vor allem aber im Altrhein. Man hört ihn gut, denn sein Ruf in den Dämmerstunden der warmen Jahreshälfte ist durchdringend. Man sieht ihn auch gut, denn der Ochsenfrosch, so Flinspach weiter, „kann bis zu einem Kilo schwer und durchaus bis zu 20 Zentimetern groß werden“.

Auch eigene Junge werden gefressen

Dieser Frosch frisst alles, notfalls auch einmal die eigenen Jungen, Käfer, Mäuse, heimische Fischarten „und dann haben wir schon einmal in einem toten Tier eine junge Ringelnatter gefunden“, schildert Flinspach eine „Mahlzeit“ des dunkelgrünen Großmauls. Kurzum: Der Ochsenfrosch gilt als eine Gefahr für die heimische Tierwelt, insbesondere Wassertiere. Bund und Land sind nach Angaben des Landkreisökologen verpflichtet, diese „invasive Art“ zu bekämpfen.

Ein Idyll, in dem sich der amerkanische Ochsenfrosch wohl fühlt - Baggersee bei Eggenstein-Leopoldshafen.
Ein Idyll, in dem sich der amerkanische Ochsenfrosch wohl fühlt – Baggersee bei Eggenstein-Leopoldshafen. | Foto: Stieb

Und das ist, so Flinspach, eine Aufgabe, die sich recht komplex gestaltet. Schon seit vielen Jahren rücke man dem Ochsenfrosch immer wieder zu Leibe. Anfangs ging man zuerst auf die mehrjährigen Kaulquappen los. „Doch das mit der Elektrobefischung hat nicht so richtig funktioniert“, erinnert sich Hans-Martin Flinspach. Nächste Stufe war das händische Einfangen des Nimmersatts. Einige Jahre war auch ein Mann unterwegs, der Pfeil und Bogen beherrschte, ein anderer nutzte das Blasrohr, um die Ochsenfrosch-Population einzudämmen. Indes – mit diesen eher traditionellen Methoden wurde man des Neozoon-Problems nicht recht Herr. Hinzu kommt, dass diese Methoden auch relativ aufwändig waren.

Besondere Munition gefragt

Angesichts der Hartnäckigkeit der grünen Brummer sind nun offenkundig nachhaltigere Vorgehensweisen gefragt. Mittlerweile, so berichtet Flinspach, soll auf den amerikanischen Einwanderer geschossen werden. Das Ganze, so weiß der Ökologe, sei aber „eine sensible Geschichte“. Denn einfach draufhalten ist nicht. Zum einen bedarf es besonderer Munition. Flinspach spricht von „Weicheisenschrot“, zum anderen muss das beauftragte Personal einen Waffenschein haben – und Erfahrung. Schließlich zielt auch der beste Schütze einmal daneben, und bei einem flachen Aufprallwinkel auf das Wasser könne das Projektil abprallen und dann möglicherweise andere Lebewesen als den ins Visier genommenen Ochsenfrosch gefährden.

Jäger unterstützen den Naturschutz

Die aktuelle Maßnahme gegen den Ochsenfrosch wird mit Hilfe der örtlichen Jäger geplant. Hansjörg Müller aus Eggenstein ist einer, der da Bescheid weiß. „Das Landratsamt beauftragt für das Schießen sachkundige Mitarbeiter, die den Jagdschein haben. Wir Jäger stellen unser Fachwissen zur Verfügung und unterstützen diese Leute bei ihren Bemühungen.“

Wenig? Oder doch viel?

Die sind nicht ganz einfach, denn der Ochsenfrosch ist nicht nur gefräßig, sondern auch schlau. Bekämpft man ihn von Land her, registriert er die Erschütterungen und verlässt sein eigentlich eher überschaubares Terrain im Schilf. Folglich muss man es vom Wasser aus probieren – höherer Aufwand, denn es werden Boot und Bootsführer benötigt. Und doch scheint der Einsatz für den Naturschutz, den die Jäger hier begleiten, rein zahlenmäßig limitiert. Es geht – ganz grob – vielleicht um gut hundert erlegte Ochsenfrösche an einem Gewässer im Jahr. Wenig? „Ja“, räumt Müller ein. Allerdings handle es sich bei diesen Exemplaren um mehrere Jahre alte „Altfrösche“, die für die größere Menge der Laichballen sorgen. Und wenn man so die Population klein bekommt, ist das Ergebnis dann doch positiv.