DIE STARS DER „FALLERS“ gab es für die Besucher der Preview der 906. Folge „Die Stunde der Wahrheit“, die Demenz thematisiert, hautnah zu erleben. Schauspielerin Ursula Cantieni (links) war von der Recherche rund um die Dreharbeiten tief berührt.
Die Stars der "Fallers" gab es für die Besucher der Preview der 906. Folge „Die Stunde der Wahrheit“, die Demenz thematisiert, hautnah zu erleben. Schauspielerin Ursula Cantieni (links) war von dem Thema tief berührt. | Foto: Holbein

Demenz im Fokus

„Fallers“ wollen aufrütteln

Von Martina Holbein
„’s isch, als wenn Du Grabstein’ im Kopf hätsch, als ob einem die Wirklichkeit flöten geht“. Matthias Faller sagt in einer Szene der Folge „Die Stunde der Wahrheit“ aus der SWR-Serie „Die Fallers“ diesen verzweifelten Satz und beschreibt damit, wie er sich fühlt. Matthias Faller ist in der Serie mit gerade mal 40 Jahren an Demenz erkrankt und kann die Diagnose nicht mehr vor seiner Familie geheim halten. Nun hatten die Besucher der Veranstaltung „Diagnose: Demenz“ die Gelegenheit, diese 906. Folge, die am 23. Oktober ausgestrahlt wird, als Preview zu sehen. „Ich kannte die Demenz von meiner Oma her“, sagte der Schauspieler Markus Pfeiffer, der den Matthias in der Serie mimt, „aber all die Gefühlsaspekte in die Figur hineinzulegen, das war eine schwierige Herausforderung“. „Ich war einfach immer berührt“, erzählte Ursula Cantieni auf die Nachfrage von Moderator Jürgen Essig vom SWR-Studio Karlsruhe. „Es ist ja etwas anderes, wenn du so eine Thematik fast über ein Jahr behandelst, mitlebst. Das geht dann schon unter die Haut und beschäftigt auch außerhalb des Drehs“. Doch zur Vorgeschichte: Martina Zöllner, Leiterin Hauptabteilung Film und Kultur beim SWR, sagte in ihrer Begrüßung, dass die Drehbuchautoren der Serie aktuelle Themen behandeln wollen und dabei Wert auf Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit der Figuren und Inhalte legen. Deshalb sei die Recherche die zentrale Grundlage und im Rahmen der Recherche zum Thema Demenz und wie damit in der Gesellschaft umgegangen wird, rief der SWR im Landratsamt Rastatt an. Die Kontakte zum Pflegestützpunkt und zur Betreuungsbehörde wurden im Verlauf der Dreharbeiten zu einem intensiven Austausch, der sich widerspiegelt, wie die verschiedenen Aspekte des Themas – die medizinische Diagnose, Angehörige und rechtliche Fragen – behandelt werden. Dass es gelungen ist, das Tabuthema mittels des Mediums einer bekannten Serie in den Fokus zu rücken, bestätigte auch Landrat Jürgen Bäuerle. Ihm ist es ein Anliegen, das Thema zu enttabuisieren, den Betroffenen und ihren Angehörigen Mut zu machen, Hilfe zu suchen und anzunehmen. Dass die Darstellung der Problematik glaubwürdig sei, das bestätigten auch alle Teilnehmer der Podiumsdiskussion. Neben den Schauspielern Ursula Cantieni und Markus Pfeiffer, Anja Frischkorn vom Pflegestützpunkt und Petra Welz von der Betreuungsbehörde waren dies auch zwei Betroffene aus dem Landkreis: Willy Riedinger schilderte als Ehemann, wie sich nach dem Schock der Diagnose das Leben komplett veränderte, intensiver wurde. „Es geht jetzt alles über die emotionale Ebene, da der Intellekt sich ja langsam verabschiedet. Es gibt keine Vergangenheit und keine Zukunft, nur das Hier und Heute, und das wollen wir genießen, so wie es für uns möglich ist“.
Er geht in seiner Umgebung offensiv mit der Erkrankung um, in regelmäßigen Intervallen geht seine Frau auch noch arbeiten, mit ihm als direktem Vorgesetzten. „Das tut ihr gut, das gibt ihr Selbstwertgefühl.“ Auch Georg Jungkamp-Streese geht offensiv mit seiner Krankheit um, „eine elegante Form“, wie er es nennt, die ihm das Sprachvermögen belässt. Allerdings orientieren fällt ihm schwer und komplexe Sachverhalte lösen, wie beispielsweise eine Reise buchen. „Wir reisen sehr gerne und das erledigt jetzt meine Frau. Da haben sich die Rollen verkehrt.“
Welch positiven Einfluss die Teilhabe am kulturellen Leben auf Demenzpatienten hat, schilderte Hans-Robert Schlecht von „Rosen-Resli“, Kultur für Menschen mit Demenz. Weil der Ansatz den Menschen so gut tut, macht er jetzt erste Schritte aus der Landeshauptstadt heraus gen Baden-Baden, um auch dort solch ein Angebot zu etablieren.

Service

Informationen zum Thema im Internet unter www-alzheimer-bw.de. Ansprechpartner im Landkreis Rastatt ist der Pflegestützpunkt im Landratsamt, Telefon (0 72 22) 3 81 21 60 oder E-Mail an pflegestuetzpunkt@landkreis-rastatt.de.