Am "Weg der Erinnerung" auf dem Friedhof Weingarten vereint die Gemeinde die noch verbliebenen Grabmale der in den Weltkriegen ums Leben gekommenen Bürger.
Am „Weg der Erinnerung“ stehen auf dem Friedhof in Weingarten die Grabmale von Toten aus den Kriegen. Foto: Marianne Lother

Volkstrauertag

Denkmale halten Erinnerung wach

Der Volkstrauertag, der auch morgen wieder in verschiedenen Orten mit Gedenkveranstaltungen begangen wird, wurde vom 1919 gegründeten Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zur Erinnerung an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt. Dabei ging es vor allem darum, dass diejenigen ein Zeichen der Solidarität mit den Hinterbliebenen der Gefallenen setzen, die keinen Verlust zu beklagen hatten. Die erste offizielle Feierstunde fand 1922 im Deutschen Reichstag in Berlin statt. Der damalige Reichstagspräsident Paul Löbe hielt laut der Homepage „volkstrauertag“ eine im In- und Ausland viel beachtete Rede, in der er einer feindseligen Umwelt den Gedanken an Versöhnung und Verständigung gegenüberstellte.

Im „Dritten Reich“ ein „Heldengedenktag“

Die Nazis machten aus dem Volkstrauertag einen „Heldengedenktag“. Aber schon 1950 gab es dann wieder das traditionelle Gedenken – und es gab viele regionale Veranstaltungen sowie eine Feierstunde im Plenarsaal des Deutschen Bundestages, wie sie auch morgen stattfindet. Der Volkstrauertag am vorletzten Sonntag im Kirchenjahr (evangelisch) beziehungsweise dem 33. Sonntag im Jahreskreis (katholisch) ist mit zunehmendem Abstand vom Krieg zu einem Tag der Mahnung zu Versöhnung, Verständigung und Frieden geworden.

Steine und Stelen zur Erinnrung

Die Jahre überdauert haben auch die vielen Denkmale, die auf Friedhöfen oder bei Kirchen im Raum um Karlsruhe zu finden sind. Dabei werden mitunter ungewöhnliche Wege beschritten, um die Erinnerung an die Opfer beider Weltkriege aufrecht zu erhalten. In Weingarten etwa, so Bürgermeistrer Eric Bänziger, hat die Gemeinde jetzt einen „Weg der Erinnerung“ auf dem Friedhof angelegt. Gräber mit Toten aus den Kriegen wurden aufgehoben, da sie von den Angehörigen nicht mehr gepflegt werden konnten – die Grabsteine wurden an einem neu angelegten Weg neu aufgerichtet und sind als Ehrengräber dauerhaft in der Pflege der Gemeinde. Zudem gibt es am Ort eine 2013 präsentierte Gedenkstele.

Staffort hat drei Mahnmale

Gleich drei Kriegerdenkmale gibt es laut Stadtverwaltung Stutensee in Staffort. Das sogenannte Ehrenmal für die Bombenopfer des Angriffs vom 2. Februar 1945 auf Staffort, bei dem 15 Stafforter und zwei Soldaten ums Leben kamen. Auf dem alten Friedhof befindet sich ein Soldatengrab, in dem zwei durchmarschierende Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg bestattet sind. Vor der Stafforter Kirche befindet sich auch das Kriegerdenkmal, das ursprünglich für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges Ende der 1920er-Jahre erbaut wurde, auf diesem Denkmal wurden später jedoch auch die Gefallenen und Vermissten aus dem Zweiten Weltkrieg verewigt.

Tafel nennt Namen Vermisster

In Spöck steht ein Kriegerdenkmal vor der evangelischen Kirche. Es zeigt einen knienden Soldaten. Dieses wurde erst vor wenigen Jahren aufwendig durch die Stadt saniert. Darauf sind die Spöcker Gefallenen vom Ersten Weltkrieg verewigt. Auf dem Spöcker Friedhof ist ein zweites Kriegerdenkmal (eine Familie mit Sohn und Tochter, aber ohne Vater) zu finden, das die Gefallenen und Vermissten aus beiden Weltkriegen auf einer Messingtafel festhält.

Gemeinden sorgen für Renovierung

Auch in Linkenheim-Hochstetten gibt es solche Erinnerungsstätten. Das Kriegerdenkmal in Hochstetten wurde 1922 vom Grabmalgeschäft Karl Stiebel in Karlsruhe-Mühlburg hergestellt. Das Material ist weißer Murgsandstein und kostete seinerzeit samt Aufstellung 33 690 Reichsmark. Das Kriegerdenkmal in Linkenheim – vor der evangelischen Kirche – erinnert gleichfalls an die Toten des Ersten Weltkrieges. Es wurde entworfen von dem Pforzheimer Architekten August Heuser und ausgeführt von der Karlsruher Firma Wahl. Im Sommer 2014 wurde es von einer Linkenheimer Fachfirma renoviert. Zusätzlich ließ die Gemeinde ein Steinkreuz aufstellen. Dieses symbolisiert die Erinnerung an die Opfer des Zweiten Weltkrieges.

Jungen Menschen fehlt oftmals der Bezug zum Volkstrauertag. Auf die Bedeutung der Jugendarbeit beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge verweist der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Fischer (Karlsruhe-Land). Er ist Bezirksvorsitzender Nordbaden des Volksbundes.

Frage: Junge Leute können mit dem Volkstrauertag nichts verbinden. Warum ist das Gedenken wichtig?
Fischer: Am Volkstrauertag wird nicht nur der Kriegstoten beider Weltkriege gedacht, sondern aller Toten, die Opfer von Krieg und Gewalt geworden sind. Daher ist neben der Erinnerung an liebe Angehörige oder Vorfahren, die in den Weltkriegen ums Leben kamen, auch der Bezug zur Gegenwart wichtig. 2015 gingen viele Redner auf die am Vortag verübten Terroranschläge in Paris ein. 2016 gibt es leider auch aktuelle Vorkommnisse, wie den schrecklichen Anschlag auf das deutsche Konsulat in Afghanistan. In vielen Projekten des Volksbundes mit Jugendlichen können diese erfahren, was damals geschah.
Frage: Wird diesen Gedanken ausreichend Rechnung getragen?
Fischer: Ein Schwerpunkt des Volksbundes ist die Jugendarbeit. Ein wichtiges Element ist die Arbeit auf einem Soldatenfriedhof. Den Teilnehmenden werden die Folgen von Kriegen anschaulich vor Augen geführt. Ziel ist es, junge Menschen an die friedenspädagogische Arbeit des Volksbundes heranzuführen, über die Auseinandersetzung mit Geschichte für die Folgen und Ursachen von Krieg und Gewalt zu sensibilisieren und aktuelle Herausforderungen des Zusammenlebens in den Blick zu nehmen.
Frage: Bedarf die Form des Gedenkens der Modernisierung?
Fischer: Der Bezirksverband ist bestrebt, die Gedenkveranstaltungen mit aktuellen Bezügen anzureichern oder die Kommunen zu ermutigen, neue Formen des Gedenkens auszuprobieren.