Der Durlacher Schlosspark bietet mit großer Wiese und Brunnen besondere Reize mitten in der Markgrafenstadt.
DIE FREIE SICHT in den Park sticht unter den Ergebnissen der jetzt abgeschlossenen Erneuerung der ältesten Grünalage Karlsruhes heraus. Der Wildwuchs vieler Jahrzehnte ist ausgeräumt. Damit werden die historischen Schichten der Gartenbaukunst besser erkennbar. Die Fontäne des neuen Brunnens mit der breiten Rundbank aus Granit setzt auch im Herbstlicht zwischen den bunten Blättern ein sprühendes Zeichen. | Foto: jodo

Schlosspark Durlach erneuert

Der älteste Garten ist aufgefrischt

Er ist der älteste Park in der Stadt, und besonders viele Durlacher halten ihn auch für den schönsten. Auf jeden Fall sticht ausgerechnet der Schlossgarten Durlach, die alte Perle der Markgrafenstadt, die grüne Konkurrenz der kommunalen Gartenanlagen aus. Nach drei Jahren Arbeit am 2008 beschlossenen Sonderpflegeprogramm ist der Durlacher Schlossgarten, der schon im 16. Jahrhundert die Fürsten schwärmen ließ, wieder prächtig in Schuss. Der älteste Park – mit seinen 3,6 Hektar zehn Mal kleiner als der Stadtgarten – füllt also nun seine alte Rolle als Vorbild für die von der Stadtpolitik gewünschte „Grüne Stadt“ wieder voll aus.
Damit ist die Zukunft der Parkstadt Karlsruhe mit fünf Gartenanlagen aus fünf Jahrhunderten langfristig gesichert.

Fünf Parks – fast jedes Jahrhundert einer

Fast in jedem Jahrhundert kam ein Park dazu: Im 16. Jahrhundert – 150 Jahre vor der Gründung Karlsruhes – ließ Markgraf „Karle mit de Tasch“ mit dem Umzug von Pforzheim unter den Turmberg an der neuen Residenz einen Lustgarten anlegen. Im 18. Jahrhundert zog Markgraf Karl Wilhelm aus der Durlacher Karlsburg aus – gründete 1715 die Planstadt Karlsruhe, baute in den Schnittpunkt der Fächerstrahlen das Schloss und schuf drumherum den Karlsruher Schlossgarten. Im 19. Jahrhundert pflanzte sich die aufstrebende Residenzstadt des Großherzogtums Baden den Stadtgarten als neue grüne Lunge an ihren damaligen Südrand. Im 20. Jahrhundert kam mit der Günther-Klotz-Anlage in Verbindung mit dem Albgrün nach dem Zweiten Weltkrieg die große Grünanlage im Südwesten hinzu. Und im 21. Jahrhundert wachsen der Otto-Dullenkopf-Park zwischen Schloss Gottesaue und dem Karlsruher Kreisel sowie der Citypark Südost zwischen der Ludwig-Erhard-Allee und dem neuen Stadtquartier zu einem grünen Band im Südosten zusammen.

Alte Bäume und Wiesen machen den farbenfrohen Reiz des Parks in der Nähe der Karlsburg aus.
NATURIDYLLE mitten in der Stadt. Ein ungestörtes Spiel von Licht und Schatten mit den Farben. | Foto: jodo

Doch nicht nur vom Alter her ist der Durlacher Schlossgarten etwas ganz Besonderes. Er ist die nun unter der Leitung von Thomas Henz vom Gartenbauamt im Verein mit der Abteilung Gartenbau des Stadtamts Durlach behutsam und konsequent vorgenommene

Widwuchs im Schlossgarten gestutzt

Revitalisierung der historischen Mischung aus verschiedenen Gartenbauepochen. Beim neuen alten Schlossgarten zu Durlach sind die aus der Anlage des Barocks entstandenen Formen eines französischen Zierparks und später eines englischen Landschaftsparks wieder nebeneinander herausgearbeitet. Der die freie Sicht und damit das Raumerlebnis verhindernder Wildwuchs ist entfernt. Die Parkanlage liegt wieder offen da, Kanten mit jungen Hecken sind gesetzt, Wege neu gezogen.
Dazu schießt eine fünf Meter hohe Fontäne aus dem nach altem Vorbild von 1904 – jetzt aber aus Granit statt Beton – gestalteten Brunnen. Noch etwas aber zeichnet den vitalisierten Schlossgarten Durlach aus: Er wird nicht wie inzwischen ständig der Karlsruher Schlosspark oder einmal im Jahr die Günther-Klotz-Anlage als Festwiese, als idyllische Partymeile genutzt. Hinter den Mauern zwischen Karlsburg und Badener Straße herrscht einfach klassischer „Parkbetrieb“: Es wird im Grünen gewandelt, auf einer Bank Luft geholt, auf der Wiese entspannt oder im Rosengarten geträumt. Nur für zwei Anlässe gibt es Ausnahmen: Im Sommerhalbjahr ist der Rosengarten das sehr beliebte Trauzimmer für Hochzeitspaare mit Sektempfang für die Festgesellschaft am Nibelungenbrunnen. Zudem sprießt dort auch etwa Poesie, wenn beim Durlacher Lesesommer lokale Interpreten Literatur in die Idylle der grünen Blätter hauchen.

Der Rosengarten mit dem Nibelungenbrunnen ist ein Anziehungspunkt.
AUCH DIE ROSENBÄNDER um den Nibelungenbrunnen werden gerade erneuert. Dort zieht es im Sommer viele Paare zur Hochzeit im Schlossgarten hin. Ein Angebot des Amts Durlach, das ankommt. | Foto: jodo

Jetzt aber fegt der Herbstwind durch Buchen und Eichen, durch Ginkgo und Kastanien – und die vier Durlacher Amtsgärtner unter der neuen Leitung von Elmar Wintermeyer lassen die Laubpuster aufheulen. Der Winterflor aus Stiefmütterchen ist schon gesetzt, und die Zwiebeln für Narzissen- und Tulpenblüte im nächsten Frühling des 450 Jahre alten Durlacher Schlossgartens werden derzeit gesteckt. Wer im November auf den frisch gemachten Wegen wandelt oder auf den neuen Parkbänken im Spiel der bunten Blätter entspannt, muss nur damit rechnen, dass der Springbrunnen schon wegen Frostgefahr abgestellt wird. Zwei kranke Bäume, die große Buche auf dem Spielplatz und eine Esche, müssten dieser Tage für die Sicherheit fallen, erklärt Wintermeyer.

Zweifacher Nachwuchs für Allee

Dagegen soll die Doppelreihe der alten Kastanien in diesen Tagen zweifachen Nachwuchs bekommen, versichert Planer Henz. So will man nach und nach die Allee mit 400-jähriger Geschichte verjüngen. So ohne Weiteres nämlich lassen sich die Veteranen nicht abholzen, deshalb hat auch die Politik längst dem Kahlschlag abgeschworen. Zwar sind viele Stämme der großen Bäume innen hohl und morsch, doch darin haben fünf sehr seltene Urwaldkäfer überlebt. Und diese Reliktarten gilt es unbedingt zu schützen. Zudem hat man herausgefunden, dass der Stamm der im Innern faulen Bäume außen stabil nachwächst. Auch für die Kinder wird gesorgt: Im Frühjahr werden neue Klettergerüste die morschen, die jüngst wegen Einsturzgefahr demontiert wurden, ersetzen. Und so wollen Henz und Wintermeyer mit den Durlacher Amtsgärtnern den alten Park weiter verjüngen, um seine historische Gestalt zur bewahren.

Historie des Parks

Ein frei gestalteter Lustgarten mit botanischem Anspruch im Stil der Renaissance entsteht ab 1565 nach dem Umzug des Markgrafen Carl II. von Pforzheim nach Durlach bei der Karlsburg. Darauf folgt im 17. Jahrhundert eine strenge Pflanzordnung mit geraden Wegen und symmetrisch angelegten Beeten. Dort werden die Tulpen gezüchtet, mit denen Karlsruhes Gründer Karl Wilhelm dann seine neue Residenz im Hardtwald schmückt. Mit dem Aufschwung Karlsruhes verwildert Durlachs grüner Schatz. Seine nördliche Hälfte wird im 19. Jahrhundert bis zum Markgrafengymnasium bebaut. Dadurch gerät eine der heute ältesten Kastanienalleen Deutschlands an den Parkrand.

Die Kastanienallee im Schlossgarten gehört zu den Ältesten ihrer Art in Deutschland.
SEHR ALT, MORSCH UND DOCH STANDFEST sind die Kastanien der Schlossgartenallee. Zwei Jungbäume ergänzen sie bald. | Foto: jodo

Erst 1904 wird der erhaltene Gartenteil zur Gewerbeausstellung der Markgrafenstadt umgebaut. Die Wege sind seitdem wieder geschwungen. Die barocke Strenge behält nur der bereits 1641 erwähnte Rosengarten ganz im Süden. Mit dem jetzt umgesetzten Pflege- und Entwicklungskonzept von 2008 wollen die Stadt Karlsruhe, die den Schlosspark erst 2007 vom Land übernahm, und ihr Amt Durlach laut Planer Thomas Henz auch die Zukunft des Gartens nachhaltig gestalten.