HIER KANN DIE ENBW VIEL WIND GEBRAUCHEN: Ihre Sparte Erneuerbare Energien entwickelt sich gut. Das liegt vor allem daran, dass der Windpark Baltic 2 in der Ostsee mittlerweile voll in Betrieb ist. Der Konzern istgesamt befindet sich aber in turbulenter See.
HIER KANN DIE ENBW VIEL WIND GEBRAUCHEN: Ihre Sparte Erneuerbare Energien entwickelt sich gut. Das liegt vor allem daran, dass der Windpark Baltic 2 in der Ostsee mittlerweile voll in Betrieb ist. Der Konzern istgesamt befindet sich aber in turbulenter See. | Foto: dpa

Karlsruher Energie-Riese

Der EnBW bläst ein scharfer Wind ins Gesicht

„EnBW hält an Ergebnisprognose für 2016 fest“, schreibt der Karlsruher Energiekonzern ganz oben in seiner Pressemitteilung. Das ändert freilich nichts daran, dass der Energie-Riese in den ersten sechs Monaten dieses Jahres unter dem Strich tiefrote Zahlen geschrieben hat. Im ersten Quartal stand zwar noch ein Mini-Gewinn von 51 Millionen Euro in den Büchern – doch dann folgte im zweiten Viertel ein Minus von 245 Millionen Euro.
Mit dem saldierten Verlust von 194 Millionen Euro als Ballast an Bord reist der Energiekonzern nun durch dieses Jahr der Energiewende. Vor allem durch den verschärften Preisdruck bläst den Karlsruhern mächtig Gegenwind ins Gesicht. Weil sie genauer denn je kalkulieren müssen, verabschieden sie sich sogar von ihrem Großkundengeschäft. Auch der Umsatz sackte ab: Auf 9,8 Milliarden Euro im ersten Halbjahr nach 10,9 Milliarden Euro im Vergleichszeitraum 2015.

Finanzvorstand spricht von „temporären Effekten“

Finanzvorstand Thomas Kusterer sieht den Tanker EnBW mit seinen 20 263 Mitarbeitern aber dennoch auf Kurs: Er begründet die tiefroten Zahlen mit „temporären Effekten“ wie den vorgezogenen Wartungsarbeiten am Atomkraftwerk Philippsburg.
Für das Gesamtjahr 2016 rechnet er unverändert mit einem bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibung (adjusted Ebitda), das zwischen fünf und zehn Prozent unter dem des Vorjahres liegen soll. Ende 2015 lag diese Rechengröße bei 2,110 Milliarden Euro. Unter dem Strich kam die EnBW seinerzeit auf 125 Millionen Euro Gewinn.
Gut lief es im ersten Halbjahr bei den Erneuerbaren Energien, deren operatives Ergebnis um 75 Prozent anstieg – was auch daran liegt, dass der große Windpark Baltic 2 komplett ist. Auch die Netz-Sparte erfreute das Management mit einem Plus von 20 Prozent. Für Kusterer bedeutet dies, dass „wir auf dem richtigen Weg sind“. Wäre da nicht das Segment Erzeugung und Handel mit seinem Minus von 73 Prozent.

Deutlich höhere Investitionen

Auffallend ist, dass die EnBW im ersten Halbjahr 1,663 Milliarden investiert hat – im Vergleichszeitraum waren es nur 526 Millionen Euro. Dies liegt vor allem daran, dass die EnBW endlich das Ziel, ihre Gas-Sparte erheblich zu stärken, erreicht hat. Bekanntlich haben die Karlsruher 74,2 Prozent der Anteile an der VNG Verbundnetz Gas AG (Leipzig) übernommen.

Netto mehr Mitarbeiter

Zur Mitarbeiterzahl: Weil die EnBW bei den Erneuerbaren und in der Netzsparte neu eingestellt hat, hatte sie trotz des allgemeinen Abbauprogramms im Vergleichszeitraum saldiert 202 Arbeitsplätze mehr. Derzeit arbeiten 20 263 Menschen für die EnBW nach 20 061 zum Monatsultimo Juni 2015. Der Job-Abbau geht aber weiter. Kusterer nennt mindestens 400 Stellen als Zielgröße.