Aus Holz besteht der Rahmen des Bugatti Atlantic. Das höchst seltene Fahrzeug wird nun nachgebaut - Udo Jörges aus Achern (rechts, hier mit Sohn Christian) liefert das Grundgestell.
Aus Holz besteht der Rahmen des Bugatti Atlantic. Das höchst seltene Fahrzeug wird nun nachgebaut - Udo Jörges aus Achern (rechts, hier mit Sohn Christian) liefert das Grundgestell. | Foto: Roland Spether

Acherner baut seltenen Wagen

Der Traum vom Bugatti beginnt mit einem Holzgestell

Von Roland Spether

Das teuerste Auto der Welt ist ein Bugatti Atlantic 57 SC Baujahr 1938. Er ging für 40 Millionen Dollar über die „Ladentheke“, ist einer der ausgefallensten Oldtimer der Welt und er wurde jetzt „neu aufgelegt“ in einer Werkstatt im Acherner Industriegebiet. Oldtimer-Spezialist Udo Jörges hat ein Chassis gebaut, über dem die Metall-Karosserie diese legendären „Atlantic“ als Replik entstehen soll. „Wir sind die einzige Acherner Firma, die Autos baut“, sagt Udo Jörges, als er das diffizile Werkstück mit seiner Ehefrau Ingrida Jörges und Sohn Christian zum Weitertransport verlädt.

Karosserie des Bugatti für Neuseeland

Die Reise der Karosserie geht zunächst nach England und von dort mit dem Schiff nach Neuseeland in das Classic-Museum von Hamilton City, wo sich der Mäzen und Oldtimer-Fan Tom Andrew einen Traum erfüllen will: den Bau eines Bugatti Atlantic Type 57 SC. Den Grund für dieses Riesenprojekt nennt er auch. Denn es gibt nur noch zwei Bugatti dieses Typs auf der Welt und er will den dritten unbedingt haben, denn es handelt sich um mehr als nur ein Fahrzeug. Es sei „Art On Wheels“ – „Kunst auf Rädern“. Das Styling des „Atlantic“ beschreibt die Fachwelt als „atemberaubend“. Die Motorhaube ist extrem lang, das Heck ist gerundet und mündet in einem Oval. Der Hingucker schlechthin ist der klar akzentuierte Kamm, der senkrecht stehend von der Windschutzscheibe bis zur hinteren Stoßstange verläuft. Es handelt sich hierbei um eine genietete Naht der beiden aneinandergehefteten Aluminium-Karosseriehälften.

„Radien in alle Richtungen“

„Er träumt von einem Bugatti und wir helfen ihm dabei, seinen Traum zu erfüllen“, so Udo Jörges zu dem Auftrag des Neuseeländers. Der Acherner befasste sich seit Jahren akribisch mit dem Thema Bugatti, trug Konstruktionspläne zusammen, studierte die alte Technik und schaffte es tatsächlich, bei renommierten Oldtimer-Treffen mit einem funktionierenden Bugatti aus dem Jahre 1903 für große Augen zu sorgen.

So soll es einmal aussehen: Ein Bugatti Typ 57 Atlantic von 1936, von dem insgesamt nur drei Exemplare gebaut wurden, bei der der Essener Motor Show.
So soll es einmal aussehen: Ein Bugatti Typ 57 Atlantic von 1936, von dem insgesamt nur drei Exemplare gebaut wurden, bei der der Essener Motor Show. | Foto: Weihrauch

Das Problem beim Bau des Chassis aus Eschenholz bestand darin, dass es keine rechten Winkel, sondern nur „Radien in alle Richtungen“ gebe. Um den „Atlantic“ tatsächlich originalgetreu aufzubauen, müsse eben das Grundgerüst stimmen und dazu benötige man die genauen Maße und Dimensionen.

„Wir haben die Maße und Pläne und sind in der Lage, das damals schon sehr teure Nobelfahrzeug zu bauen“, so Jörges. Zur Lieferung nach Neuseeland gehörten auch Negativ-Formen aus Fiberglas, nach denen dort die Metall-Karosserie gefertigt werde. Wie aus der Ankündigung des Museums in Hamilton auf der Homepage ersichtlich, soll das ganze Fahrzeug mit Fahrgestell, Motor und allem Drum und Dran gebaut werden.