Bienen
Franz Kafka bei der Honigernte: Die ist in diesem Jahr eher bescheiden ausgefallen | Foto: Michaela Gabriel

Sorge bei den Acherner Imkern

Die Bienen sind „total unter Druck“

Von Michaela Gabriel

An Bienen mangelt es in der nördlichen Ortenau nicht. Landwirte suchen bisher wenig Kontakt zu Imkern, um Bienen zu ihren Obstkulturen zu holen, wie es in anderen Gegenden der Republik bereits der Fall ist. Doch die Idylle trügt. Die für das Ökosystem unverzichtbaren Insekten sind vielen Gefahren ausgesetzt. Das beginnt bei der allgegenwärtigen Varroa-Milbe und reicht bis zu neuen Spritzmittel, etwa gegen die Kirschessigfliege, die die Winzer und Obstbauern für den Fall eines Befalls derzeit bereit halten.

Geld für Dienste der Bienen

„Am Bodensee gibt es schon Bestäubungsimker“, berichtet Ernst Kafka aus dem Acheerner Stadtteil Großweier, Vorsitzender des Imkervereins Achern. Landwirte bezahlen dort bis zu 80 Euro pro Volk, damit der Imker es in ihre Obstkulturen stellt. Im „Alten Land“ bei Hamburg habe er von bis zu 100 Euro gehört, weil die Bestäubung durch Insekten nicht mehr automatisch und natürlich gelinge. „Es gibt bei uns eben noch viele Imker und deshalb auch viele Bienen,“ weiß Ernst Kafka. Der Imkerverein Achern sei einer der größten in Baden und habe rund um die Hornisgrindestadt mit dem Achertal und dem Sasbachtal 130 Mitglieder. Und die hätten ihre liebe Mühe, die Völker gesund zu erhalten und zu pflegen. „Die Varroa-Milbe ist überall und immer da. Wir können sie nur minimieren“, so der Imker und Bienensachverständige. Die nur einen Millimeter große Milbe sticht die Made an, so dass bestenfalls verkrüppelte Jungbienen schlüpfen. 10 bis 30 Prozent der Völker können die Imker an den Schädling verlieren – was auch ihren Honigertrag im nächsten Jahr mindert.

Honigernte ist eher mies

Der fiel in diesem Jahr eher mies aus. Wetterbedingt, so Ernst Kafka, seien viele Waben leer geblieben. Wenn die Bienen keine optimalen Flugbedingungen haben, bleiben ihr Vorräte klein. Aber auch der „leer geräumten Feldflur in der Rheinebene“ gibt er die Schuld an wenig produktiven Bienenvölkern. „Nur im Frühjahr bis zur Obstbaumblüte finden Bienen hier genug Blüten. Vom Mais und Grünpflanzen können sie nicht leben“, beklagt der Imker. Das sei auch der Grund, warum die meisten Bienenvölker im Sommer in der Vorbergzone stehen.
Mehrere Imker in der Region erhielten zum Wandern mit ihren Bienenstöcken in diesem Sommer kein Gesundheitszeugnis. Weil zwei Betriebe Ende Mai Fälle von „bösartiger Faulbrut“ hatten, wurde vom Veterinäramt ein Sperrbezirk eingerichtet. „Der wird wieder aufgehoben, wenn nichts mehr festgestellt wird“, so Kafka. 150 Bienenstöcke seien untersucht und die betroffenen saniert worden.

Sorge wegen Kirschessigfliege

Jetzt hofft Ernst Kafka, dass die Winzer nicht gezwungen sein werden, die Kirschessigfliege im großen Stil zu bekämpfen. Denn eines der Mittel, das sie dafür bereithalten, ist gefährlich für Bienen. Schleichendes Gift für Bienen seien die Neonikotinoide, die seit einigen Jahren auf dem Markt seien. Sie stören den Orientierungssinn und die Kommunikationsfähigkeit der Bienen. „Wir stellen dann fest, dass ein Volk sich kahl geflogen hat“, so der Imker. Es sei „einfach fast niemand mehr da“. Sein Fazit klingt beunruhigend: „Die Bienen sind total unter Druck – einschließlich der Wildbienen.“