Viele Frauenhäuser in Baden-Württemberg haben kein Zimmer frei.
Viele Frauenhäuser in Baden-Württemberg haben kein Zimmer frei. | Foto: dpa/Peter Steffen/Archiv

Opfer von Gewalt

Überfüllte Frauenhäuser im Südwesten

Die Frauenhäuser im Südwesten sind überfüllt – in Ferienzeiten ist es aus Sicht von Experten besonders schlimm. „Wir haben immer Platzprobleme“, sagte die Sprecherin der Koordinierungsstelle der Autonomen Frauenhäuser Baden-Württemberg, Sylvia Haller, in Heidelberg. Vor allem in der Urlaubszeit würden viele Frauen, die von Gewalt bedroht sind, mit ihren Kindern versuchen zu fliehen. In den Sommerferien sei der Umzug mit Kindern leichter, da die schmerzhafte Entwurzelung etwas geringer sei. Weihnachten dagegen sei eine schwierige Zeit in Familien, da es viele Erwartungen und daher ein hohes Stresspotenzial gäbe.

97 Prozent der Frauenhäuser hatten kein Zimmer frei

Das Sozialministerium Baden-Württemberg hatte im Frühjahr 2016 eine Bestandsaufnahme zu den Frauenhäusern in Auftrag gegeben. Demnach antworteten 97 Prozent der befragten Einrichtungen auf die Frage, ob sie alle bedrohten Frauen aufnehmen konnten, mit „Nein“. Es gäbe „Zeiten geringer und Zeiten von hoher Auslastung bisweilen sogar Überfüllung“. Daher sei die Planung der Plätze schwierig, hieß es.

Beispiel Heidelberger Frauenhaus: 2015 mussten dort 135 Frauen mit 155 Kindern abgewiesen werden. Dagegen konnten nur fünfzig Frauen aufgenommen werden, die 58 Kinder mit in das Haus brachten.

Es gibt vermehrt Anfragen aus Flüchtlingsunterkünften

„Es gibt vermehrt Anfragen aus Flüchtlingsunterkünften, entweder direkt von betroffenen Frauen oder von Mitarbeitern“, erzählte Haller. Kämen Flüchtlings-Frauen in die Frauenhäuser, bedeute das durch die Bürokratie mehr Aufwand für die Mitarbeiter. „Eine Lockerung der Residenzpflicht der Flüchtlinge und eine stabile Finanzierung wären eine Erleichterung“.

Probleme bei der Finanzierung

Grundsätzlich sei die Finanzierung durch die Kommunen ein Problem: Haben die Frauen Haller zufolge einen finanziellen Anspruch beim Jobcenter, sei das am einfachsten. Bei allen Fällen darüber hinaus sei es unsicher und kompliziert, für Unterstützung zu sorgen. „Eine landesweit einheitliche Finanzierung wäre ideal“, sagte Haller.

Hilfs- und Beratungsangebote für Frauen, die Opfer von Gewalt sind, in Baden-Württemberg:
– 41 Frauen- und Kinderschutzhäuser
– 11 Frauennotrufe
– 43 Frauenberatungsstellen bei häuslicher Gewalt
– 24 Interventionsstellen bei häuslicher Gewalt
– 30 Fachberatungsstellen bei sexualisierter Gewalt.
Zudem gibt es 17 Beratungsstellen, die sich auf Opfer von Zwangsverheiratung, Menschenhandel und sexueller Ausbeutung spezialisiert haben.

Rund um die Uhr ist das „Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen“ unter 08000 116 016 zu erreichen.
Frauenhäuser bundesweit finden Sie hier.